Ein Freund des Schönen: Das hat Ernst Fedder aus der Villa an der Freiheitstraße gemacht

+
Ernst Fedder schaut zufrieden auf das, was er bislang mit seinem Haus Freiheitstraße 29 geschafft hat. Die Fassade ist nach seinen Vorstellungen saniert worden, auch den kleinen Park vor dem Haus hat er selbst entworfen. Seit zwei Jahren wohnt der 69-Jährige in seiner „Villa Arte“.

Werdohl - Seit knapp zwei Jahren hat Werdohl einen überaus interessanten Neubürger: Der 69-jährige Ernst Fedder hat das heruntergekommene Haus an der Freiheitstraße 29 gekauft und es innen wie außen in ein wahres Juwel verwandelt.

In seiner ganzen Schönheit sichtbar wurde das Gebäude erst vor Kurzem, als der verwilderte Garten gerodet und neu angelegt wurde. Die Maler vervollständigen gerade ihre Arbeit an der Fassade, bis spätestens Ende Juni soll auch das letzte Gerüst verschwunden sein. 

Ernst Fedder ist ein Freund der Schönheit. Stilsicher gekleidet und mit Hornbrille öffnet der freundliche 69-Jährige die 117 Jahre alte Haustür. Der erste Blick ins Treppenhaus ist umwerfend. Das Gebäude ist von 1902 in der Ära des Jugendstils errichtet. Originale Buntglasfenster und Beschläge, alles wunderbar instand gesetzt. Drei Wohnungen sind in dem Gebäude, in der unteren wohnt Fedder, darüber sein bester Freund, die Dachwohnung ganz oben wird vermietet oder vielleicht auch verkauft. Einen Interessenten gibt es schon, Nachfragen sind zwecklos. 

Spontan in das Haus verliebt

„Als ich das Haus zum ersten Mal betrat, hatte ich mich spontan darin verliebt“, erzählt Ernst Fedder heute. Er sitzt in seinem Turmzimmer mit Ausblick auf die ehemalige Brüninghaus-Villa und den Brüninghaus-Platz. Das Gebäude gehörte der Erbengemeinschaft Imöhl, dem ehemaligen Werdohler Kinderarzt. Dessen Sohn Damian hatte das arg in Mitleidenschaft gezogene Gebäude im Internet inseriert. So wurde Ernst Fedder darauf aufmerksam. 

Der gebürtige Coesfelder wohnte zu der Zeit schon seit mehr als zwanzig Jahren in Mülheim an der Ruhr. Auch sein damaliges Haus war zur Jahrhundertwende errichtet worden, Fedder hatte es ebenfalls in ein Schmuckstück verwandelt. Doch irgendwie stimmte etwas nicht im Verhältnis mit den Nachbarn, Fedder sah sich auf dem Immobilienmarkt um. 

Über den Preis schnell einig

„Als ich im Dezember 2016 das Haus in Werdohl sah, wusste ich: Das ist es.“ Über den Preis wurde er sich mit Imöhl schnell einig, das Haus in Mühlheim verkaufte er per Kleinanzeige bei Ebay. Für den Erlös konnte er das vier Mal so große Haus an der Freiheitstraße erwerben, Geld für die Sanierung blieb ebenfalls übrig. Nach ersten Renovierungen im Sommer zog Fedder im Dezember 2017 ein. Als Neu-Werdohler habe er sich von Anfang an sehr wohl gefühlt: Die Wege zum Einkaufen, zum Arzt und ins Rathaus seien alle zu Fuß zu erledigen. Die Stadt sei überschaubar und nett, das Wesen der Sauerländer sei ihm als gebürtigem Westfalen keinesfalls fremd. 

Die Rückseite des Gebäudes war bis vor kurzem noch für die Maler eingerüstet, ebenso der Turm an der Vorderseite. Der nach hinten liegende Garten wird noch hergerichtet.

Fedder wurde in Coesfeld geboren als Sohn einer rheinländischen Mutter und eines westfälischen Vaters. Als einer von drei Söhnen habe er sich vor allem von der Mutter inspirieren lassen: „Von ihr habe ich den Sinn für das Musische und die Schönheit.“ Der Vater war Handwerker und führte einen sehr großen Betrieb. Weil Fedder sich schon in der Schule für Zeichnen, Malen und Gestaltung interessierte, sollte er nach dem Willen des Vaters technischer Zeichner werden. Auch die Brüder waren in technischen Berufen. 

Mit 15 Jahren bei Horten beworben

Ernst Fedder aber wählte einen anderen Weg. Im Alter von 15 Jahren hatte er sich im nahen Münster beim Kaufhaus Horten als Praktikant beworben, er wollte Schauwerbegestalter werden. Umgangssprachlich war das der Schaufensterdekorateur. Das Praktikum gefiel ihm, nach der Schule begann Fedder eine Lehre bei Karstadt in Münster. 

Sein ganzes Berufsleben blieb er dem Gestalten und dem Handel treu. In der großen Kaufhauskette arbeitete er im Marketing, seine beruflichen Stationen führten ihn rasch immer weiter nach oben. Mit 25 war er Abteilungsleiter mit weitaus älteren Kollegen. Düsseldorf, Marl, Rheine, Bielefeld, Duisburg – Fedder blieb stets beweglich. Zehn Mal sei er in dieser Zeit umgezogen, manche Partnerschaft und manche Freundschaft habe unter seinem Beruf gelitten. Am weitesten fern der westfälischen Heimat arbeitete er in Karlsruhe in einem denkmalgeschützten Warenhaus. Da war er für die gesamte Gestaltung aller Abteilungen und der Fassade zuständig. Irgendwann landete er in der Hauptverwaltung bei Karstadt am Limbecker Platz, aufgrund seiner Fähigkeiten wurde er als Marketingleiter in die Zentrale gerufen. 

Bei Karstadt wurde "es zu unruhig"

„Mir wurde es später bei Karstadt zu unruhig“, erzählt er heute, deshalb sei er schon mit 63 Jahren in Rente gegangen. Nach einem einjährigen Intermezzo zu Hause wurde er noch einmal für ein paar Monate zur Aushilfe an die Arbeit gerufen, doch auch diese Zeit ist vorüber. Mit Ende Sechzig schaute er sich nach einem neuen Haus um, mehr als zwanzig Jahre Mühlheim waren ihm genug. 

Schon das Treppenhaus ist eine Augenweide für Jugendstil-Fans. Die Verglasung ist original aus dem Jahr 1902, auch die Eingangstür ist 117 Jahre alt.

Sein ganzes Berufsleben hatte er mit Gestaltung und Architektur zu tun, sein Wissen über alte Einrichtungsgegenstände, Möbel, Skulpturen und Gemälde habe er sich allesamt selbst erlesen und erarbeitet. Seit fast 50 Jahren beschäftige er sich mit den schönen Dingen, viele Stücke hat er auf Märkten und bei Versteigerungen gesammelt. An jedem einzelnen Stück kennt Fedder das kleinste Detail. Jeder Stuhl, jedes Stück Porzellan – alles hat Bedeutung und erfüllt vor allem einen Zweck: Es ist schön. Jugendstil und Biedermeier haben es Fedder angetan. Die Stücke strahlen Schlichtheit und Eleganz aus. Fedder hat außerdem selbst Gemälde, Bilder und Zeichnungen angefertigt, einige hängen in der Wohnung. 

Viele Jahre Renovierungsstau

Das Gebäude hatte viele Jahre Renovierungsstau. Malermeister Pierre Schwark berichtet von Rissen in der Fassade und Wasserschäden durch Rohrbrüche. Fedder nahm am Hofflächen- und Fassadenprogramm der Stadtverwaltung teil. Gemeinsam mit Petra Conredel habe sich die Zusammenarbeit sehr gut gestaltet. Die Zuschüsse scheinen jedenfalls sehr gut angelegt, das prächtig renovierte Haus verleiht der Werdohler Innenstadt einen besonderen Glanz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare