Kampf um die Existenz

Friseure dürfen bald wieder öffnen: In Werdohl laufen die Vorbereitungen

Friseurmeisterin Evelyne Wendland und ihre Mitarbeiterinnen schnitten vor der Schließung Mitte Dezember quasi rund um die Uhr, seitdem sind die Friseurgeschäfte geschlossen. Wendland nimmt ab Montag Termine entgegen.
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Friseurmeisterin Evelyne Wendland und ihre Mitarbeiterinnen schnitten vor der Schließung Mitte Dezember quasi rund um die Uhr, seitdem sind die Friseurgeschäfte geschlossen. Wendland nimmt ab Montag Termine entgegen.

Nach zehn harten Wochen der Schließung und existenziellen Nöten begannen die Werdohler Friseurmeisterinnen am Donnerstag, ihre Betriebe für die Wiederöffnung am 1. März zu organisieren.

Keine von ihnen ist schon wieder im Geschäft tätig, die Frauen waren nur privat zu erreichen.

Maria Klöcker vom Salon „Magic Hair“ in der Werdohler Innenstadt war noch am Mittwochabend in ihr Geschäft gefahren, um das Terminbuch zu holen und das Telefon aus dem Salon zu sich nach Hause umzuleiten. Klöcker betreibt den größten Salon in Werdohl mit insgesamt acht Mitarbeiterinnen. Seit Donnerstagmorgen halb acht klingele ihr Telefon ununterbrochen, seitdem nimmt sie Termine entgegen. Am Nachmittag war eine Telefonkonferenz mit ihren Mitarbeiterinnen geplant, um die Wiederöffnung vorzubereiten. Sämtliche Mitarbeiterinnen sind in 100 Prozent Kurzarbeit. Der 1. März ist ein Montag, an dem Klöcker normalerweise ihr Geschäft geschlossen hält. An dem Montag will sie mit vier Kolleginnen starten, ab Dienstag mit der vollen Mannschaft.

Salon stand kurz vor der Schließung

„Gottseidank“ dürfe sie wieder öffnen, freut sich die Friseurmeisterin. Als Selbstständige sei sie es nicht gewohnt, den ganzen Tag ohne Arbeit zuhause zu sein. Wenn sie nicht verheiratet wäre und einen Mann mit Einkommen hätte, wäre ihr finanziell die Puste ausgegangen. Miete und Nebenkosten müssen gezahlt werden, auch das Kurzarbeitergeld geht erstmal vom Betriebskonto an die Kolleginnen. Das Arbeitsamt ließe sich mit dem Ausgleich Zeit. Hilfen vom Staat habe sie bislang nicht bekommen. „Ich habe keinen Cent gesehen. Wir sind alle am Limit“, sagt Maria Klöcker, die sich auf ein Ende der Not freut. Rücklagen habe ihr Betrieb nicht bilden können: „Wir mussten 2020 schon acht Wochen schließen.“

Das Umrüsten des Salons auf die Hygienemaßnahmen habe auch Geld gekostet. Oster- und Weihnachtsgeschäft seien komplett ausgefallen. Sie habe kurz vor der Schließung gestanden, es habe weder versprochene Kredite noch andere Unterstützung gegeben. Privat habe sie sich sehr eingeschränkt. „Ich habe viel gekämpft. Ich will das Geschäft behalten, für das ich hart gearbeitet habe“, blickt sie jetzt wieder zuversichtlich in die Zukunft. Geöffnet werden soll zu den üblichen Betriebszeiten, vielleicht mache sie abends etwas länger auf. Bei Kundinnen und Kunden sei viel nachzuholen, um wieder in den Schneiderhythmus zu kommen.

Das Handy klingelt unablässig

Auch Evelyne Wendland atmet auf. Die Friseurmeisterin wohnt in Balve und führt ihren Salon an der Freiheitstraße. Am Montag, 15. Februar, will sie im Salon Termine ab März vergeben. Jetzt schon klingele ihr Handy unablässig, weil Kundinnen Termine machen wollen. „Ich muss meinen Betrieb erstmal neu organisieren“, sagt Wendland. Montag mache sie eine Lagebesprechung mit ihren Mitarbeiterinnen. Wie genau möglicherweise strengere Hygieneauflagen aussehen, wisse noch niemand. Pro zehn Quadratmeter durfte sie bis Dezember nur einen Kunden bedienen, also nur höchstens zu dritt im Laden arbeiten. Die vierte Kraft werde erstmal ans Telefon gesetzt.

Die Mitarbeiterinnen zögen voll mit: „Das ist ein absolut cooles Team.“ Ob sie Hausbesuche machen dürfe, sei auch nicht geklärt. Wendland ist alleinstehend und alleinerziehend: „Ohne meine Familie hätte ich das finanziell nicht durchgestanden.“ Zehn Wochen ohne Einnahmen und ohne Rücklagen aus dem Vorjahr haben sie in existenzielle Nöte gebracht. Im ersten Lockdown hatte sie 9000 Euro Soforthilfe bekommen: „Da werde ich viel von zurückzahlen müssen.“

Für Dezember keine Hilfen erwartet

Sie empfinde es als eine „Schweinerei“, das zuerst versprochen wurde, dieses Geld sei ohne Rückzahlungsforderung. Für den Dezember werde sie keine Hilfen kriegen, weil sie bis zur Schließung überdurchschnittlich viel Umsatz gemacht habe. Den Werdohler Salon hat sie vor viereinhalb Jahren übernommen und sich damit bis Anfang 2020 eine gesunde Existenz aufgebaut. „Endlich hatte ich Geld verdient, dann mussten wir schließen“, schaut sie zurück. Aber klagen helfe auch nicht weiter: „Ich will durchhalten und freue mich schon darauf, wieder arbeiten zu können.“

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