Fleischwurst-Umsatz als Gradmesser für den Erfolg

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Jede Lebensmittelgruppe hat eine eigene Abteilungsleitung, die die Bedürfnisse ihrer Kunden gut kennt. Hier ist Marcel Billhardt in seinem Bereich, er ist der Experte für Feinkost und Konserven.

Werdohl - „Die ersten sechs Wochen nach der Eröffnung habe ich hier praktisch gewohnt“, blickt Heiko Tank auf die extrem arbeitsreiche Zeit nach dem 4. September zurück, als er sein E-Center Tank auf der Insel zum ersten Mal für die Kunden öffnete.

Jetzt kann der 46-jährige Kaufmann aus Werdohl ein wenig gelassener agieren, denn die Abläufe in seinem Supermarkt haben sich mittlerweile gut eingespielt. Wenn auch im Gespräch mit Tank alle paar Minuten das Telefon klingelt und ein Mitarbeiter von seinem Chef irgend etwas wissen will, bleibt Tank ruhig. „Ich mag das. Ich bin wirklich gerne hier. Ich gehe abends nach Hause, wenn die Arbeit erledigt ist.“ Eine 70-Stunden-Woche hat er sicherlich, aber nachgerechnet hat er das nicht.

Heiko Tank im Warenlager. Da ist es nicht ganz so perfekt aufgeräumt wie auf der großen Verkaufsfläche. Das Warenwirtschaftssystem zu beherrschen ist die große Kunst des Marktleiters. Sind die Kunden mit dem Angebot zufrieden, kommen sie auch wieder. Deshalb ist alles den Wünschen der Verbraucher angepasst.

„Die Kunden waren ja auch schon vorher mit Lebensmitteln versorgt und haben irgendwo anders eingekauft, als es uns noch nicht gab“, beschreibt er die Startproblematik in seinem Laden. „Wir überzeugen die Kunden jetzt peu a peu, bei uns ihre Wocheneinkäufe zu tätigen.“ Die Großfläche an der Inselstraße im ersten Stock lebt nicht von der Laufkundschaft. Die Kunden sollen gezielt zum Edeka kommen, mit dem Auto in die Tiefgarage fahren, das Laufband oder den Aufzug hinauf zum Markt nutzen, groß einkaufen, Kaffee trinken, Döner essen, Lotto spielen und Blumen mitnehmen.

Tank sagt, dass er die Werdohler Kunden haben will, die bei den Discountern oder bei der Konkurrenz von Rewe im WK nicht die Auswahl haben, die sie sich wünschen. Die Größe und die Vielfalt seien seine Stärke, Tank hat stolze 30 000 verschiedene Artikel im Angebot. „Die Leute wollen einfach die Auswahl. Auch wenn zehn Marmeladensorten eigentlich ausreichen müssten, ist es besser, 15 Sorten anzubieten. Und dann fragen Kunden noch nach der 16. und 17. Sorte und wir versuchen die auch noch zu besorgen“, gibt Tank ein Beispiel. Die Nachfrage nach möglichst großer Verschiedenartigkeit wolle eben bedient werden. Sucht der Kunde den Streichkäse Traube-Nuss mit Meersalz einer bestimmten Marke, dann soll er ihn auch bekommen.

Räumlich wirbt Tank Richtung Neuenrade und Plettenberg. In Altena wirkt der Nachrodter Edeka-Markt, in Lüdenscheid ist Edeka auch vertreten – in der Edeka-Familie arbeitet man nicht gegeneinander. Tanks Gebiet ist deshalb Werdohl, Neuenrade, Plettenberg und Teile von Herscheid sowie alle Kunden, die von der Autobahn über den Höhenweg herunterkommen und durch Werdohl ins Hinterland fahren.

Ein freundliches Lächeln gehört selbstverständlich dazu, wenn Erstkassiererin Pina Capizzi an der Kasse sitzt. Die Kassen- und Abrechnungssysteme sind hingegen komplex und erfordern einiges an Erfahrung. -  Fotos: Heyn

Mittlerweile kämen alle seine Stammkunden aus dem früheren kleinen Edeka-Markt in Kleinhammer zur Inselstraße. Kundenwünsche müssen befriedigt werden, also gibt es natürlich an der Fleischtheke wieder den selbstgemachten Fleischsalat. „Die Kunden muss man sich aufbauen, das dauert einfach.“ Tank will die lange Strecke gehen, hat den Markt für 15 Jahre gemietet. In den Werbeprospekten wirbt er auch mit seiner Person und seiner Eigenständigkeit: „Wir weisen auf alles, was wir selbst machen, besonders hin. Wir versuchen gerade, uns Fleisch wieder neu aufzubauen.“ Einen eigenständigen Werdohler Metzger gibt es nicht, deshalb versuche er mit seinem Angebot die Nachfrage anzukurbeln und zu bedienen. Aus Kleinhammer wiedergeholt habe er die Fleisch- und Wurstverkäuferin Silvia Müller. Im neuen Jahr wird sogar ein zweiter Metzger eingestellt. Auch wenn es profan klinge, sei der Absatz von frischer Fleischwurst auch ein Gradmesser für den wirtschaftlichen Erfolg. Mit der Akzeptanz der Fischtheke sei er schon ganz zufrieden.

„Klar könnte es im Markt noch voller sein“, weiß er, dass er noch eine Menge Kapazität nach oben hat. 1400 Bons am guten Tagen, 1000 Einkäufe an nicht ganz so guten Tagen, da ist noch Umsatz-Luft. „Wir werden schrittweise immer mehr erreichen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Das weiß ich auch.“

Die Haupteinkaufszeit ist mittlerweile der Samstagnachmittag. Zwischen 16 und 19 Uhr am Samstag ist die stärkste Zeit der ganzen Woche, stellt er fest. „Wenn wir morgens um acht den Markt aufmachen, ist es immer sehr sehr ruhig.“ Irgendwann habe er sich für feste Öffnungszeiten entscheiden müssen, die möglichst einfach, klar strukturiert und leicht zu merken seien. Montag bis Samstag von acht bis 21 Uhr, sechs Öffnungstage mit 13 Stunden. „Das steht draußen dick dran“, so Tank.

Lange vorbei sind die Zeiten von Ladenschluss um halb sieben, langer Mittagspause und dem geschlossenen Mittwochnachmittag. „Die Kunden kommen immer später am Tag und immer später in der Woche“, hat Tank beobachtet und passt deshalb seinen Warenfluss und das Personal daran an.

51 Mitarbeiter beschäftigt Tank, ein Drittel in Vollzeit, ein Drittel in Teilzeit und ein Drittel Aushilfen. Bestens eingearbeitet seien seine beiden Stellvertreter Peter Erley und Oliver Ehmig.

Fortlaufend wird neue Ware einsortiert, die Regale müssen immer randvoll aussehen. Hier ist Sabine Zühlke von der Abteilung Süßwaren und Salzgebäck an der Arbeit.

Das Warenwirtschaftssystem von Edeka hat Tank in sieben Monaten Schulung auf der Großfläche in Warstein gelernt. „Da wird überhaupt nichts dem Zufall überlassen“, grinst Tank. Deshalb bietet er trotz Rossmann ein großes Sortiment an Drogerieartikeln an. „Bei Textilien hingegen halte ich mich stark zurück, das ist das Geschäft vom WK.“ Aber sonst greift er überall an: Es gibt eine Menge Kleinelektro vom Fön bis zum Eierkocher. Jede Lebensmittelgruppe hat eine eigene Abteilungsleitung mit persönlicher Verantwortung und Kundenbindung. „Alles ist im Markt aufgeteilt, es gibt eine klare Struktur, jeder weiß was zu tun ist.“

Die Jobs bei Edeka sind offensichtlich begehrt. Noch fast jeden Tag bekomme er neue Bewerbungen, zusätzlich zu dem Stapel, der noch zuhause liegt. „Das ist echt Wahnsinn“, staunt Tank. Während er die Anlieferungsspur für die Lastwagen für gelungen geplant hält („klappt absolut super“), ist er mit der Aufteilung, Spurführung und Boxengröße im Parkhaus nicht zufrieden. Diese Planungen habe der Investor vorgenommen. Tank: „Ich hätte das anders gemacht.“

Natürlich sei das Weihnachtsgeschäft ein wichtiger Umsatzbringer, weiß der Kaufmann. Aber der Weg sei noch lang, das Geschäft richtig groß zu machen. „Wir haben hier gute Chancen, Geld zu verdienen“, sagt er nach dem Studium der umfangreichen Edeka-Standortanalyse. Er sei deshalb nach wie vor vollkommen davon überzeugt, in Werdohl mit seinem Angebot eine Lücke geschlossen zu haben.

Von Volker Heyn

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