Protest gegen Altersarmut und "die Politiker"

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Etwa 30 Demonstranten gegen Altersarmut hatten sich Freitagabend auf dem Brüninghaus-Platz eingefunden, um ihrer Empörung gegenüber Ungrechtigkeiten im Sozialsystem einen Ausdruck zu geben.

Werdohl – Rund 30 Männer und Frauen mittleren Alters sowie ein paar Kinder und Jugendliche versammelten sich Freitag gegen 17 Uhr auf dem Brüninghaus-Platz. Im Stil einer Mahnwache protestierten sie mehr oder weniger still gegen ein ungerechtes Rentensystem.

Dazu hatten sie Banner mitgebracht, auf denen die Würde des Menschen eingefordert wurde. Auf einem hieß es „Arbeiten bis 70 und dann zur Tafel, das ist das neue Rentensystem“.

Matthias und Kerstin Boncek aus Werdohl hatten sich vor knapp zwei Monaten im Internet der Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ angeschlossen. Über diese Plattform druckten sie sich Umhänger mit dem Logo der Gruppe aus, sie verteilten Flugblätter mit den wichtigsten zehn Forderungen der Gruppe. Matthias Boncek ist gebürtiger Bochumer und lebte mit seiner Familie lange Zeit in Plettenberg und Herscheid, bis er vor gut zwanzig Jahren nach Werdohl zog. 

Matthias und Kerstin Boncek aus Werdohl hatten die Demo organisiert.

Kurzzeitig war er SPD-Mitglied, sei davon aber schnell „geheilt“. In Herscheid engagierte er sich in der DRK-Bereitschaft, er arbeitet in der Härterei bei Vossloh. Seine Frau Kerstin sagt von sich, dass sie knapp über Mindestlohn arbeitet. Das Ehepaar hat fünf Kinder und zehn Enkelkinder, einige davon waren gestern mitgekommen. Beide legen großen Wert darauf, nicht mit Rechten in einen Topf geworfen zu werden.

Ein Mitstreiter aus Altena wurde schnell ärgerlich: Er habe seine freie Meinung und er werde sauer, wenn er deshalb in die rechte Ecke gestellt werde. Auf einem Banner ist zu lesen: „Wir brauchen keine Rechten oder Linken, auch keine Partei, wir haben eine eigene Meinung zu dieser Rentenklauerei!“ Viele Demonstranten betonen, dass sie ihre Rentenforderungen für alle Nationalitäten in Deutschland verstanden wissen wollen.

Boncek erzählt, dass die Grünen aus Iserlohn eine Gegendemo veranstalten wollten, aber offensichtlich doch nicht erschienen waren. Das Grüppchen würde deshalb wohl von zwei Polizeiauto-Besatzungen aus der Ferne beobachtet.

Eine ältere Frau ärgert sich über „Fridays for Future“. Sie lebe seit Jahrzehnten vegetarisch und habe weder Auto noch Handy, und jetzt würde ihr durch eine Vielfliegerin (gemeint ist die deutsche Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer) etwas aufgezwungen.

Alle an diesem Abend eint Empörung über „die Politiker“. Kerstin Boncek: „Die geben Geld für unnötige Sachen aus und machen sich selbst die Taschen voll.“ Sie alle wollen sich deshalb von keiner Partei vereinnahmen und sich keine Meinung vorschreiben lassen.

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