Fleischfreie Tage an Werdohler Schulen

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Vegetarische Suppe mit roten Linsen schmeckt den Kindern, die die OGS in Kleinhammer besuchen.  

Werdohl - Was New York kann, kann Werdohl schon lange. Nur: In der Lennestadt braucht es keine Pflicht für einen fleischfreien Tag an Schulen. 

In New York hat Bürgermeister Bill de Blasio den öffentlichen Schulen den „Meatless Monday“ – den fleischfreien Montag – verordnet. In den Schulen der Lenne-Stadt gibt es schon lange fleischfreie Tage. Nur, dass es nicht unbedingt immer der Montag ist. 

Am Anfang "war das Geschrei groß"

Im offenen Ganztag der katholischen Grundschule St. Michael kommt sogar an zwei  Wochentagen kein Fleisch auf den Tisch. „In der ersten Zeit, vor circa zwei Jahren, war das Geschrei groß. Viele wollten den vegetarischen Tag einfach nicht“, erinnert sich OGS-Leiterin Kuni Rakow. 

Wenn sie an die Proteste zurückdenkt, muss sie schmunzeln, denn gerade eines der vegetarischen Gerichte, die kürzlich auf den Tisch kamen – Nudeln mit Gemüse und Kräutersauce – kam bei den Kindern so gut an, „dass alle Schüsseln völlig leergeputzt waren“. 

Kurs zur fleischfreien Küche

So gut klappt es nicht immer, obwohl in der Grundschule St. Michael jeden Tag frisch gekocht wird. Köchin Katerina Blank und ihre Helferin Olga Merkel stehen circa drei Stunden in der Küche, um die 44 Mädchen und Jungen zufriedenzustellen. Und damit auch die Mahlzeiten ohne Wurst und Co. nicht verschmäht werden, haben die OGS-Köchinnen einen Kurs unter dem Motto „Interessante fleischfreie Küche“ absolviert. 

Viel Gemüse spielt in der Küche der OGS St. Michael eine wichtige Rolle. Olga Merkel (Foto) und Köchin Katerina Blank kochen zweimal pro Woche vegetarisch.

Die Kinder, die die OGS der städtischen Gemeinschaftsgrundschule in Kleinhammer besuchen, mussten sich von Anfang an damit arrangieren, dass an einem Wochentag kein Fleisch auf den Teller kommt. „Wir richten uns nach der Ernährungspyramide“, erklärt OGS-Leiterin Tatjana Pulter. Deshalb gebe es neben dem fleischfreien Tag – wie auch in allen anderen Werdohler Schulen – einen Fischtag. 

Cheat-Day mit Pommes und Co.

Doch auch Ausnahmen müssen sein – und so wird in Kleinhammer mit Blick auf die gesunde Ernährung jede Woche einmal geschummelt: „Dann ist unser Cheat-Day mit Pommes oder anderem Essen, das den Kindern schmeckt, aber nicht gesund ist.“ Die Mahlzeiten für die OGS werden von einem Caterer geliefert. „Und wir kochen zu“, betont Pulter.  Um herauszufinden, was der Nachwuchs gerne isst, ist ein Smiley-System zur Bewertung eingeführt worden. 

Auch in Ütterlingsen wurde bereits mit dem OGS-Start der vegetarische Tag eingeführt, erzählt Sylvia Stöckel von der städtischen evangelischen Martin-Luther-Grundschule. „Wir erklären den Kindern, dass gesunde Ernährung ganz wichtig ist“, sagt sie. 

Probieren muss sein

Dennoch seien die Kinder manchmal skeptisch, wenn die frisch zubereiteten Mahlzeiten nicht unbedingt ihren Vorstellungen entsprechen. „Dann sagen wir: ,Heute ist unser Probiertag.’“ Dass Kinder nicht alles mögen, sei völlig normal und in Ordnung: „Aber es ist schön, wenn sie zumindest probieren.“ 

Dass genau das aber ab einem gewissen Alter schwierig wird, stellen die meisten Eltern fest. Deshalb werden die Jugendlichen, die die Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) besuchen, auch regelmäßig nach ihren Wünschen und Vorlieben gefragt. Einen fleischfreien Tag gibt es an der weiterführenden Schule auch. „Und der wechselt von Woche zu Woche, weil nicht alle Jugendlichen immer einen langen Schultag haben und in der Mensa essen“, erklärt der kommissarische Schulleiter Sven Stocks. 

"Fleischmaden" kriegen Wurst

Doch waschechte „Fleischmaden“ können diesen Veggie-Day umgehen; denn in der AEG gibt es zusätzlich zur Mensa noch ein Bistro. „Wer denn unbedingt möchte, der kauft sich im Bistro die Wurst zur Gemüsesuppe dazu“, meint Stocks. Das sei aber eher die Ausnahme: Insgesamt werde der fleischfreie Tag, den es seit circa einem Jahr an der AEG gibt, von den Schülern sehr gut angenommen.

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