Ab Freitag Kunstkauf an der Kuchentheke

Sechs Künstler beteiligen sich an der Kunstaktion im Bahnhof (von links): Kurt Kornmann, Thomas Volkmann, Gerhard Kania, Klaus Rinke, Hiltrud Steuble-Deigmöller und Annette Kögel. Grote-Verkaufsleiterin Julia Thunecke (3. von rechts) machte das Ganze möglich. -  Foto: Krumm

Werdohl - In der Geschichte der Kunst wurde immer wieder der Standpunkt vertreten, dass Kunst irgendetwas mit dem Unvergänglichen zu tun habe. Ganz im Gegensatz zu dieser These wird es in der Bäckerei Grote in der Empfangshalle des Werdohler Bahnhof ab dem 22. August sehr vergängliche Kunst zum Aufessen geben.

Sechs sehr unterschiedliche Künstler haben sich zusammengetan, um ihre Kunstwerke in einer gemeinsamen Ausstellung zu zeigen. Oder vielmehr einen Saal, der gastronomischen Zwecken dient, mit verschiedenen künstlerischen Leckereien zu spicken. Mit dabei sind Gerhard Kania, Annette Kögel, Kurt Kornmann, Klaus Rinke, Hiltrud Steuble-Deigmöller und Thomas Volkmann.

Der Titel der Ausstellung ist zweigeteilt: „Der Zug ist abgefahren“ und „Das Ende der brotlosen Kunst“. Letzteres deutet schon an, dass die Ausstellung die Rückkehr der Lebensmittel in die Kunst feiert. Und so werden Entwürfe von mehreren der beteiligten Künstlern von den Konditoren und Bäckern der Firma Grote in essbare Leckerchen umgesetzt. Doch es gibt auch das Gegenteil: Kunst, die aussieht wie Essbares, aber steinhart ist: Die Bildhauerin Hiltrud Steuble-Deigmöller kündigt Granitschnittchen, Sand(stein)-Gebäck und etwas an, was bisher eher wie ein Muffin aussieht.

Das Duo Kania/Volkmann werde sich den Lebensstufen in tortischen Formen widmen, kündigt Gerhard Kania an – und den Empfindungen, die das Dasein hervorruft: „Manchmal schmeckt das Leben gut, mal sauertöpfisch“, orakelt er. Doch immer nagen wir am Kuchen des Lebens, und das soll auch bei den Kreationen des Künstler-Duos so bleiben. „Wir sind etwas sanfter geworden“, behauptet Gerhard Kania. „Wir zeigen Kunst nicht an elitären Orten, sondern an einem Ort ohne jede Schwellenangst“, ergänzt Thomas Volkmann.

Kurt Kornmann, ähnlich wie Hiltrud Steuble-Deigmöller, kündigt „Gebäckstücke“ an, die „Ähnlichkeit zu Produkten des Bäckerhandwerks haben“. Die handwerklich erstellten Abgüsse aus industriell hergestellten technischen Formen sollen zu einer „kritischen Auseinandersetzung mit der immer weiter fortschreitenden Verdrängung handwerklicher Tätigkeit durch industrielle Produktion“ anregen.

Großformatige Bilder zeigt Annette Kögel. Mit ihren großformatigen „Baguette-Bildern“ variiert sie das Thema der Ausstellung. Dazu kommen Miniaturen, „Schriftfragment-Schnittchen“, mit den typischen Merkmalen Rost und Hochglanz, Hell-Dunkel-Kontrasten sowie collagierten Texten und unleserlichen Handschriften.

Dem Ausstellungstitel „Der Zug ist abgefahren“ nähert sich Klaus Rinke. Seine Zeichnungen zeigen, was passiert, wenn man diese Feststellung nicht von hinten, sondern im Wagen hat treffen können. Seine Feder- und Kohlezeichnungen zeigen Landschaften und Architektur von Reisezielen im In- und Ausland in „detaillierten, schon fast klassischen“ Darstellungen, die „die Stimmung des Momentes“ einfangen.

Die Ausstellung „Der Zug ist abgefahren – Das Ende der brotlosen Kunst“ wird am Freitag, 22. August, ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten der Bäckerei Grote im Werdohler Bahnhof eröffnet und bleibt dort bis 14. September.

Von Thomas Krumm

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