Flüchtlingshilfe Werdohl schafft Ort der Begegnung

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Moderator Lothar Jeßegus notierte die Vorschläge. Der Presbyter freut sich über das Engagement der Werdohler.

Werdohl - Es soll ein Ort der Begegnung werden. Ein Ort, an dem Flüchtlinge Menschen finden, die sie offen empfangen, ohne Vorurteile. Die ihnen helfen, Formulare zu übersetzen, ihnen zuhören oder ihnen einfach einmal ein Lächeln schenken. Mehr als 30 Werdohler wollen sich an dem Projekt „Raum für Begegnungen“ beteiligen. Nach dem zweiten Treffen im evangelischen Gemeindehaus der Christuskirche sind die Vorstellungen nun bereits relativ konkret.

Die Flüchtlinge, die in Werdohl ankommen, haben bereits viel erlebt. Schreckliche, traumatische Ereignisse in ihrer Heimat. Viele haben die Familie auf der Flucht verloren. Wissen nicht, was mit ihren Kindern ist, ob sie überhaupt noch leben. Frauen wurden auf der Flucht vergewaltigt; andere mussten mit ansehen, wie andere Flüchtlinge bei der Überquerung des Meeres über Bord gingen und ertranken.

In Deutschland angekommen, ging es in die Zentralen Aufnahmelager. Dort waren sie nicht viel mehr als eine Nummer. Konnten sie nicht direkt einer Kommune zugewiesen werden, ging die Reise weiter in eine Notunterkunft. Dort schliefen sie neben hunderten anderen Flüchtlingen auf Feldbetten, bevor ihre Reise dann weiter nach Werdohl ging. Sie kennen hier niemanden. Viele sind völlig allein. Sie dürfen nicht arbeiten und keine öffentlichen Deutschkurse besuchen. Dabei ist das oft alles, was sie wollen.

„Genau da setzen wir an“, erklärte Lothar Jeßegus. Der Presbyter der evangelischen Gemeinde und Beauftragte für Flüchtlingsfragen war begeistert, wie viele Werdohler helfen möchten. Die Ideen sprudelten nur so aus den Freiwilligen heraus: Kochkurse, Handarbeitskreise, Hilfe bei Behördengängen, Besuche beim Arzt oder Unterstützung beim Einkauf. Zudem soll es Informationsabende für Helfer und Flüchtlinge geben, bei denen es beispielsweise um Fragen des Asylrechts oder kulturelle Umgangsformen geht. Begrüßt würden auch Patenschaften. So habe der Flüchtling oder die Familie einen direkten Ansprechpartner.

Angst, etwas falsch zu machen, braucht niemand zu haben: Die Helfer erhalten Unterstützung, beispielsweise von der Diakonie. Dort wird den Ehrenamtlern der Umgang mit traumatisierten Menschen erklärt. Und wer Respekt vor dem direkten Umgang mit den Flüchtlingen hat oder die Sprachbarrieren fürchtet, kann trotzdem helfen. Beispielsweise im Küchenteam, das die Teilnehmer des Begegnungstreffens verköstigt. „Jeder soll sich so einbringen können, wie es seinen Interessen und Möglichkeiten entspricht. Es ist auch keine regelmäßige Hilfe erforderlich. Wer möchte, kann sich auch punktuell einbringen“, erklärte Jeßegus.

Dass überhaupt so viele Werdohler helfen wollen, freut den Presbyter, Damit hatte er nicht gerechnet. Gestartet wurde die Aktion als ökumenisches Projekt. Mittlerweile sind Helfer aus zahlreichen Verbänden und Institutionen sowie Einzelpersonen mit an Bord. Und es sollen noch mehr werden. Beispielsweise wurde angeregt, in der Osmecke eine Möglichkeit zum Fußballspielen anzubieten. Denn dort leben viele alleinstehende Männer. „Für solche Angebote werden wir gezielt Helfer suchen. Auch über die Presse“, kündigte Jeßegus an.

Angeregt wurde zudem ein Transportdienst für Kindergartenkinder. Der Kita-Platz sei nämlich in der Einrichtung Budenzauber vorhanden. Allerdings sei der Kindergartenbus voll. Mütter aus der Osmecke müssten den Berg also zu Fuß hinauf und das sei kaum möglich.

Der neue Begegnungstreff soll künftig an jedem zweiten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Gemeindehaus seine Türen öffnen. Eingeladen sind dann nicht nur die Helfer und Flüchtlinge, sondern alle Werdohler, die gerne einmal mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen möchten. Bis dahin wird im Helferkreis fleißig weiter geplant, sodass aus den zahlreichen Ideen bald schon handfeste Aktionen entstehen können. Wer noch helfen möchte, kann sich an die Werdohler Kirchengemeinden wenden. - Von Lydia Machelett

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