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Unwetter für einen Abend noch einmal großes Thema

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Von: Michael Koll

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Beim Unwetter Mitte Juli war die Feuerwehr in Werdohl praktisch pausenlos im Einsatz.
Beim Unwetter Mitte Juli war die Feuerwehr in Werdohl praktisch pausenlos im Einsatz. © Birke, Maximilian

Reinhard Kaldeich stand sichtlich gerührt auf der Bühne. Stadtbrandinspektor Kai Tebrün hatte ihn zu sich gebeten beim traditionellen Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl im Festsaal Riesei.

Der Wehrleiter hatte soeben erzählt, dass Kaldeich am 14. Juli – dem Tag der Flutkatastrophe – mit seinem Auto durch die Stadt gefahren sei, um die erschöpften Einsatzkräfte aus dem Kofferraum heraus mit Essen und Getränken zu versorgen.

Nun erhoben sich sämtliche Anwesenden im Saal und zollten Kaldeich ihre Anerkennung. Kaldeich war Anfang des Jahrtausends selbst Löschzugführer in Kleinhammer. „Doch an diesem Tag hast Du Dich um Deine Kameraden gekümmert, als wärst Du immer noch der Führer eines Löschzuges“, lobte Tebrün.

Dank an Bevölkerung und Wirtschaft

Der Wehrleiter versäumte allerdings nicht, auch der Werdohler Bevölkerung und Wirtschaft zu danken, die ihrerseits die Einsatzkräfte versorgt und unterstützt hätten. „Das ist alles nicht selbstverständlich“, betonte er.

Wehrleiter Kai Tebrün (rechts) und sein Stellvertreter Andreas Wäscher (links) führten im Rahmen des Kameradschaftsabends im Festsaal Riesei einige Beförderungen durch.
Wehrleiter Kai Tebrün (rechts) und sein Stellvertreter Andreas Wäscher (links) führten im Rahmen des Kameradschaftsabends im Festsaal Riesei einige Beförderungen durch. © Koll, Michael

Es blieb nicht der einzige Moment des Kameradschaftsabends, der den Anwesenden unter die Haut ging. So etwa, als Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) von dem Augenblick berichtete, als Stadtbrandinspektor Tebrün ihn vor dreieinhalb Monaten davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass bei der Hochwasserbekämpfung in Werdohl ein Feuerwehrmann ums Leben gekommen war.

Bürgermeister bricht in Tränen aus

„Als ich diese Nachricht bekommen habe, suchte ich mir eine stille Ecke im Rathaus ganz für mich. Und dann habe ich geweint“, offenbarte Späinghaus. Und dann bat er die Anwesenden, sich noch einmal von den Plätzen zu erheben und dem Verstorbenen zu gedenken.

Auch Kai Tebrün blickte nochmals auf die Hochwasserkatastrophe Mitte Juli zurück: „Ohne unsere gute Kameradschaft hätte das nicht so gut funktioniert.“ Beim Gedanken an den verstorbenen Kameraden sagte Tebrün: „Ich bin jetzt 35 Jahre in der Feuerwehr. Aber da hatte ich zum ersten Mal keine Lust mehr.“

Hausbrand und Motorradunfall

Auch erinnerte er an andere einschneidende Ereignisse seit dem vorherigen Kameradschaftsabend 2019. Da war ein Hausbrand an der Neustadtstraße: „Wer das in den ersten Momenten gesehen hatte, wusste nicht, ob das gut ausgeht oder nicht“, gestand Tebrün. Letztlich sei es jedoch gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf umstehende Häuser zu verhindern.

Ehrungen und Beförderungen

Folgende Feuerwehr-Einsatzkräfte wurden beim Kameradschaftsabend befördert: Jocelyne Aulenkamp zur Oberfeuerwehrfrau und Lea Mäcke zur Oberbrandmeisterin, Chris Arnrich, Fynn Bettelhäuser, Domenic Häring, Sebastian Wolf, Arif Sabanci und Nico Ludemann jeweils zum Oberfeuerwehrmann, Marvin Krug, Julian Schubert und Otto Eric Gröne zum Hauptfeuerwehrmann, Daniel Michel zum Unterbrandmeister sowie Stefan Klinkenberg zum Hauptbrandmeister. Als Jubilare wurden folgende Personen ausgezeichnet: 40 Jahre im Dienst sind Brandinspektor Klaus Sbresny und Brandoberinspektor Markus Jacoby, 35 Jahre im Dienst sind die Stadtbrandinspektoren Kai Tebrün und Andreas Wäscher, 25 Jahre im Dienst ist Hauptfeuerwehrmann Roland Persin.

Weiterhin erinnerte Tebrün an einen Motorradunfall im Wilhelmsthal. Die Bilder, die sich den Einsatzkräften dort geboten hätten, seien schrecklich gewesen. Der Wehrleiter räumte offen ein: „Ich habe danach zwei Nächte schlecht geschlafen.“

Späinghaus mit lobenden Worten

Mit Blick auf die Corona-Pandemie hatte Tebrün seine Rede mit den Worten eingeleitet: „Als wir 2019 hier zuletzt gefeiert haben, ahnte noch keiner, was auf uns zukommt.“ Er schilderte, dass während der Corona-Lockdowns „selbst die Feuerwehr als Teil der sogenannten kritischen Infrastruktur keine Ausbildungsdienste mehr durchführen“ durfte.

Auch Bürgermeister Späinghaus griff in seinem Grußwort neben der Flut die Pandemie als Thema auf. „Ich möchte ein klares Wort an Sie richten“, sprach er die Feuerwehr-Einsatzkräfte direkt an. Als dann nur ein einziges Wort kam, nämlich „Danke“, folgte darauf ein Schweigen im Saal, welches die Mitglieder der Feuerwehr nach einigem Zögern mit einem ergriffenen Applaus quittierten.

Bürgermeister: „Pöbeleien gegen Sie gehen gar nicht“

Dann schilderte das Stadtoberhaupt, dass er bei der Flutkatastrophe „verstörende Bilder“ gesehen habe. „Da ist vielen von uns klar geworden, wie wichtig Sie alle für uns sind“, würdigte er die Einsatzkräfte. „Sie begeben sich ständig freiwillig in Gefahr“, schob er hinterher. Und dann rief er abschließend sehr bestimmt aus: „Pöbeleien gegen Sie gehen gar nicht!“

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