Firma EZM: „Wir sind echte Exoten“

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Heinz Schreiber ist einer von 40 Mitarbeitern, die im EZM-Unternehmen in Werdohl tätig sind. Schreiber arbeitet im Montagebereich der Kettenräderabteilung.

Werdohl - Hochkonzentriert geht der Blick von Reinhard Fox zwischen dem aufgezeichneten Plan und dem Rohrdrehgelenk hin und her. Immer wieder dreht er das vor ihm liegende Teil, prüft, ob auch alle Maße stimmen. Fox ist als Monteur im Unternehmen Edelstahlzieherei Mark (EZM) in Bärenstein beschäftigt.

Von Jana Peuckert

Die im Maschinenpark hergestellten Produkte finden in der ganzen Welt Anwendung. Seinen Hauptsitz hat das Unternehmen in Wetter. Das Hauptgeschäft sind die Kaltumformung und das Drahtziehen. Im Standort Werdohl sind 40 der insgesamt 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Dort stehen Rohrdrehgelenke, Kettenräder und Textilfärbemaschinen im Mittelpunkt. „Wir sind hier echte Exoten“, sagt Ralf Schneider, technischer Geschäftsführer der EZM-Gruppe. So würden die Textilfärbemaschinen nicht nur komplett im Werdohler Unternehmen produziert, sondern auch regelmäßig gewartet. Auch für die Montage vor Ort seien die Werdohler zuständig.

Färbeanlagen wie große Waschmaschinen

Ganz genau überprüft Reinhard Fox das Rohrdrehgelenk mit den Angaben im Bauplan.

Zum Einsatz kämen die Maschinen in der ganzen Welt, überall dort, wo Textilien hergestellt würden. So seien bereits Färbemaschinen in die Türkei, nach Indien und nach Sri Lanka geliefert worden. Aber auch in Frankreich und in den USA fänden die Maschinen Absatz. Optisch erinnerten die Färbeanlagen an große Waschmaschinen. Daran befestigt seien beinförmige Halter, auf denen zum Färben vorgesehene Strümpfe positioniert würden. Gefärbt würden neben Strümpfen auch hochwertige Unterwäsche eines Österreichischen Unternehmens und Sportbekleidung.

Beim Gang durch den Maschinenpark, in dem sich 15 CNC-Dreh- und Fräsmaschinen befinden, nehmen Mitarbeiter gerade eine Generalüberholung an einer Textilfärbemaschine vor. „Die haben wir vor Jahren in die USA geliefert. Jetzt wird alles überholt, Bleche werden erneuert. Wenn sie fertig ist, ist sie wie nagelneu“, erklärt Schneider.

Spontan nach Madrid

Plötzlich kommt ein Mitarbeiter schnellen Schrittes auf Schneider zu. Gerade kam die Mitteilung, dass es mit einer Münztrommel in Madrid Probleme gibt. Und so heißt es für den EZM-Mitarbeiter spontan Koffer packen und ab nach Spanien, um vor Ort an der Trommel zu arbeiten. Dass Mitarbeiter kurzfristig in ferne Länder müssen, gehöre zum Job dazu. Wenn fertige Maschinen im Ausland montiert werden, seien die Beschäftigten des Werdohler Unternehmens manchmal mehrere Monate unterwegs.

Ein paar Meter weiter blitzt es wild. Ein Schweißer bearbeitet die Außenwand einer Ofentrommel zur Wärmebehandlung von Münzen. Es ist bereits die zweite Maschine, die von Werdohl aus nach China geliefert wird. Durch den Ofen

Gut geschützt schweißt ein Mitarbeiter an der Außenwand des Ofens für die Münztrommel. Nach der Fertigstellung wird das Gerät nach China exportiert.

wandern später Münzen. Jeder Abschnitt der Anlage habe eine andere Temperatur, erklärt Schneider. An der heißesten Stelle erreiche der Ofen 1000 Grad Celsius. Auch dieser Ofen werden nach seiner Fertigstellung von Mitarbeitern des Werdohler Unternehmens an seinem Einsatzort in China aufgebaut. Ebenfalls zum Sortiment des Unternehmens gehören Kettenräder und Rohrdrehgelenke. Diese kommen in der ganzen Welt insbesondere bei Flugfeldbetankungen, Schiffsverladeanlagen, in Klärwerken und bei Verladesystemen für Lkw zum Einsatz. Je nach Einsatzort variieren die Gelenke im Durchmesser von 25 bis 1000 Millimeter. An der Produktion der Gelenke und Ketten sind CNC-Zerspaner, Schlosser, Arbeitsvorbereiter, Konstrukteure, Ingenieure und Schweißer beteiligt.

Einer von ihnen ist Heinz Schreiber. Er ist in der Montageabteilung der Kettenräder tätig. Derzeit absolvieren drei Jugendliche ihre Ausbildung bei EZM. Hervorgegangen war das Unternehmen 1997 aus dem Thyssen-Konzern. Damals hatten die Verantwortlichen die Mitarbeiter vor die Wahl gestellt, ihre Arbeit zu verlieren, oder sich selbständig zu machen und den Betrieb zu übernehmen. Vier leitende Angestellte fanden den Mut, das Unternehmen unter dem Namen EZM weiter zu führen.

Einer von ihnen war Hans-Jürgen Schneider, der Vater von Ralf Schneider. 200 Mitarbeiter zählte der Betrieb in der Anfangszeit. „Von der ersten Sekunde an war das Unternehmen sehr profitabel“, erinnert sich Ralf Schneider, der 1998 ins Unternehmen kam. Als technischer Geschäftsführer achteten Ralf Schneider und sein Team darauf, die hohen Anforderungen an das Unternehmen zu erfüllen. So ständen neben der Qualität der Produkte auch Umwelt- und Energieeffizienz im Fokus. 15 Mitarbeiter seien einzig dafür zuständig, regelmäßig zu überprüfen, ob alle Anforderungen erfüllt werden, so Schneider.

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