Makler ist bereits beauftragt

Für bis zu 10 Millionen Euro: Schweizer Konzern verkauft Standort im MK

Auf diesem Foto ist fast das komplette Gelände von Fischer am Bahnhof zu erkennen, die Gebäudeteile am linken Bildrand sind auf einem anderen Foto im Exposé abgebildet. Rechts im Bild liegt neben der Werkseinfahrt von Georg Fischer das Betriebsgelände der Vossloh AG.
+
Auf diesem Foto ist fast das komplette Gelände von Fischer am Bahnhof zu erkennen, die Gebäudeteile am linken Bildrand sind auf einem anderen Foto im Exposé abgebildet. Rechts im Bild liegt neben der Werkseinfahrt von Georg Fischer das Betriebsgelände der Vossloh AG.

Der Schweizer Konzern Georg Fischer (GF) verkauft die komplette Liegenschaft am Bahnhof über den Plettenberger Makler Ralf Beßler. Zwischen neun und zehn Millionen Euro könnte der Komplex bringen, vermutet Beßler.

Die Frage, warum ein Plettenberger Makler mit der Vermarktung von 20 000 Quadratmetern Gewerbefläche eines großen Konzerns beauftragt wird, beantwortet Ralf Beßler mit seiner Marktstellung: „Wir sind regional die Nummer eins für die Vermarktung von Gewerbeimmobilien.“ Er arbeite mit Dura und Plettac in Plettenberg, auch das ehemalige Toyota-Autohaus in Werdohl habe er vermittelt. Beßler verkauft die Liegenschaft im Auftrag der Schweizer Zentrale von GF. Ein Kaufpreis stehe zur Verhandlung, so Beßler. Interessenten könnten sich die Immobilie anschauen und dann ihr Gebot abgeben. „Ich verhandle für den Käufer den Preis mit GF“, so Beßler. Im Gespräch lässt er eine Zahl fallen: „So neun bis zehn Millionen Euro sollte die Immobilie bringen.“

Wer in den Gebäuden wieder dauerhaft produzieren und gutes Geld verdienen wolle, für den sei der Kaufpreis wohl nicht das entscheidende Kriterium. Wer dort vielleicht nur weitervermieten oder Hallen als Lager nutzen wolle, der werde sicher genauer über eine größere Investition nachdenken.

Der direkte Nachbar hat kein Interesse

Als regionaler Makler verfolge Beßler das Ziel, für die Menschen in der Gegend zu arbeiten. „Vielleicht muss nicht alles in die Hände von Konzernen gelangen“, so Beßler. Vorrangig wolle man an jemanden verkaufen, der „vielleicht auch wieder Personen beschäftigt“. Unbegreiflich sei ihm in diesem Zusammenhang, dass sich der unmittelbare Nachbar, die Vossloh AG, nicht auf das Verkaufsangebot gemeldet habe. Die beiden Industriekomplexe liegen direkt beieinander und sind nur durch die GF-Werkseinfahrt, die hier die Schlesinger Straße ist, getrennt. An Vosslohs Stelle würde er das Grundstück sofort übernehmen, so Beßler, und sei es als Bevorratungsfläche für die Zukunft. Eine Nachfrage dazu beantwortete ein Mediensprecher für die Vossloh AG so: „Wir wollen die Anfrage nicht weiter kommentieren.“ Offensichtlich hat Vossloh derzeit keinen strategischen Bevorratungsbedarf für Flächen oder Hallen. Vossloh investiert momentan bis zu 40 Millionen Euro für eine „Fabrik der Zukunft“.

Nicht alle Hallen von Georg Fischer sind im Exposé des Maklers abgebildet.

Für manchen auswärtigen Unternehmer habe der Standort mitten in Werdohl allerdings einen Nachteil: Die fehlende Autobahnnähe. Beßler: „Das ist für viele ein ganz entscheidendes Kriterium.“

Werk sollte ursprünglich schon zum Jahresende schließen

GF wollte das Werk ursprünglich spätestens zum Jahresende 2020 schließen. Verstärkte Kundennachfragen hätten aber dazu geführt, dass noch ein halbes Jahr weiterproduziert werden müsse. Dazu Beat Römer als Sprecher von GF in der Schweiz: „Die Gießerei stellt zum 30. Juni die Aktivitäten ein. Die Bearbeitung in Werk 2 an der Schlacht mit rund 90 Mitarbeitenden bleibt wie geplant erhalten. Die derzeit gut 60 Mitarbeiter in der Gießerei sind noch bis zum 30. Juni beschäftigt. Unsere Kunden haben die Bestellungen gegenüber dem ursprünglichen Budget stark erhöht, sodass wir sechs Monate länger als geplant produzieren müssen.“ Der Werdohler GF-Betriebsrat sah hingegen Qualitätsmängel in der österreichischen GF-Fertigung als Hauptgrund an, begrüßte aber die Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern, die sonst früher in die Auffanggesellschaft gegangen wären.

Die Immobilie sei schon seit Mitte 2020 auf dem Markt, so Römer. Da die Arbeiten im Werk am Bahnhof zwischenzeitlich wieder aufgenommen werden mussten, habe sich der Verkaufsprozess entsprechend verzögert. Römer abschließend: „Wenn sich ein passender neuer Eigentümer findet, kann die Immobilie nach der Stilllegung kurzfristig verkauft werden.“

Verkaufsprozess kommt nicht überraschend

Überraschend kommt der Verkaufsprozess nicht. GF-Projektabwickler Georg Neuschütz hatte schon vor langer Zeit die Absicht des Konzerns geäußert, sich nach Einstellung der Alugießerei von der kompletten Immobilie trennen zu wollen. Anders als andere Konzerne hat GF stets offen und nachvollziehbar sämtliche Aktivitäten in Werdohl kommuniziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare