Teilweise Online-Angebote als Alternative

Fitnessstudios: Kritik an radikaler Schließungspolitik

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In der MN Fitnesslounge in Neuenrade wird nach einem Mikrokonzept gearbeitet. Die Mitglieder trainieren auf 200 Quadratmetern, so dass die Mitarbeiter Abstände und Hygieneregeln eigentlich gut überwachen können.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Ab 2. November müssen die Fitnessstudios in Nordrhein-Westfalen vorerst wieder schließen. Sie sind vom neuen Teil-Lockdown betroffen, den die Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen hat.

Axel Weber, Inhaber und Betreiber der Fitness AG in Werdohl, hält die erneuten Einschränkungen nicht durchweg für sinnvoll. 

Fitness AG in Werdohl 

„Ich glaube, das sind zum Teil Maßnahmen, die voll am Ziel vorbeigehen“, sagt Weber. Er könne sich kaum vorstellen, dass die hohe Zahl der Neuinfizierten durch Fitnessstudios verursacht wird. Auch in der Gastrobranche hält er es für fraglich, schließlich achteten Wirte und das Personal in der Regel darauf, dass die Gäste sich nach Vorschrift verhalten. „Wir haben in unserem Fitnessstudio alles getan, um eine Ansteckung zu vermeiden“, betont Weber. Dass seine Anstrengungen und die der Mitarbeiter nun mit der Schließung „belohnt“ werden, sei frustrierend. 

Immerhin kam die Nachricht dieses Mal nicht wirklich überraschend, schildert Weber. Bei den Fallzahlen, die schon seit Wochen stark steigen, sei es nur eine Frage der Zeit gewesen. 

Die Gewichte im Fitnessstudio von Axel Weber in Werdohl werden in diesem Monat nicht benötigt, denn ab heute ist auch die Fitness AG zwangsweise geschlossen – vorerst bis Ende November.

Für die Mitglieder und den Sportbetrieb habe die Entscheidung der Regierung aber dennoch Folgen. „Es ist nicht so, dass wir in vier Wochen wieder aufmachen und alles läuft genauso wie vorher“, sagt Weber. Die Menschen, die sich jetzt gerade wieder an regelmäßiges Training gewöhnt haben, müssten dann erst einmal in die Gänge kommen und den inneren Schweinehund überwinden. „Es hatte sich gerade wieder so eine Art Normalität, eine Routine eingestellt“, sagt Weber. Die müsse in vier Wochen wohl ein weiteres Mal neu aufgebaut werden. 

Generell hält Axel Weber es für fragwürdig, ausgerechnet die Fitnessstudios zu schließen. „Wir hoffen, dass die Politiker sich bald überlegen, wo denn die Neuinfektionen herkommen und uns keine weiteren Steine in den Weg legen. Auch wir sind eigentlich Teil des Gesundheitssystems“, so Weber. 

MN Fitnesslounge in Neuenrade 

Etwas überraschend kam die neuerliche Schließung der Fitnessstudios für die MN Fitnesslounge in Neuenrade. „Ehrlich gesagt, hatte bei uns niemand so schnell mit einer Schließung gerechnet“, sagt Geschäftsführer Marcel Niehues. „Gerade deswegen nicht, weil Armin Laschet vor Kurzem noch gesagt hat, dass es keinen zweiten Lockdown geben würde.“ Nun ist er jedoch da – für die Fitnesslounge sei aber auch das zunächst kein großes Problem. „Wir haben uns im Leitungsteam zusammengesetzt und gemeinsam geschaut, wie wir jetzt vorgehen“, sagt Niehues. Dabei hätten die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown sehr geholfen. 

Ärgerlich sei allerdings, dass sich die Eröffnung des neuen Studios in Menden-Lendringsen, das so gut wie fertig eingerichtet ist, nun verschiebt. „Mindestens auf Anfang Dezember, vielleicht auch auf Anfang Januar.“ 

Marcel Niehues, Inhaber der MN Fitnesslounge in Neuenrade.

Die Maßnahmen hält Niehues aber „grundsätzlich für sinnvoll. Ich kann nachvollziehen, dass die Regierung alles daran setzt, die Fallzahlen einzudämmen. Unglücklich ist aber, dass sie dafür radikal Betriebe schließt, statt die Situation differenzierter zu betrachten.“ So hätte sich der Jungunternehmer beispielsweise gewünscht, dass die Schließungen an der Größe der Studios festgemacht werden. 

Bei großen Discount-Fitnesszentren, wo wenige Mitarbeiter für viel Fläche und viele Sportler verantwortlich seien, hält Marcel Niehues die Schließung durchaus für sinnvoll. Denn bei Studios dieser Größe sei es viel schwieriger, die Einhaltung der Hygieneregeln zu kontrollieren und Kontaktflächen regelmäßig zu desinfizieren. Die MN Fitnesslounge arbeite nach einem Mikrokonzept: Trainiert wird auf 200 Quadratmetern. So seien immer Mitarbeiter in der Nähe, die sich darum kümmern könnten, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Niehues möchte als Alternative in der Zeit der Schließung nun Online-Kurse anbieten, unter anderem zur Schmerztherapie. 

Hönnevital in Balve 

Die Leiterin des Fitnessstudios Hönnevital in Balve, Anja Dransfeld, wendet sich über die Internetseite an ihre Sportler. Bezug nehmend auf die Schließung am Montag schreibt sie: „Ja, wir sind sehr traurig über diese Entscheidungen. Aber als euer Partner in Sachen Gesundheit stehen wir voll und ganz hinter den Maßnahmen und Entscheidungen.“ Es gehe um die Gesundheit, eventuell sogar um das Leben von Menschen. „Wir sind keine Politiker und keine Virologen, vertrauen aber denjenigen, die sich mit dieser Pandemie beschäftigen und entsprechende Maßnahmen vorgeben“, so Dransfeld. 

Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr wurden im Hönnevital Übungen gefilmt und als Online-Angebote ins Netz gestellt. So soll es auch jetzt sein.

Informationen zum weiteren Vorgehen und den Mitgliedschaften möchte das Fitnessstudio den Sportlern auf verschiedensten Wegen, zum Beispiel per E-Mail oder Post, zukommen lassen. Personal Trainings und auch Ernährungsberatungen werden für die Dauer der Schließung online angeboten. Informationen dazu gebe es bei ihr oder den Fitnesstrainern des Studios, teilt Anja Dransfeld mit.

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