SPD will die Gesamtschule

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Die Albert-Einstein-Gesamtschule Werdohl soll nach Vorstellungen der SPD als einzige weiterführende Schule bestehen bleiben. Die Stadt ist gezwungen, sich innerhalb eines halben Jahres für eine Schulform zu entscheiden.

Werdohl - Die SPD setzt sich für den Erhalt der Albert-Einstein-Gesamtschule ein. 

In der Debatte um die Zukunft der beiden weiterführenden Schulen hat sich die SPD – sehr frühzeitig und als erste der vier im Rat vertretenen Fraktionen – festgelegt. Überraschend kommt es allerdings nicht, dass sich die Sozialdemokraten für die Gesamtschule aussprechen. Die SPD-Fraktion unter der Leitung von Wilhelm Jansen hatte am Wochenende eine ausführlich begründete Erklärung zur Entscheidung in dieser schwierigen Frage verbreitet. 

Ausgangslage ist, dass der Versuch von Bezirksregierung, Verwaltung und Politik, sowohl die Gesamtschule als auch die Realschule vor Ort zu erhalten, gescheitert ist. Die Bezirksregierung hat nach der Rücknahme der bereits beschlossenen Fusion der Gesamtschulen Finnentrop und Werdohl der Stadt aufgelegt, sich auf nur eine weiterführende Schulform in der Stadt festzulegen (wir berichteten). Dazu wird es mehrere Sitzungen des Schulausschusses geben, eine politische Entscheidung müsse im September vorliegen. Die SPD schreibt zu diesem Prozess: „Es gilt nun, die beste Schule für die Zukunft der Stadt zu finden. 

Dieser Aufgabe hat sich die SPD mit Leidenschaft in ihrer ersten Sitzung nach dem richtungsweisenden und für uns alle enttäuschenden Schul- und Sportausschuss gestellt.“ Die Frage stelle sich, welche die beste Schule für die Stadt sei. Schon bei der Wahl zwischen Halbtag und Ganztag zeige sich, dass es auf diese Frage keine „Einheitsantwort“ gebe. Jansen zählt Argumente für und gegen die beiden Konzepte auf: „Ein Ganztagsangebot käme in jedem Fall berufstätigen Eltern entgegen, die eine Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder dringend benötigen. Andere Eltern möchten sich ab mittags gerne selber um ihre Kinder und deren Freizeitgestaltung kümmern und bevorzugen daher ein Halbtagsangebot.“ 

Auch die Bedeutung der Möglichkeit, in Werdohl die Abiturprüfung ablegen zu können, beleuchtet die SPD aus ihrer Sicht. Die Fraktion fragt sich, für wie bedeutsam die Eltern die Möglichkeit halten, in Werdohl das Abitur machen zu können, ohne die Schulform und den Schulort wechseln zu müssen. Jansen zählt Fakten auf: Jährlich legten etwa 40 bis 50 Schülerinnen und Schüler in Werdohl ihr Abitur ab. Das seien bis heute 800 bis 1000 Abiturientinnen und Abiturienten. 

Die gymnasiale Oberstufe an der Gesamtschule werde weiterhin gut nachgefragt, stellt Jansen für die SPD-Fraktion fest. Am Ende der Erprobungsstufe der Klassen 5 und 6 entscheide die Klassenkonferenz an Realschule und Gymnasium, ob die Schülerin oder der Schüler den Bildungsgang in der gewählten Schulform fortsetzen kann. Jansen zitiert dazu § 13 des Schulgesetzes. Die SPD sagt, dass insbesondere vom Gymnasium aus zahlreiche Schülerinnen und Schüler den Weg zurück nach Werdohl in die Real- oder Gesamtschule gegangen seien. An der Gesamtschule habe das teilweise dazu geführt, dass in der Klasse 7 die vom Gesetz vorgeschriebene Vierzügigkeit doch noch erreicht werden konnte.

Die SPD sieht hier Vorteile für die Gesamtschule: „Bisher konnten diese Kinder an der Gesamtschule ohne weiteren Schulwechsel stetig weiter an ihrem Ziel, dem Abitur, arbeiten.“ Würde sich die Stadt für eine Schulform ohne gymnasiale Oberstufe entscheiden, müssten diese „Rückkehrer“ nach der 10. Klasse einen erneuten Schulwechsel in die gymnasiale Oberstufe in einer anderen Stadt in Kauf nehmen. 

Wilhelm Jansen wirft weitere Fragen auf: „Welche Schule würden Schülerinnen und Schüler der Realschule besuchen, bei denen die Klassenkonferenz entschieden hätte, dass sie ihren gewählten Bildungsgang nicht fortsetzen können? Wozu würde man Eltern raten, für deren Kinder die Grundschulempfehlung „Hauptschule“ lautet?“ Die Antwort: „An einer Gesamtschule gäbe es diesen Bildungsgang.“

Jansen und die SPD wollen eine abgewogene Entscheidung treffen und zitieren die beiden Schulleitungen, die sich mit einer Stellungnahme an unsere Redaktion gewandt hatten. Christine Langs-Blöink von der Realschule und Sven Stocks von der Gesamtschule hatten gebeten, „das Wohl, die Belange und die Bildung aller Kinder und Jugendlichen der Stadt im Blick zu haben.“ 

Für die Werdohler SPD fällt die Antwort auf diesen Appell so aus: „Diesem Appell folgend, fällt unsere Wahl auf die Gesamtschule als Schulform für alle Schülerinnen und Schüler, die zu allen Schulabschlüssen Bildungsgänge anbietet, was den Realschulabschluss einschließt. Sie repräsentiert am ehesten die Chancenvielfalt schulischer Bildung ab der Sekundarstufe I, was man sich in einer Stadt wie Werdohl nur wünschen kann.“ 

Zum Schluss der Erklärung appelliert die SPD an die anderen Fraktionen: „Wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten, diese wichtigen Infrastrukturelemente dauerhaft zu erhalten.“

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