Jahrespraktikum als Sprungbrett für die Ausbildung

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Die 18-jährige Merve Konac (links) beginnt im September ihre Ausbildung in der orthopädischen Praxis von Gerald und Bettina Böhl. Auch Özlem Gök (zweite von links) schaffte nach dem Jahrespraktikum den Sprung in die Ausbildung, sie ist im zweiten Lehrjahr.

Werdohl - Merve Konac hat die Chance, sich zu beweisen: Seit September absolviert sie ein Jahrespraktikum in der orthopädischen Praxis Böhl. Lange hatte die heute 18-Jährige sich beworben und eine Ausbildungsstelle gesucht. „Aber es wurde nie etwas draus“, blickt sie zurück. Das Praktikum brachte den Durchbruch.

Im Herbst beginnt Merve eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Dieser Ablauf sei der Idealfall, sagt Armin Dzaferovic. Im Rahmen der Woche der Ausbildung besuchte der Mitarbeiter der Arbeitsagentur am Mittwoch die orthopädische Praxis.

Sechs bis zwölf Monate lang fördert das Jobcenter ein solches Praktikum als Einstiegsqualifikation (EQ). „Das ist ein Programm, um vermeintlich schwächere Bewerber zu unterstützen“, erklärt Dzaferovic. Wer schlechtere Noten und deshalb Schwierigkeiten habe, einen Ausbildungsplatz zu finden, „kann schonmal in Betriebe reinschnuppern in der Hoffnung, dass sich eine Ausbildung anschließt“, sagt der Mitarbeiter des Jobcenters.

Nicht immer, aber häufig sei auch ein Migrationshintergrund ein Faktor, der die Stellensuche erschwere – selbst bei guten Schulabschlüssen. EQ sei eine Möglichkeit, sich im Arbeitsalltag zu beweisen und einen Arbeitgeber von sich zu überzeugen.

Die Praxis von Gerald Böhl sei „ein tolles Beispiel“ für den Erfolg des Programms, freut sich Armin Dzaferovic. Denn Merve Konac ist schon die dritte EQ-Jahrespraktikantin, die einen Anschlussvertrag für eine Ausbildung bekommen hat. Merves Vorgängerin Özlem Gök ist im zweiten Ausbildungsjahr.

„Im Februar wollte Merve anfangen, Bewerbungen für den Ausbildungsstart im September zu schreiben“, sagt Gerald Böhl. „Da habe ich sie gefragt: Wollen Sie denn weg?“, erinnert sich der Arzt schmunzelnd. Wenn alles klappt, übernimmt er gerne Praktikanten oder Auszubildende: „Da brauche ich keine Probezeit mehr, da weiß ich, was ich habe.“

Mit Merve Konac seien sie sehr zufrieden, sagt Physiotherapeutin Bettina Böhl. „Sie arbeitet sehr selbständig, ist freundlich und hilfsbereit“, nennt die Physiotherapeutin wichtige Eigenschaften für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten.

26 bis 28 Stunden pro Woche arbeitet die 18-Jährige in der Arztpraxis, an zwei Vormittagen besucht sie die Berufsschule in Halver. Im Rahmen der Einstiegsqualifikation lernen die Schüler bereits die Inhalte des ersten Ausbildungsjahres und schreiben auch die Klausuren an der Berufsschule mit. Wer besonders gute Noten hat, kann sich das EQ-Jahr anrechnen lassen und seine Ausbildung um ein Jahr verkürzen. - Von Constanze Raidt

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