Besonderer Lohn für „offene Ohren“

Das Flöten-Quartett VerQuer begeisterte die Zuhörer im Kleinen Kulturforum.

WERDOHL ▪ Ein wirklich gutes Konzert bescherte der Kulturverein Werdohl am Sonntagabend den Zuschauern im Kleinen Kulturforum (KKF). Nach vier Jahren war das Flöten-Quartett VerQuer zurückgekehrt. Der Saal war ausverkauft. Gute Laune und Staunen ergänzten einander.

„Wir finden, dass alles irgendwie noch schöner klingt mit Flöte“, begrüßte Britta Roscher zu Beginn das Publikum. Sie und Katrin Gerhard, Daniel Agi und Maximilian Zelzner – Musiker aus Köln, Dortmund, Wiesbaden und Krefeld – überzeugten die Werdohler mit jeder Minute ihres Gastspiels mehr. Am Ende war sogar ein von Flöten gespieltes „Beat it“ von Michael Joseph Jackson nichts Ungewöhnliches mehr für die Ohren im KKF.

Anderthalb Stunden zuvor forderte Roscher die Anwesenden auf: „Wir brauchen nur ihre offenen Ohren.“ Und es lohnte sich, diesem Wunsch Folge zu leisten. Die Instrumentalisten waren von ihrer eigenen Musik so ergriffen, dass sie tanzten, während sie spielten.

Dann wurde es avantgardistisch. Agi spielte auf einer Vogel-Lock-Pfeife, deren Klänge mal an einen pfeifenden Teekessel, mal an ein rauschendes Radio und dann an das Kreischen erboster Geister in einem Horrorfilm erinnerte. Die „Birkhahn-Studie“ komponiert hatte Robin Hoffmann. Bei nahezu jedem anderen Konzert wären die Zuschauer verstört gewesen. VerQuer hatten die Werdohler aber schon längst auf ungewöhnliche Klänge eingeschworen.

Jazz-Legende Herbie Hancock war auch keine überraschende Wahl: Das nächste Stück, „Canterloupe Pieces“, brachte Funk ins KKF. Die Köpfe der Gäste nickten, Füße wippten und Schultern wiegten sich im Takt. Und der Rhythmus blieb rasant: „Workers Union“ von Louis Andriessen klang wie ein ratternder Waggon, dabei ist das Stück aus den 70er-Jahren und damit gar nicht so alt wie die Anfänge der Eisenbahn.

Vor der Pause wirbelte eine rumänische Polka durch das Kulturforum – „Fanfare Ciocarlia“ von Horu cu strigaturii. Beim Stück „Libertango“ von Astos Piazzolla zu Beginn der zweiten Hälfte schwirrten die Klänge der vier Flöten umeinander wie ein Schwarm Schmetterlinge. Dann wieder verstärkten sie sich zu einem mächtigen Crescendo.

Roscher spielte bei ihrem Solo doch nicht ganz alleine: Das nervtötende Piepen eines handelsüblichen Weckers begleitete sie beim Song „Wake up“ (zu deutsch: Wach auf) von Tiemann Dehnhard.

Dann bot Zelzner eine Eigenkomposition. Mit technischer Hilfe baute er beim „Flute Loop“ eine Klangcollage auf, die ihn schlussendlich wie ein Orchester klingen ließ. Die – während des Flötens – gespielte Human Beatbox, bei der ein Künstler mit seinem Mund ein Schlagzeug imitiert, sollte ihm auch bei Jacksons „Beat it“ noch einmal helfen. Damit endete ein grandioser Abend.

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