In der Soppe fühlen sich jetzt auch bedrohte Arten wohl

Konzentriert beobachtet Jennifer Heermann, was sich unter der Wasseroberfläche der Soppe bewegt. Mit geschultem Blick erkennt und zählt die Ökologin sechs verschiedene Fischarten im Lenne-Seitenarm.

Werdohl - Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres haben Biologen am Freitag den Fischbestand in der renaturierten Soppe überprüft. Dabei sind sie zu einem erfreulichen Ergebnis gekommen: In dem Seitenarm der Lenne leben auch Fische, die bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen. Die Population anderer Arten hat sich mehr als verdoppelt

Schon im Oktober hatten Experten eine erste Zählung der Fische vorgenommen. Jetzt, rund sechs Monate später, folgte eine Vergleichszählung. In diesem Jahr soll noch weitere drei Mal gezählt werden. „Wir möchten damit die Entwicklung des Fischbestandes dokumentieren“, erklärte Ökologin Jennifer Heermann, die diesmal die Zählung zusammen mit ihrer Kollegin Imke Böckmann und dem studentischen Praktikanten Sebastian Brock vornahm.

Dazu watete sie sozusagen stromaufwärts durch den kleinen Lenne-Seitenarm, mit einem Kescher in der Hand, um das eine oder andere Tier für kurze Zeit aus dem Wasser zu holen und es genauer begutachten zu können. Die meisten Fische „fing“ Heermann aber mit dem bloßen Auge. Und was sie zu Gesicht bekam, konnte die Ökologin zufriedenstellen.

Sechs verschiedene Arten gefunden

„Wir haben sechs verschiedene Arten gefunden – eine mehr als im Oktober“, bilanzierte Heermann. Erstmals wurden junge Neunaugen, sogenannte Querder, in der Soppe entdeckt, sogar 45 Exemplare. Die wurmähnlichen Tiere gehören zu den gefährdeten Arten, stehen auf der Roten Liste. „In der Soppe finden sie offensichtlich guten Lebensraum“, stellte die Ökologin fest.

Sie glaubt auch, dass sie nur einen Teil der in der Soppe heimisch gewordenen Neunaugen gesehen hat, weil sie sich gerne in den schlammig-sandigen Untergrund eingraben. Relativ häufig kommt mittlerweile auch die ebenfalls bedrohte Koppe, auch Groppe oder Kaulkopf genannt, in der Soppe vor. 21 dieser nachtaktiven Grundfische haben die Experten am Freitag gezählt, das waren etwa zehn Mal so viele wie vor sechs Monaten – ein Zeichen für die gute Wasserqualität.

Außerdem gab es um die Hälfte mehr Bachforellen. „Die größte war fast 20 Zentimeter lang“, berichtete Heermann. Für Jennifer Heermann steht fest, dass sich die Renaturierung der Soppe gelohnt hat. Dennoch sieht sie Möglichkeiten, den Lebensraum für die Fische noch attraktiver zu machen. Einige Buhnen, kleine Steindämme, könnten noch erhöht werden, um die Wasserströmung besser zu lenken. Auch weitere Strukturelemente seien wünschenswert, sagte sie.

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Sogar Bachforellen fühlen sich in der Soppe heimisch [18.10.2017]

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