Förderschule: Stadt kritisiert Kreis scharf

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Mitarbeiter des Kreises haben sich auch die Realschulgebäude angesehen.

Werdohl - Bürgermeisterin Voßloh, Fachbereichsleiter Grabs und alle vier Fraktionen im Werdohler Rat haben den jüngsten Förderschul-Vorschlag des Kreises äußerst scharf kritisiert. 

Erst vor wenigen Tagen hatte die Kreisverwaltung in einer Vorlage für den Schulausschuss mitgeteilt, dass Werdohl doch keinen Förderschulstandort erhalten soll und die Förderschüler stattdessen ins lange leer stehende Hauptschulgebäude nach Altena umziehen sollen. 

Bürgermeisterin Silvia Voßloh wurde ungewohnt direkt: „Ich bin sehr betroffen. Die Entscheidung pro Altena kann ich nicht in Gänze nachvollziehen.“ Die Schüler müssten mit ihren kleinen Schultern die Last tragen. Die Lösung, Werdohl in der Mitte des Lennetals zum Förderschulstandort zu machen, sei die naheliegendste. Außerdem sei im Kreis-Vorschlag nur von zwölf Klassenräumen der ehemaligen Werdohler Hauptschule die Rede, tatsächlich seien es aber 18 Räume. Die ganze Zeit über sei sie davon ausgegangen, dass Werdohl als Standort vom Kreis ausgewählt würde. 

Die Stadt Werdohl habe viele Gespräche und Termine mit dem Kreis in dieser Sache gehabt. Die Signale vom Kreis seien stets so gewesen, dass Werdohl Förderschulstandort werden solle. Auch Fachbereichsleiter Michael Grabs zeigte sich vom Sinneswandel beim Kreis stark überrascht. „Wir hatten immer sehr gute Gründe zu glauben, dass Werdohl Förderschulstandort werden soll.“ Dem Kreis ist bekanntlich per Ratsbeschluss ausschließlich das freie Hauptschulgebäude am Riesei angeboten worden. 

Kreis hat sich auch den Köstersberg angesehen 

Mitarbeiter des Kreises, so erfuhr der Rat am Montag staunend von Grabs, hätten sich aber auch eingehend die Realschulgebäude am Köstersberg angesehen und für alle Gebäudeensembles wirtschaftliche Berechnungen und pädagogische Betrachtungen angestellt. Am Riesei gebe es 18 Räume, die Altenaer ehemalige Hauptschule habe 20 Räume. Am Köstersberg seien 40 Klassenräume vorhanden. Alle vom Kreis als negativ geltend gemachten Einwände gegen das Hauptschulgebäude am Riesei würden nicht für den Köstersberg gelten, warf Grabs in die Diskussion ein. 

SPD-Fraktionssprecher Wilhelm Janßen machte das Fass noch weiter auf. Er schlug ohne Umschweife vor, was mindestens bei CDU und WBG als Tabu gilt: Die Realschule könne doch offensichtlich aufgrund der Größe komplett in das ehemalige Hauptschulgebäude verlegt werden. Realschule und Gesamtschule könnten auch pädagogisch zusammenarbeiten. Der Köstersberg könne so komplett dem Kreis angeboten werden oder anderweitig verkauft oder vermarktet werden. Auf diese Weise könnten alle Probleme auf einmal gelöst werden. 

SPD-Vorwurf: „Da ist getrickst worden“

Volkmar Güldner-Rademacher von der SPD-Fraktion beschuldigte die Kreisverwaltung zudem, die Förderbereiche so lange neu geordnet zu haben, bis die Schülerzahl für Altena passend gewesen sei. Er sagte: „Da ist getrickst worden.“ Der Altenaer CDU-Bürgermeister habe mit Hilfe des Kreises seine leeren Gebäude gut untergebracht. Grabs bat daraufhin den Rat um ein politisches Votum, falls er dem Kreis auch offiziell den Köstersberg anbieten solle. Grabs: „Wenn ich den Köstersberg nicht anbieten kann, brauche ich da nicht anzurufen.“ 

Hier gingen sofort WBG-Sprecher Oßenberg und CDU-Sprecher Ohrmann auf die Barrikaden. Ein solcher Beschluss sei mit ihnen unter Zeitdruck nicht zu machen. FDP-Sprecher Hermes kritisierte die SPD, sie habe mit diesem Vorstoß „bestehende Vereinbarungen“ verletzt. Gleichwohl kritisierten alle drei die Entscheidung des Kreises. Für die CDU-Fraktion fand Dirk Middendorf klare Worte: „Die Kreisvorlage ist für mich alles andere als schlüssig.“ Es seien Argumente gegen Werdohl „vom Himmel gefallen.“ Aus Werdohler Sicht sei das „ein Kracher“. Die Vorlage sei „an den Haaren herbeigezogen.“ In das Altenaer Gebäude müssten 1,1 Millionen Euro investiert werden, Schülerfahrtkosten nicht eingerechnet. 

Middendorf in Richtung seines Parteikollegen, dem Altenaer Bürgermeister Hollstein: „Da hat sich jemand anderes besser durchgesetzt.“ Die Werdohler Verwaltung wurde vom Rat per Protokollzusatz aufgefordert, beim Kreis nachzufragen, welche Möglichkeiten es für Werdohl noch gebe.

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