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Förster glaubt, dass Borkenkäfer-Plage auf ihr Ende zusteuert

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Von: Volker Griese

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Große Mengen Fichtenholz, das vom Borkenkäfer befallen war, werden noch immer aus der Region abgefahren. Hier wird am Rand der L 655 zwischen Werdohl und Lüdenscheid Käferholz in einen Container für die Verschiffung nach Übersee verladen.
Große Mengen Fichtenholz, das vom Borkenkäfer befallen war, werden noch immer aus der Region abgefahren. Hier wird am Rand der L 655 zwischen Werdohl und Lüdenscheid Käferholz in einen Container für die Verschiffung nach Übersee verladen. © Volker Griese

Im mittlerweile fünften Jahr macht der Borkenkäfer den Forstwirten im Sauerland zu schaffen. Der Werdohler Revierförster Kevin Hauser glaubt aber, dass die Katastrophe im Wald auf ihr Ende zugeht. Beim Besuch auf einem kahlgeschlagenen Berghang spricht er über Wiederaufforstung und nennt Gründe dafür, dass durch die Holzabfuhr in Mitleidenschaft gezogene Waldwege noch nicht wieder hergestellt sind.

Werdohl ‒ Das schöne Wetter dieser Tage betrachtet der Forstexperte Hauser mit einiger Sorge. „Wenn es noch ein paar Tage so warm bleibt, geht es wieder los“, sagt er. Hauser meint den Flug der Borkenkäfer. Bei Temperaturen ab 16,5 Grad und trockener Witterung schwärmen Buchdrucker und Kupferstecher ab Ende April/Anfang Mai aus und befallen hauptsächlich geschwächte oder geschädigte Fichtenbestände.

Davon gibt es auch nach vier Jahren Borkenkäferbefall in den heimischen Wäldern noch einige, wenn auch immer weniger. „Die Käfer werden jetzt die verbliebenen Restbestände befallen“, glaubt Hauser. „Bis zum nächsten Frühjahr werden wir mit dem Borkenkäfer überwiegend durch sein.“ Was dann noch an Fichten in den heimischen Wäldern stehe, seien vor allem junge, widerstandsfähige Bäume, teilweise auch solche, die gerade erst durch Naturverjüngung neu aus dem Boden sprießen.

Und was kommt nach dem Abholzen der Fichtenwälder? „Es wird schnell wieder grün werden“, ist Kevin Hauser überzeugt, „aber bis wir wieder einen Wald mit hohen Bäumen haben, wird es noch Jahre dauern.“ Denn die Wiederaufforstung habe gerade erst begonnen.

Auf einer Wiederaufforstungsfläche Am Ennest schaut Hauser nach dem Rechten. Im Rahmen des Bergwaldprojektes sind dort erst im vergangenen Herbst junge Eichen und Ahorne gepflanzt worden. Die Setzlinge sind angegangen, haben bereits erste Knospen. Ein grüner Hoffnungsschimmer im braunen Meer der vertrockneten Zweige und Baumstümpfe, die nach der Abholzung der vom Borkenkäfer befallenen Fichten zurückgeblieben sind.

Auch am Remmelshagen, wo die Fichte fast ganz verschwunden ist, setzen die Besitzer der gerodeten Bestände nun auf Laubhölzer. Neben Ahorn und Eiche seien dort auch Buchensetzlinge gepflanzt worden, berichtet Hauser. „Wir versuchen, von den Monokulturen der vergangenen Jahrzehnte wegzukommen“, erklärt der Förster den nach Meinung vieler Experten längst überfälligen Wandel im Wald. Die Zukunft soll einem Mix aus Laub- und Nadelholzbäumen gehören, heimischen Arten, wie Hauser betont. Die Fichte gehört für ihn nicht dazu.

Bei heimischen Nadelbäumen denkt er vor allem an die Lärche und die Tanne, aber auch die Douglasie sowie die Küstentanne und die Weißtanne, auch wenn die nicht für jeden Standort geeignet seien. Eine Neuanpflanzung von Fichten empfiehlt der Beamte des Landesbetriebs Wald und Holz nicht, wohlwissend, dass er nicht immer Einfluss auf die Waldbesitzer ausüben kann und sich der eine oder andere über diese Empfehlung hinwegsetzen wird.

„Aber Fichten kommen von Natur aus genug“, ist er überzeugt, dass die natürliche Vermehrung schon dafür sorgen wird, dass dieser einstmalige Brotbaum der Forstwirtschaft nicht ganz aus den Wäldern des Sauerlandes verschwinden wird.

Revierförster Kevin Hauser schaut sich einen Setzling an, der erst im Herbst gepflanzt worden ist.
Revierförster Kevin Hauser schaut sich einen Setzling an, der erst im Herbst gepflanzt worden ist. © Volker Griese

Mit vielfältigen Mischwäldern hoffen die Forstexperten Katastrophen wie dem Borkenkäferbefall und dem Klimawandel mit immer mehr Extremwetter begegnen zu können. Wenn dann von acht, neun oder zehn Baumarten in einem Bestand zwei oder drei von Schädlingen heimgesucht würden oder veränderten Witterungsbedingungen zum Opfer fielen, sei nicht gleich der ganze Wald in Gefahr, lautet ihre Kalkulation.

Doch bis es so weit ist, dürften noch Jahre ins Land gehen. „Wir arbeiten gerade noch das Käferholz auf und haben mit der Wiederaufforstung erst begonnen. Die großen Pflanzaktionen kommen erst noch“, ordnet Kevin Hauser ein, was gerade in den Wäldern passiert. Und mit den noch notwendigen großen Maßnahmen der Wiederaufforstungen erwartet er dann auch schon die nächsten Probleme: „Pflanzgut und Arbeitskräfte werden knapp“, glaubt er an einen Engpass von Material und Mensch in den nächsten Jahren.

Wo nicht von Menschenhand neue Bäume in den Waldboden gepflanzt werden, hilft sich Mutter Natur wahrscheinlich selber. Naturverjüngung nennen Forstwirte das, wenn durch herabgefallene oder angeflogene Samen von umstehenden Bäumen allmählich ein neuer Wald entsteht. „Wo Restbestände von Buchen, Lärchen oder ähnlichen Samenbäumen stehen, wird das funktionieren. Je kleiner die kahlen Flächen und je mehr Restbäume, desto besser“, nennt Revierförster Hauser Voraussetzungen für eine erfolgreiche Naturverjüngung.

Wie viele Waldbesitzer darauf setzen, sei schwer abzuschätzen, sagt Hauser. Bei manchen fehle nach der mit niedrigen Verkaufserlösen verbundenen Borkenkäferkatastrophe sicherlich das Geld für den Kauf von Setzlingen. Diese Waldbauern könnten durch die Naturverjüngung Geld sparen und trotzdem ihrer gesetzlichen Pflicht zur Wiederaufforstung nachkommen. Andere Waldbesitzer wollten möglicherweise bewusst der Natur ihren freien Lauf lassen.

Kevin Hauser schätzt, dass Naturverjüngung vielleicht auf einem Drittel der kahlgeschlagenen Fichtenbestände zum Tragen kommen könnte. „Auf jeden Fall müssen wir in den nächsten Jahren aber viel Energie in die Aufforstung und in die Pflege der Jungbestände stecken“, schwant dem Revierförster, dass viel Arbeit auf alle zukommt, die in der Region den Wald der Zukunft entstehen lassen wollen.

Die schon entstandenen und noch kommenden finanziellen Belastungen der privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzer sind nach Hausers Auffassung auch ein Grund dafür, dass sich manche Waldwege derzeit in einem schlechten Zustand befinden.

Viele Wege hätten unter dem Einsatz der schweren Geräte gelitten, die beim Holzeinschlag vielfach zum Einsatz kommen müssen, aber auch das Unwetter im vergangenen Sommer habe seinen Beitrag zur Zerstörung der Wegeinfrastruktur geleistet. Die wieder herzustellen, koste viel Geld, gibt Hauser zu bedenken. Geld, das manche Waldbesitzer angesichts der noch nicht ausgestandenen Borkenkäferplage nicht zu investieren bereit seien. „Im Großen und Ganzen warten alle ab, bis die Restarbeiten im Wald erledigt sind“, fasst Hauser die Haltung der Werdohler Waldbesitzer zusammen. Der Revierförster geht davon aus, dass das im Laufe dieses Jahres geschehen könnte.

Und dann ist da noch das Thema Fördergelder. „Die Waldbesitzer hoffen auf Hilfen“, sagt der Revierförster und gibt dieser Hoffnung auch ein wenig Nahrung: „Es mag sein, dass sich da in Kürze etwas tut.“ Dass die Waldwege auch mit staatlicher Finanzhilfe wieder instandgesetzt werden, würde nicht nur die Waldbesitzer erfreuen, sondern auch die vielen Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer, die die heimischen Wälder – oder das, was davon übriggeblieben ist – gerne in ihrer Freizeit nutzen.

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