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Food-Service in Corona-Zeiten: Automaten retten das Geschäft

Antje Kohlhage und ihre Mitarbeiter bereiten in der Firmenküche auf der Deipschlade täglich unter anderem knapp 300 Mittagessen zu, die anschließend ausgeliefert werden.
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Antje Kohlhage und ihre Mitarbeiter bereiten in der Firmenküche auf der Deipschlade täglich unter anderem knapp 300 Mittagessen zu, die anschließend ausgeliefert werden.

„Ich lebe von der Mundpropaganda“, sagt Antje Kohlhage nicht ohne Stolz. Selbst die Corona-Pandemie hat ihrem Food-Service nicht geschadet – im Gegenteil.

Ihre Angebote, die vom Partyservice, über Catering, Essen auf Rädern bis hin zu Getränke- und Verpflegungsautomaten reichen, laufen gut. Lediglich die für Feiern beliebte Hütte am Hof Deipschlade wird derzeit aufgrund der gesundheitspolitischen Einschränkungen von ihr nicht vermietet.

„Aber viele Firmen, die ihre Kantinen im Laufe der vergangenen anderthalb Jahre geschlossen haben, haben mich mit der Aufstellung von Automaten beauftragt“, erläutert Kohlhage, warum sich ihre anfänglichen Sorgen zu Beginn der Corona-Zeitrechnung letztlich nicht als begründet erwiesen.

Insgesamt 25 Automaten an sieben Standorten

Sie berichtet: „Derzeit habe ich an sieben Standorten insgesamt 25 Automaten stehen.“ Denn manch größere Firma benötige mehrere im Unternehmen verteilte Essens- und Getränkeangebote für die Mitarbeiter. „Seit Anfang des Jahres hatten wir noch Anfragen von fünf, sechs weiteren Firmen“, expandiert das Werdohler Unternehmen weiter. Kohlhage-Automaten finden sich momentan in Werdohl, Neuenrade, Plettenberg und Lüdenscheid.

„Die Besonderheit ist, dass wir Frische garantieren. Morgens holen wir Brötchen vom Bäcker und backen keine auf. Und auch die Schnitzel und Frikadellen werden jeden Tag selbst gemacht. Selbst der Kaffee ist aus frischen Bohnen und keine Instant-Ware“, legt Kohlhage Wert auf zufriedene Kunden. „Wir befüllen die Automaten auch ganz nach den Wünschen des Auftraggebers.“ Der eine wolle beispielsweise keine Energy-Drinks im Getränke-Sortiment. Der andere bestehe auf Snacks wie Schoko- und Müsliregel oder Obst und Salaten zur Abrundung des Angebots. Ein Dritter wünsche sich Brötchen, die mit Lachs und Thunfisch belegt seien.

Auch Privathaushalte fragen vermehrt an

Ein weiterer Corona-Effekt sei für den Food-Service Antje Kohlhage aber auch das vermehrte Liefern von Mittagessen in Privathaushalte mancher Senioren. „Diese Menschen sind bis vor eineinhalb Jahren noch in eine Kantine gegangen, oder sie haben in der Gastronomie gegessen.“ Aus Vorsicht verließen manche Rentner nur seltener das Haus und gehören nun zum Kundenkreis Kohlhages.

Auch die Büroarbeit gehört zum Job von Antje Kohlhage dazu.

Ab 4 Uhr in der Früh kommen die Mitarbeiter des Food-Services in der Küche auf der Deipschlade zusammen. Dort schmieren sie zunächst Brötchen und befüllen ab 6.30 Uhr die Firmen-Automaten. Dann werden die Mittagessen gekocht und gebrutzelt. „Derzeit liefern wir im Schnitt 290 Essen am Mittag aus. Vor zwölf Monaten waren es erst 180“, schlägt Kohlhage in ihren Ordnern nach. An jedem Tag können die Kunden aus zwei Menüs wählen.

Neue Mitarbeiter eingestellt

Dann muss sie schmunzeln. Eine Anekdote ist ihr eingefallen. Sie plaudert aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen: „Ich hatte mal einen Koch, der sagte zu mir: ,Wir machen jetzt am Tag 90 Mittagessen. Mehr geht einfach nicht. 100 kriege ich schon nicht hin.’“ Kohlhage bedauert: „Der ist leider in Rente gegangen und steht für mich längst nicht mehr am Herd.“ Er würde wohl staunen, was eben doch alles funktioniert.

So hat Kohlhage in den zurückliegenden Monaten auch die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöht. „Sieben oder acht Leute habe ich zusätzlich eingestellt seit März 2020.“ Derzeit suche sie ein größeres Gebäude, um ihre Großküche zu erweitern, aber auch die Lagerkapazität zu erhöhen. „Erste Anfragen von Firmen, die ihre Kantinen wieder eröffnen wollen, trudeln jetzt wieder ein“, erklärt sie akuten Handlungsbedarf.

Kohlhage möchte Werdohl treu bleiben

Umgeschaut hat sie sich bereits. „Ideal wäre etwa das Haus an der Deipschlade, welches mal Übergangsheim werden sollte“, überlegt sie laut. „Aber das ist ja kein Gewerbegebiet“, verwirft sie die Idee kopfschüttelnd sogleich. „Fest steht nur: Ich möchte dem Standort Werdohl treu bleiben.“

Mittlerweile 22 Mitarbeiter

Der Food-Service Antje Kohlhage verfügt derzeit über 22 Mitarbeiter. Das 1999 gegründete Unternehmen liefert vom Hof auf der Deipschlade täglich mit neun eigenen Fahrzeugen aus. Weitere Informationen finden Interessierte im Internet auf www.fs-kohlhage.de.

Während ihr Telefon beinahe täglich klingelt, weil auch die Kindertagesstätten im Umkreis wieder bei ihr bestellen nach der Pandemie-Pause, hat ihr Food-Service auch ganz abseits von Corona einen Boom erlebt: „Seit das WK Warenhaus geschlossen ist, liefern wir auch an ganz viele Privathaushalte Getränkekisten aus“, fügt Antje Kohlhage noch einen Aspekt ihres Food-Services zu ihrem Firmenprofil hinzu.

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