Diese Folgen hat der Klimawandel für die Werdohler Wälder

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Werdohls Klimaschutzmanagerin Farima Tehranchi und Revierförster Kevin Hauser haben sich gemeinsam den heimischen Wald angeschaut.

Werdohl - Kaum hat der Wind aufgefrischt, setzt der „Nadelregen“ ein: Unaufhörlich rieseln die spitzen Blätter der Fichten herab, landen auf dem Boden – und auf den Köpfen der Menschen, die gerade im Wald unterwegs sind. Kein Zweifel: Diese Bäume sterben.

Revierförster Kevin Hauser hat Werdohls Klimaschutzmanagerin Farima Tehranchi zu einer Stelle oberhalb der Landwehr geführt. Dort erkennt man deutlich die Schäden, für die der Borkenkäfer verantwortlich gemacht wird. Doch das sei eben nur die halbe Wahrheit, unterstreicht Farima Tehranchi. Sie hat zu diesem Rundgang mit dem Förster eingeladen, um deutlich zu machen, dass der Klimawandel und somit letztlich auch der Mensch für das Fichtensterben mitverantwortlich ist. 

Und das hat enorme Ausmaße – auch in den Werdohler Wäldern. „Ich schätze, dass etwas mehr als 10.000 Festmeter Fichtenholz betroffen sind“, stellt Kevin Hauser fest. Allerdings könne man auf den ersten Blick aber noch immer nicht erkennen, wie viele Bäume tatsächlich betroffen sind. Denn die Nadeln werden nicht auf Anhieb braun. Und um alle Schäden genau zu dokumentieren fehlt dem Revierförster die Zeit: „Wir sind fast ausschließlich mit der Aufarbeitung des Käferholzes beschäftigt.“

Darum  haben Fichten Stress

Dass der Borkenkäfer so leichtes Spiel mit den Fichten hat, liegt einerseits an Monokulturen, die für diese Insekten wahre Paradies sind. Hinzu kommt aber, dass die Bäume schon vorgeschädigt waren: „2019 war der zweite Sommer in Folge, in dem es viel zu wenig geregnet hat. Dazu kam die Hitze. Das bedeutet für die Fichte, die hohe Ansprüche an ihre Wasserversorgung stellt, einen immensen Stress“, erläutert Kevin Hauser.

Revierförster Hauser zeigt der Klimaschutzmanagerin eine junge Buche, die im Schutz der Fichten heranwächst. (Zur Vollansicht oben rechts klicken!)

Vor allem während der Vegetationsperiode habe es viel zu wenig geregnet: „Das war reines Gift für die Fichten.“ Dagegen fühlt sich der Borkenkäfer bei Trockenheit extrem wohl, starke und anhaltende Regenfälle bekommen ihm überhaupt nicht. Außerdem schätzt der Schädling ganz besonders die Bäume, denen es an Wasser mangelt: Sie können kein oder nur sehr wenig Harz produzieren – und die Insekten somit auch kaum abwehren.

Für Farima Tehrachi steht außer Frage, dass sommerliche Hitze und Trockenheit mit dem fortschreitenden Klimawandel zusammenhängen. Sie befürchtet, dass es nicht bei den beiden Rekordsommern bleiben wird.

Zukunft der Fichte ist ungewiss

Ob die Fichte in diesem Fall überhaupt noch eine Zukunft im Sauerland hat, ist fraglich. Schon jetzt arbeitet Hauser gemeinsam mit den Waldbesitzern an einem Umbau des Waldes: „Wir empfehlen, die Fichte nur noch da zu pflanzen, wo sie auch ausreichend mit Wasser versorgt wird, beispielsweise an in nördlich exponierten Tallagen. Kuppen sollten gemieden werden“, erklärt der Revierförster. Besonders felsige Untergründe bieten schlichtweg zu wenig Wasservorrat.

Aber auch sehr staunasse Standorte kommen aus seiner Sicht für die Fichte nicht in Frage: „An solchen Stellen hat der Baum zusätzlich das Problem, dass er keine ausreichenden Wurzeln bilden kann. So wird er noch anfällig für Windwurf. Denn auch die Sturmereignisse haben zugenommen“, stellt der Revierförster fest.

Das sind die Alternativen

Eine Alternative zur Fichte könnten Douglasien oder auch Tannen sein, erklärt Hauser. „Aber auch bei diesen Baumarten kommt es auf den Standort an, den man sich vorher genau anschauen sollte.“ Ebenso wie viele andere Forstfachleute setzt der Werdohler Revierförster zunehmend auf Mischwälder. Einer der Gründe liegt auf der Hand: „Wenn eine der Baumarten dann aus irgendeinem Grund Probleme hat, ist das Risiko sozusagen breiter gestreut.“

Hinzu komme, dass beispielsweise die Fichte von einer benachbarten Buche und deren Nährstoff-Förderung profitieren könne. Auch Schädlinge – wie der Borkenkäfer – können sich in einem Mischwald nicht so schnell verbreiten.

Darum bleiben „tote“ Fichten stehen

Sind im Wald Freiflächen entstanden, beispielsweise nach einem Sturm oder auch durch den Holzeinschlag in Verbindung mit dem Borkenkäferbefall, sollen darauf möglichst schnell junge Bäume wachsen. „Dann ist uns auch die Birke willkommen“, sagt Hauser mit Blick auf diesen, von der Forstwirtschaft oft als Pioniergehölz genutzter Laubbaum, der sich in solchen Bereichen oftmals von alleine ansiedelt.

Haben sich dagegen erst einmal Sträucher wie die Brombeere auf Freiflächen breit gemacht, sei die Aufforstung deutlich schwieriger, stellt der Revierförster fest. „Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum wir stellenweise Fichten stehen lassen, die schon komplett braun sind, aus denen sich der Borkenkäfer also schon zurückgezogen hat“, erklärt er: Junge Buchen benötigen Schutz, um optimal wachsen zu können. Diesen könnten ihnen die Käferfichten – von denen keine Gefahr mehr ausgeht – durchaus bieten.

Den Buchen geht es (noch) gut

Apropos Buchen: Diese Laubbäume haben die heißen und trockenen Sommer in den Werdohler Wäldern augenscheinlich bisher relativ gut verkraftet. Hauser hat lediglich „hier und dort ein paar lichte Stellen in den Kronen“ ausgemacht: „Ich hoffe, dass die Buchen bei uns auch weiterhin gut zurecht kommen.“ Allerdings ist das in anderen Regionen Deutschlands bereits nicht mehr der Fall: Fachleute beobachten die Buchenwälder in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Thüringen mit großer Sorge. Und auch aus Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet häufen sich die Meldungen über das Buchensterben.

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