Friedenskirche: Reise durch Stile und Epochen

Wie die Orgel war die Querflöte am Sonntag eher bei den klassischen Komponisten zu Hause.

Werdohl - „Gott ist ein Liebhaber von Akkorden, Noten und Melodien“ – so formulierte es Pfarrer Dirk Grzegorek bei seinem Schluss-Segen im Anschluss an ein außergewöhnliches Konzert am Sonntagabend in der Evekinger Friedenskirche. Ein Satz, der durchaus auch als Schlussakkord für ein Erlebnis gelten darf, das eine zufriedenstellende Zahl von Zuhörern in seinen Bann gezogen hatte.

Von Rainer Kanbach

Der Orgel-Förderkreis der Friedenskirche präsentierte unter der musikalischen Gesamtleitung der Kreiskantorin Liesa-Verena Forstbauer einen Konzertabend zum Thema „In dir ist Freude“, der sich durch ein hohes Niveau auszeichnete. Das Programm sollte als abwechslungsreiche Reise durch verschiedene Stilepochen verstanden werden. Werke zum Beispiel von Händel, Bach, Boccherini, Dubois oder Tschaikowski traten in einen „Wettstreit“ mit Kompositionen zeitgenössischer Künstler wie etwa Michael Schütz, Anne Weckeßer und Richard Roblee.

Gemeinsam eröffneten Bläser und Orgel mit „Trumpet Voluntary“ und dem „March Scipio“ das Programm. Sowohl bei diesen als auch bei den anderen Stücken war das Orgelspiel von Liesa-Verena Forstbauer eher dezent im Hintergrund angesiedelt. Das galt insbesondere dann, wenn es um das Zusammenspiel mit Arnhild Keseberg (Querflöte) ging – etwa bei Tschaikowskis „Barcarole“ oder bei Stücken von Boccherini und Bach. Bei Gossecs „Gavotte“ gar durfte man mit geschlossenen Augen den Tanz einer Elfe erleben – auch wenn dieser Vergleich vielleicht etwas zu plakativ wirken sollte. Jeder durfte schließlich das empfinden, was die Musik ihm jeweils aktuell zu sagen hatte.

Besonders beeindruckend präsentierte sich das Blechbläserensemble des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg seinem Publikum. Dieses siebenköpfige Ensemble mit Musikern aus Werdohl, Altena, Lüdenscheid und Plettenberg hatte in seiner aktuellen Zusammensetzung am Sonntagabend in Eveking Premiere, nachdem vor noch nicht allzu langer Zeit auf zwei Positionen ein Wechsel erforderlich geworden war.

Mit Maik Blum (Euphonium), Liesa-Verena Forstbauer, Marcel Jürgens, Andreas Müller (alle Trompete), Sabine Hartkopf (Posaune), Stefan Lenczewski (Tuba) und Mareen Soldanski (Flügelhorn) stellte sich ein Klangkörper vor, der alle Register seines Könnens ziehen konnte. Während aber Orgel und Querflöte (oder auch beide gemeinsam) am Sonntag mehr bei den klassischen Komponisten zu Hause waren, interpretierten die Bläser etwa mit „Keep cool“, „Feeling blue“ oder „You’re the love of my life“ Stücke von Künstlern, die vornehmlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Gerade das fand im Publikum dankbare Anerkennung, wobei das Programm im zweiten Teil auch exakt so angelegt worden war, dass sogenannte „Ohrwürmer“, wie „Glory Song“, „We’re on our way“ oder „Michael, row the boat ashore“ praktisch das Finale darstellten.

Jeder aus dem Kreis der Zuhörer fand sich schließlich – bezogen auf die eingesetzten Instrumente und Werke – musikalisch gut versorgt. Leider dauert es noch bis zum April 2015, bis der Orgel-Förderkreis erneut zu einem Konzert einlädt; dann hoffentlich auch wieder mit einem guten Händchen für niveauvolle Darbietungen.

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