CDU, SPD, WBG und FDP in Werdohl

Fragen an die Parteien: Wie kann die medizinische Versorgung der Werdohler sichergestellt werden?

Vorsorge: Jugendliche können ohne Eltern zur J1
+
(Symbolbild)

Werdohl - Es gibt keine Kinderarztpraxis in Werdohl, ein Hautarzt will seine Praxis aufgeben, einige Hausarztpraxen sind stark überlaufen und die Finanzierung der Stadtklinik hängt am seidenen Faden. In Balve und Neuenrade sind Medizinische Versorgungszentren gegründet worden. Wäre das auch ein Modell für Werdohl? Oder haben Sie andere Vorschläge, wie die medizinische Versorgung der Werdohler Bevölkerung sichergestellt werden könnte?

CDU: MVZ als Ersatz für Stadtklinik wäre kontraproduktiv

Die Fragestellung wonach „die Finanzierung der Stadtklinik am seidenen Faden hängt“ ist irreführend. Die Situation der Stadtklinik ist eine andere. Bereits seit Jahrzenten stehen kleine Krankenhäuser unter Beobachtung; Bundespolitik und Krankenkassen wollen aus Qualitäts- und Kostengründen größere Einheiten schaffen.

Trotz dieser Überlegungen konnten wir eine Schließung unserer Stadtklinik Werdohl verhindern. Bewerkstelligt wurde dies, indem wir unseren Standort gestärkt haben: Durch die Einrichtung der Geriatrie und geplante Aufstockung der Betten von 28 auf 40 (Lüdenscheid liefert alle Patienten nach Werdohl), die Aufstockung des Seniorenheims und die Schaffung neuer Parkplätze.

Standortdiskussionen werden aber zukünftig auch vor dem Hintergrund der Notwendigkeit mit Pandemielagen umgehen zu können geführt werden. Für Werdohl nun ein MVZ als möglichen Ersatz für die Stadtklinik zu fordern, wäre kontraproduktiv. Die Finanzierung eines MVZ wird zwar vom Land finanziell gefördert, aber die Stadt muss sich finanziell beteiligen. Ob dadurch der Standort Werdohl für Ärzte attraktiver wird, darf bezweifelt werden.

Vielmehr gilt es die Arbeit unserer Bürgermeisterin durch persönliche Ansprachen und Kontakte zu den einschlägigen Vereinigungen fortzusetzen, damit die Ansiedlung neuer Hausärzte gelingen kann. Inwieweit zukünftig hausärztliche Leistungen in Form eines MVZ in der Stadtklinik angeboten werden, bleibt abzuwarten und gegebenenfalls als Option zu untersuchen.

SPD: Jungen Ärzten Räume in alter Schule anbieten

Für uns ist und bleibt die Stadtklinik mit den vielen guten Abteilungen Dreh- und Angelpunkt der medizinischen Versorgung in Werdohl. Der Verbund mit dem Klinikum Lüdenscheid gibt es bisher auf jeden Fall auch finanziell eine gewisse Sicherheit. Wir müssen alle gemeinsam gezielt daran arbeiten, für unsere Stadtklinik zu werben.

Es ist ähnlich wie mit dem Onlinehandel: Wenn viele Kunden alles online bestellen, hat es Auswirkungen auf den Einzelhandel. Ähnlich verhält es sich, wenn Werdohler Ärzte Patienten nicht in die Stadtklinik überweisen. Die neue Rettungswache mit Notarzt des Märkischen Kreises gibt ebenfalls Sicherheit für die Menschen in Notfällen.

Für die Versorgung mit Fachärzten müssen wir die Kassenärztliche Vereinigung noch stärker in die Pflicht nehmen, da es originär ihre Aufgabe ist, sich darum zu kümmern. Auch finanzielle Anreize für potentielle Bewerber oder Unterstützung in anderer Form müssen dabei stärker in den Fokus genommen werden.

Um in die Zukunft zu blicken, könnte man sich auch eine Art Medizinisches Zentrum in der Nähe der Stadtklinik nach dem Auslaufen der Realschule vorstellen. Hier könnte man versuchen, jungen Ärzten günstige Praxisräume anzubieten.

WBG: Ärztemangel ist Sache der Verwaltung

Es war die WBG, die bereits vor mehr als zehn Jahren auf die sich verschlechternde Situation bei Haus- und Fachärzten aufmerksam gemacht hat und sich ebenso verstärkt für den Erhalt der Stadtklinik auch nach Schließung der geburtshilflichen Station eingesetzt hat.

Inzwischen hat sich jedoch die Situation insbesondere im Bereich der Fach- und Hausärzte verschärft. Das Fehlen eines Kinderarztes und in Zukunft auch eines Hautarztes müssen wiederum die Verwaltung und das Stadtmarketing / die Wirtschaftsförderung auf den Plan rufen, die Dringlichkeit der Angelegenheit bei der Kassenärztlichen Versorgungsstelle anzuzeigen.

Im gleichen Kreis müssen jedoch auch weitere Überlegungen angestellt werden, wie die medizinische Versorgung Werdohls dauerhaft sichergestellt werden kann. In diese Überlegungen muss die Politik ebenfalls rechtzeitig eingebunden werden, auch um eventuell über Anreize und so weiter zu entscheiden. Den Erhalt unsere Stadtklinik zu sichern, wird eine Aufgabe für alle im Rat vertretenen Fraktionen sein.

FDP: In Werdohl gibt es keinen Bedarf für ein MVZ

Die Lebensqualität in unserer Stadt hängt auch davon ab, welche Hilfe erreichbar ist, wenn es uns einmal nicht gut geht. Dazu zählt insbesondere eine umfassende und qualitativ hochwertige gesundheitliche Versorgung.

Anders als Balve und Neuenrade verfügt Werdohl glücklicherweise über ein gut ausgestattetes Krankenhaus, daher besteht bei uns kein vergleichbarer Bedarf für ein Medizinisches Versorgungszentrum. Wie in nahezu allen ländlichen Regionen rückt in den letzten Jahren jedoch auch in Werdohl die ärztliche Versorgung in den Blick. So wurde Werdohl 2016 aufgrund der drohenden Unterversorgung im hausärztlichen Bereich in das Förderverzeichnis der Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen.

Seit 2018 dann ebenfalls für Kinderärzte. Dadurch werden Ärzte bei ihrer Niederlassung unter anderem mit bis zu 50 000 Euro unterstützt. Mit der Vergabe der Landarzt-Studienplätze, die durch die aktuelle Landesregierung aus CDU und FDP zum Wintersemester 2019/2020 erstmalig eingeführt wurde, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan.

Bis sich dies bei uns bemerkbar macht, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Mit Vorschlägen wie Sammelterminen zum Impfen könnte bis dahin der Druck der Kinderarztunterversorgung ein Stück weit gemindert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare