Feuerwehr: „Wir sind doch hier nicht die Putzlappen“

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Die Beseitigung einer Ölspur durch die Feuerwehr bedeutet in erster Linie Handarbeit: Das Streumittel wird aufgetragen, anschließend muss schlicht und einfach mit dem Besen gefegt werden. Für größere Einsätze ist die Feuerwehr aber gar nicht ausgerüstet.

Werdohl - „Der Unmut bei den Kameraden wird immer größer, wir sind doch hier nicht die Putzlappen“, spricht Wehrleiter Kai Tebrün den Ärger der Freiwilligen Feuerwehr über die Ölspurbeseitigung deutlich aus.

Mehr als 50 Mal verließen im vergangenen Jahr Feuerwehrleute ihre Arbeitsplätze, um die Straße zu fegen. So mancher Arbeitgeber murrt, wenn er seinen gut bezahlten Mitarbeiter zum Putzen freistellen muss. Ein Erlass des Innenministeriums NRW aus dieser Woche soll den Feuerwehren Erleichterungen bringen.

Dabei geht es um die Mindesteinsatzstärke der Feuerwehren bei Ölverunreinigungen auf öffentlichen Verkehrsplätzen. Der Erlass erlaubt es den Wehren nun, anstelle mit sechs Einsatzkräften nur noch mit zwei Kräften auszurücken.

Erlass bringt der Feuerwehr zunächst nichts

Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler hatte darauf aufmerksam gemacht und geschrieben: „Das ist eine gute Nachricht. Die Feuerwehr wird endlich entlastet. Das kommt besonders den freiwilligen Feuerwehren zugute.“

Für den Werdohler Wehrleiter Kai Tebrün bringt dieser Erlass zunächst nichts. „Wir sind eine freiwillige Feuerwehr. Bei einer reinen Ölspur alarmieren wir tagsüber zwei Löschzüge. Dann kommen natürlich immer mehr als zwei Leute, anders können wir das ja gar nicht steuern.“ Vielleicht brauche in Zukunft nur noch ein Zug alarmiert werden, das will Tebrün noch mit den Zugführern absprechen. 

Feuerwehr muss ausrücken

Zur Ölspurbeseitigung sei die Feuerwehr durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster gekommen. Das habe einmal festgelegt, dass die Beseitigung einer Ölspur ein Einsatz zur Abwehr von Gefahren und als Unglücksfall zu werten sei. Deshalb muss jetzt die Feuerwehr, egal ob freiwillig oder hauptberuflich, zur ersten Absicherung samt Ölspurbeseitigung ausrücken. 

Bei einem Verkehrsunfall ist der Einsatz natürlich überhaupt keine Frage. Wenn auslaufende Betriebsmittel abgestreut werden müssen, erledigt das selbstverständlich die Feuerwehr. Anders ist es aber bei Ölspuren, bei denen der Verursacher unbekannt ist. „Da sind wir auch mit unserer Ausrüstung schnell am Ende“, so Wehrleiter Tebrün.

Möglichkeiten der Reinigung sind begrenzt

Die Löschzüge haben nur eine begrenzte Menge Abstreumittel an Bord, gefegt wird mit dem Besen per Hand. Außerdem ist danach die Straße immer noch nicht richtig sauber, das gelingt nur mit einer Nassreinigung. Bei kilometerlangen Ölspuren ist die Feuerwehr überfordert. Dann wird zum Beispiel die Firma Lobbe beauftragt. 

Allerdings gebe es immer wieder Schwierigkeiten mit der Finanzierung. „Wenn wir Lobbe bestellen, kriegt die Stadt erstmal die Rechnung“, so Tebrün. Wenn kein Verursacher zu finden ist, bleibt letztlich die Stadt auf den Kosten sitzen. Werktags wird die Feuerwehr vom Werdohler Baubetriebshof unterstützt, egal ob es kommunale oder Landesstraßen sind. Zu diesen Zeiten fahren auch Teams von StraßenNRW heraus. 

Drittfirmen sollen beauftragt werden können

Die Feuerwehr hat eben auch die schnellsten Ausrückezeiten, wenn es um Gefahrenabwehr und das Absichern der Straße geht. StraßenNRW ist sehr viel langsamer, richtig problematisch werde es, wenn bei StraßenNRW Feierabend ist. Tebrün: „Die haben keine Bereitschaft.“ 

Das soll jetzt eine landesweite Ausschreibung regeln. Drittfirmen sollen leichter mit der Beseitigung von Ölspuren auf Landesstraßen beauftragt werden können. Tebrün: „Das ist hilfreich, wird aber schon seit einem Jahr diskutiert. Bislang ist leider noch nichts passiert.“

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