Frager kommen an die Tür

Ab Montag müssen etliche Werdohler den Zensus-Interviewern Auskunft geben.

WERDOHL ▪ Montag ist der Stichtag für die EU-weite Volkszählung. Und auch in Werdohl ziehen dann so genannte Erhebungsbeauftragte durch die Straßen, um in Stichproben Haushalte zu besuchen. In dieser Woche haben die ersten betroffenen Bürger Terminankündigungen in ihren Briefkästen vorgefunden.

„Das gibt den Menschen Sicherheit“, hofft Helmut Wehn, Leiter der Erhebungsstelle im Märkischen Kreis, der in Lüdenscheid sitzt. Denn mit der Terminankündigung erhalten die Bürger auch einen Flyer, der das Verfahren des Zensus 2011 ausführlich erläutert.

Wer diesen aufmerksam liest, der erfährt, dass er zur Beantwortung der Fragen verpflichtet ist. „Aber die Fragen greifen die Intimsphäre nicht an“, weiß Wehn, der den Fragebogen schon gesehen hat. „Auf Wer-kennt-wen oder bei Facebook geben die meisten Menschen viel mehr von sich preis.“

Ebenfalls erfahren die Betroffenen, dass sie zufällig ausgewählt wurden. Dieses Zufallsprinzip hat dann auch zur Folge, dass im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein Westfalen nur 8,4 Prozent der Haushalte besucht werden, obwohl bundesweit zehn Prozent aller Haushalte aufgesucht werden.

Ganz anders sieht es aber in Werdohl aus: Mit 3599 Haushalten sind hier gut 25 Prozent aller Adressen im Topf. Wer sich nun fragt, wie denn akkurate Daten ermittelt werden können, wenn gar nicht jeder befragt wird, dem sei gesagt, dass zusätzlich zu den stichprobenartigen Haushalts-Besuchen auch noch Eigentümer-Befragungen durchgeführt werden. Das heißt, dass sämtliche Eigenheimbesitzer, Vermieter sowie Wohnungsgesellschaften über ihre Immobilien Auskunft geben müssen.

„Zusammen ergibt das dann ein rundes Bild“, hofft Wehn. Er und sein Team sitzen momentan an den Telefonen. Besorgte Bürger, teilweise ängstlich, teilweise verunsichert, rufen unter der Rufnummer 0 23 51/67 81 60 an, um zu erfahren, was es mit dem Zensus auf sich hat. „Muss ich den Interviewer wirklich in mein Haus lassen?“, ist nur eine der Fragen, die dann gestellt werden.

Auf der Terminankündigungskarte findet sich eine zweite Telefonnummer: die des Interviewers. Hier sollte anrufen, wer nur den Termin verschieben möchte, weil er zum vorgeschlagenen Zeitpunkt verhindert ist.

3900 Hauseigentümer gibt es in Werdohl. Das sind 20,4 Prozent der Bevölkerung. Das klingt zwar viel. Doch Werdohl ist (neben Lüdenscheid) damit Schlusslicht im Märkischen Kreis, weiß Wehn. „Herscheid liegt mit 29,3 Prozent an der Spitze.“

Notwendig wird eine Volkszählung, weil es in Deutschland bei einem Umzug zwar Pflicht ist, sich in seiner neuen Gemeinde anzumelden, aber eine Abmeldung am bisherigen Wohnort ist nicht vorgeschrieben. „So gibt es beispielsweise viele Ausländer, die längst nicht mehr in Deutschland wohnen, aber seit Jahren als Karteileichen bei den Einwohnermeldeämtern weiter existieren“, beschreibt Wehn die Ausgangssituation.

Michael Koll

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