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Frisches Blut fehlt: Blutspendedienst erlebt ungewöhnliche Durststrecke

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Von: Michael Koll

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Melina Cibulski im Moment ihrer ersten Blutspende: Julia Majewski setzt die Nadel an.
Melina Cibulski im Moment ihrer ersten Blutspende: Julia Majewski setzt die Nadel an. © Koll, Michael

Immer weniger Menschen spenden Blut. Der Blutspendedienst erlebe gerade eine ungewöhnliche Durststrecke. Was dahinter steckt.

Werdohl – „Ich möchte einfach Menschen helfen“, sagt Melina Cibulski. Die 23-jährige Werdohlerin ist an diesem Tag Erstspenderin. Julia Majewski vom Blutspendedienst West aus Hagen nimmt der jungen Frau den roten Lebenssaft ab.

Cibulski erzählt derweil: „Vor zwei Jahren bin ich Mutter geworden. Meine Tochter war ein Frühchen. Sie ist zwar komplett gesund, dennoch hat ihre Geburt meinen Blick auf das Thema Gesundheit geschärft.“ Und so spendete Cibulski nun fünf Jahre nach ihrem 18. Geburtstag zum ersten Mal Blut – und möglicherweise auch nicht zum letzten Mal, jedenfalls hat die 23-Jährige die Spende gut vertragen, wie sie später am Nachmittag versichert.

Zwei Stunden nach Beginn des Spendetermins im großen Pfarrsaal der St.-Michael-Gemeinde ist die frischgebackene Mutter bereits die zweite „Ersttäterin“ des Tages, berichtet Manuel Kuntze, Leiter des Hagener Teams vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), welches heute die Spendewilligen versorgt.

Teamleiter Manuel Kuntze vom DRK-Blutspendeteam Hagen präpariert die nächsten Spenderboxen für die Blutspender im großen Pfarrsaal.
Teamleiter Manuel Kuntze vom DRK-Blutspendeteam Hagen präpariert die nächsten Spenderboxen für die Blutspender im großen Pfarrsaal. © Koll, Michael

Der Teamleiter sieht es gerne, weiß aber auch: „Die Zahl der Erstspender kann seit jeher die Zahl derjenigen, die aufgrund von Alter oder Krankheit gar nicht mehr zu den Spendeterminen kommen können, nicht ausgleichen.“

Er weist auch darauf hin, dass der heimische Blutspendedienst derzeit eine ungewöhnliche Durststrecke durchläuft. „Während der Sommerferien haben wir für gewöhnlich deutlich weniger Spender. Dieses Mal gab es in den Wochen der Schulferien aber sogar mehr Spenden als sonst.“ Die Spender blieben aus, als die Mädchen und Jungen Nordrhein-Westfalens wieder in die Schule mussten. Kuntze überlegt: „Zum einen gibt es immer noch Menschen, die sich aufgrund der Covid 19-Pandemie nicht zu unseren Spendeterminen trauen. Andere sind aber wohl froh, dass sie endlich wieder reisen können. Und bei den gestiegenen Preisen aufgrund des Krieges in der Ukraine nutzen sie wohl nun die Zeit nach der Hochsaison, um etwas günstigere Ferien verleben zu können.“

Die Folge: Im Moment liegen die Spenderzahlen bei den Terminen in nahezu allen Orten ein Viertel bis ein Drittel unter den Werten, die in den jeweiligen Städten und Gemeinden laut Erfahrung sonst erzielt werden. In Großstädten ist der Einbruch weniger stark oder bleibt sogar ganz aus. „Hamm ist eine dieser Städte, wo wir vom Blutspendedienst West immer Spitzenzahlen erreichen – und jetzt eben auch noch.“ In Werdohl hat Kuntze diesen Einbruch allerdings beobachten können.

Abgesehen vom in diesem Jahr verschobenen Sommerloch ist fortlaufend ein Rückgang der Spenderzahlen zu beklagen. Kuntze schätzt, „dass nach einem zwischenzeitlichen Hoch nach dem Corona-Knick in etwa seit dem Frühjahr wieder alles rückläufig ist“.

Uwe Krähahn (links) wurde vom DRK für seine 75. Spende ausgezeichnet, Jens Vielhaber hatte schon 100. Mal Blut gespendet.
Uwe Krähahn (links) wurde vom DRK für seine 75. Spende ausgezeichnet, Jens Vielhaber hatte schon 100. Mal Blut gespendet. © Linnhoff

Verantwortlich dafür, so schätzt Kuntze, „ist, dass wir beispielsweise keine Sondertermine etwa in den Berufskollegs anbieten können, da wir nach wie vor wegen Corona nicht in die Gebäude hinein dürfen“.

Ein anderer Grund ist sicherlich auch der akute Personalmangel. Kuntze zählt auf: „Wir suchen in Hagen momentan Rettungssanitäter, medizinische Fachkräfte, Labortechniker und gerne auch Quereinsteiger.“ Auf der Internetseite des Blutspendedienstes West sind die Jobangebote nachzulesen.

Bei diesem Termin in Werdohl mussten die Spendewilligen übrigens unverändert Maske tragen – nicht aber beim anschließenden Imbiss. Diesen gab es erstmals seit Beginn der Pandemie wieder am Tisch vor Ort und nicht einpackt in eine Papiertüte und zum mitnehmen.

Spendetermin

Dienstag kamen 88 Spender, darunter 5 Erstspender. Der nächste Spendetermin ist am Montag, 29. September, 15.30 bis 20 Uhr im großen Pfarrsaal St. Michael.

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