Neues Feuerwehrhaus für Werdohl

Feuerwehrhaus: Entscheidung gefallen, aber eine Fraktion lässt nicht locker

Eine Gruppe von Feuerwehrleuten verfolgte in der Ratssitzung die Diskussion über den Bau des neuen Feuerwehrhauses für den Löschzug Stadtmitte.
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Eine Gruppe von Feuerwehrleuten verfolgte in der Ratssitzung die Diskussion über den Bau des neuen Feuerwehrhauses für den Löschzug Stadtmitte.

Mit ihrem Beifall drückten die knapp 20 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die am Montagabend die Sitzung des Rates verfolgten, wohl vor allem ihre Erleichterung aus: Die Politiker hatten gerade einen Beschluss gefasst, auf den sie schon lange gewartet hatten – und noch dazu einstimmig.

Werdohl ‒ Es ging um die Frage, ob die Stadt Werdohl die Arbeiten zum Bau des Feuerwehrhauses für den Löschzug Stadtmitte auf dem Grundstück am Grasacker selbst vergeben, oder ob sie das ganze Projekt nicht doch lieber einen Generalüber- oder -unternehmer, vielleicht sogar einem Investor überlassen solle, um das Gebäude anschließend für die Zwecke der Feuerwehr anzumieten. Diese Varianten hatte zur klassischen Gewerkevergabe durch den Bauherrn selbst hatte immer wieder die CDU-Fraktion in die Diskussion eingebracht, in der Hoffnung, die Stadt könne damit finanziell günstiger fahren.

Diese Hoffnung war im Grunde spätestens schon in der Sitzung des Rates vor vier Wochen zerbrochen, als die städtische Architektin Caroline Ossenberg-Engels ziemlich deutlich gesagt hatte, dass die Bau des Feuerwehrhauses am Grasacker allein für einen Investor kaum interessante sein dürfte. Für Investoren rechne sich das nur in Kombination mit mindestens einem weiteren Feuerwehrhaus.

Am Montagabend nun erneuerte Ossenberg-Engels diese Aussage, räumte aber auch ein, es sei richtig gewesen, „dass für den Grasacker alle Möglichkeiten zur Beschaffung angedacht und diskutiert worden sind.“ Wichtig und richtig sei auch, alle Möglichkeiten und Aspekte für die Beschaffung der ebenfalls zu erneuernden Feuerwehrhäuser für die Löschgruppe Brüninghaus und in Kleinhammer sowie für die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Eveking im Detail zu betrachten. Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen seien aber wohl erst im ersten Halbjahr 2022 zu erwarten – zu spät für eine Entscheidung darüber, ob man dortige Maßnahmen mit dem Neubau am Grasacker kombinieren könne. Diesen Zeitverlust könne sich die Stadt nicht mehr leisten.

Der CDU-Fraktion ging das gehörig gegen den Strich, zumal der Rat kurz zuvor ihren Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um einen Punkt abgelehnt hatte, in dem die CDU das Prozedere für das weitere Vorgehen ändern wollte. Dem Bau- und Liegenschaftsausschuss (Bula) und dem Ausschuss für öffentliche Sicherheit und Ordnung (Föso) sollte in einer gemeinsamen Sitzung die Planung für das Feuerwehrhaus vorgestellt werden, dort sollte auch über Änderungen an der beschlossenen Planung entschieden werden. Vor allem wollte die CDU mit ihrem Vorstoß ganz offensichtlich die Verwaltung an die Kandarre nehmen, wenn es später um den Bau beziehungsweise die Erweiterung der anderen Feuerwehrhäuser geht. Dazu sollte schon beim Grasacker-Neubau eine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen werden. „Um für die noch folgenden Feuerwehr-Bauprojekte die Möglichkeit einer Auswahl der nachhaltig wirtschaftlichsten Beschaffungsvariante nicht ebenfalls von vornherein auszuschließen, halten wir einen entsprechenden Beschluss für dringend geboten“, hieß es in dem Antrag.

Die städtische Juristin Regina Wildenburg deckte jedoch rechtliche Mängel in dem Antrag auf. Es sei nicht klar formuliert worden, ob Bula und Föso nur gemeinsam tagen oder zu einem gemeinsamen Ausschuss zusammengelegt werden sollten. Die zweite Möglichkeit ziehe weitreichende Folgen in der Besetzung aller Fachausschüsse des Rates nach sich.

CDU-Ratsherr Michael Schürmann, der für den Antrag verantweortlich gewesen war, räumte „sprachliche Ungenauigkeiten“ ein und bot an, den Antrag für die nächste Ratssitzung zu präzisieren. Dem Vorschlag der Verwaltung, die Vergabe der Arbeiten für das Feuerwehrhaus am Grasacker selbst in die Hand zu nehmen, stimme die CDU nun zu, kündigte er an und schob nach: „Auch wenn's uns schwer fällt.“

Weniger schwer fiel die Zustimmung an anderen Fraktionen. Die SPD begrüße ihn sogar regelrecht, sagte deren Sprecher Jan Vidal Canas. „Das ist für den Grasacker definitiv der einzig gangbare und jetzt richtige Weg“, befand er und erntete Applaus von der Feuerwehr.

Den anschließenden einstimmigen Beschluss nahm Bürgermeister Andreas Späinghaus mit Erleichterung auf. „Danke, das ist das richtige Signal“, sagte er. Es sei wichtig, dass Politik und Verwaltung in Fragen der Feuerwehrhäuser an einem Strang zögen, denn es gebe diesbezüglich in den nächsten Jahren noch einige Entscheidungen zu treffen. Rat und Verwaltung hätten eine gemeinsame Verantwortung, nicht nur der Feuerwehr, sondern auch der Bevölkerung gegenüber.

Die Planung für das neue Feuerwehrhaus in der Stadtmitte hat die Stadt bereits ausgeschrieben. Die Angebotsfrist endet am 21. Oktober, dann geht es um die Umsetzung. Mit der Fertigstellung des Hauses am Grasacker wird nach jetzigem Stand frühestens für Herbst 2024 gerechnet – fünf Jahre später als erste Planungen vorgesehen hatten.

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