"Idiotische Einstellung"

Politische Aktivistin kritisiert Werdohler "Fridays gegen Altersarmut"

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Matthias und Kerstin Boncek aus Werdohl bekennen sich zur Gruppierung „Fridays gegen Altersarmut“.

Werdohl – Nicht nur in Werdohl haben Aktionsgruppen der Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ demonstriert. Bei vielen dieser Mahnwachen in ganz Deutschland ist eine Unterwanderung durch teils rechtsextreme Personen und Gruppen beobachtet worden.

Einen besonders kritischen Blick auf die Werdohler Gruppierung unter Matthias und Kerstin Boncek werfen zwei Iserlohner „Parents for Future“-Aktivistinnen. Sylvia Olbrich und Svenja Finke hatten deshalb für vergangenen Freitag eine Gegendemonstration gegen „Fridays gegen Altersarmut“ bei der Werdohler Polizei angemeldet. 

Auf Nachfrage sagte Olbrich jetzt, dass sie diese Demo kurzfristig bei der Polizei wieder abgesagt habe. „Wir waren uns einig, dass wir der Altersarmut-Gruppe durch unseren Protest nicht noch zusätzliche Bedeutung geben wollten“, meinte Sylvia Olbrich. 

Engagiert bei „Parents for Future“

Die 43-jährige Mutter engagiert sich bei der Iserlohner „Parents for Future“-Gemeinschaft und unterstützt damit die weltweite Bewegung „Fridays for Future“. Sylvia Olbrich ist zwar auch Grünen-Abgeordnete, will beim Thema „Fridays“ aber ausschließlich als Privatperson sprechen. Für eine Erklärung als Grüne habe sie kein Mandat und keine Berechtigung. 

Sylvia Olbrich sieht bei der Bewegung eine "idiotische Einstellung".

Als „Fridays“-Aktivistin äußert sie jedenfalls eine deutliche Meinung: „Ich halte es für eine idiotische Einstellung zu sagen: Ich bin nicht rechts, aber ich lasse mich von Rechten unterstützen.“ Die Werdohler Matthias und Kerstin Boncek hatten auf Nachfrage erklärt, sie stünden politisch weder rechts noch links, es gehe ihnen ausschließlich um das Thema Altersarmut. Den Vorhalt, die Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ sei von Rechtspopulisten unterwandert, wiesen sie zurück. Bonceks sind Mitglieder dieser losen Gruppierung und verwenden deren Logos und Flugblätter. 

Eine ganz klare Meinung

Sylvia Olbrich hat zu der „Altersarmut“-Gruppe eine klare Meinung: „Das ist eine durch Rechts unterstützte Bewegung.“ Altersarmut sei ein Risiko, das viele Menschen in Deutschland betreffe und das in jedem Fall ein Anlass zu Besorgnis gebe. Als Sozialpolitikerin sehe sie dort gesellschaftlichen Sprengstoff. 

Auf den selbst gemalten Spruchbändern der Werdohler Mahnwache ist das Logo der Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ zu sehen.

Die Bewegung gegen Altersarmut von Heinrich Madsen steht seit den Mahnwachen vom vergangenen Freitag unter besonderer öffentlicher Beobachtung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert „Fridays gegen Altersarmut“ als „reinen Populismus“ und bemängelt, dass „keine konkreten Ziele oder Forderungen, keine Artikel oder Analysen zur Altersarmut und deren Ursachen“ vorlägen. Zahlreiche Medien wie die Frankfurter Rundschau, der Bayrische Rundfunk, jetzt.de, Heise Online oder die taz sowie Verbände und Gruppierungen wie „Omas gegen Rechts“ oder eben Verdi berichten von Bezügen zur rechten Szene und zahlreichen rechten Äußerungen. 

Aufrufe von rechten Parteien und Gruppierungen

Zu diesen Mahnwachen am 24. Januar wurde zu einem großen Teil speziell von rechten Parteien und Gruppierungen, wie Die Rechte, der NPD, der AfD, oder Journalistenwatch aufgerufen – entsprechend wurden zahlreiche Vertreter dieser rechten Gruppen bei den Mahnwachen beobachtet. In einigen Städten wie zum Beispiel in Menden wurden die Mahnwachen wieder abgesagt, da sich die lokalen Teams nicht von Rechten instrumentalisieren lassen wollten. 

Nicht so in Werdohl. Sylvia Olbrich hatte Kontakt zu Matthias Boncek aufgenommen, doch der hatte nach eigener Aussage gegenüber unserer Zeitung nicht darauf reagiert. Olbrich will Menschen wie Boncek und den Mitdemonstranten pauschal keine politisch rechte Gesinnung unterstellen. Bonceks und die anderen hätten sich aber wissentlich von „Fridays gegen Altersarmut“ instrumentalisieren lassen. 

Ein "hochkomplexes Thema"

Noch einmal Olbrich: „Altersarmut ist ein hochkomplexes Thema, das durch die Rechten stark vereinfacht dargestellt wird.“ Vermeintlich unpolitische Demonstranten wie die in Werdohl gingen der Bewegung offensichtlich auf den Leim.

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