Waggons in Elverlingsen auf Kraftwerksgelände entgleist

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Mit 14 Fahrzeugen und 49 Einsatzkräften rückte die Werdohler Feuerwehr zum Kraftwerk in Elverlingsen aus. ▪

WERDOHL ▪ Großeinsatz für die Werdohler Feuerwehr: Nach ersten Informationen ging die Einsatzleitung am Donnerstag um 10 Uhr von folgender Schadenslage aus: Entgleiste Eisenbahnwaggons auf dem Kraftwerksgelände in Elverlingsen, möglicherweise austretendes Ammoniak.

Werdohls oberster Feuerwehrmann entschließt sich, den Stadtalarm auszulösen. Vor Ort stellt sich dann aber schnell heraus, dass keine Chemikalien ausgetreten, und alle Kraftwerksmitarbeiter wohlauf sind.

Von Andrea Mackenbruck

Stadtbrandinspektor Manfred Theile weiß zu Beginn des Einsatzes nur, dass angeblich drei Waggons aus den Schienen gesprungen sind. Alle weiteren Angaben sind widersprüchlich: Handelt es sich um beladene oder unbeladene Wagen? Auch ob sie umgestürzt sind, weiß er zu dem Zeitpunkt noch nicht. „Da gab es so viele Unwägbarkeiten.“

Sicherheitshalber löst Theile Stadtalarm aus. Daraufhin setzen sich 49 Feuerwehrmänner mit 14 Fahrzeugen in Bewegung – laut des Einsatzleiters das Maximum an Kräften, was zu dem Zeitpunkt verfügbar ist. Auch zwei Spezialfahrzeuge sind dabei, die im Falle eines Chemieunfalls zum Einsatz kommen.

Auf dem Kraftwerksgelände wird schnell klar: Drei Waggons sind tatsächlich entgleist. Sie sind jedoch bereits entladen und durch den Unfall nicht beschädigt worden.

Zuvor: Um die Waggons beim Entladen vor dem Wegrollen zu schützen, bringt der zuständige Mitarbeiter einen so genannten Hemmschuh auf den Gleisen an, der wie eine Bremse wirkt. Nachdem die Arbeiten erledigt sind, vergisst der Kraftwerksmitarbeiter den Hemmschuh zu entfernen. Als die Wagen darüber rollen, springen sie aus den Schienen.

Da keine Chemikalien austreten, ist der Einsatz für die Werdohler Feuerwehr beendet, bevor er überhaupt richtig los geht.

Für die Deutsche Bahn, die für die Gleise auf dem Kraftwerk zuständig ist, bedeutet dieser Zwischenfall allerdings mehr Arbeit: Um die Waggons wieder in die Spur zu bringen, muss ein Spezialfahrzeug anrücken. Da dies auf der Bahnstrecke zwischen Werdohl und Nachrodt unterwegs ist, kommt es zu Einschränkungen im Bahnverkehr. Die RB 91 fällt ab 9 Uhr auf der Strecke zwischen Werdohl und Letmathe stundenlang aus. Abellio, das Eisenbahnunternehmen, das diese Strecke bedient, richtet in Zusammenarbeit mit der MVG umgehend Schienenersatzverkehr ein. Ab 10 Uhr pendeln Busse zwischen den Bahnhöfen Werdohl und Letmathe.

Wie genau die widersprüchlichen Informationen, die letztlich dafür sorgten, dass der Stadtalarm ausgelöst wurde, bei der Feuerwehr landeten, ist unklar. Bereits um 8.40 Uhr wird der Vorfall mit den Waggons der Märkischen Eisenbahngesellschaft gemeldet. Dabei ist laut Andreas Köster, Pressesprecher der Mark-E, die das Kraftwerk in Elverlingsen betreibt, nie die Rede davon gewesen, dass Ammoniak ausgetreten sei.

„Gott sei Dank ist es so glimpflich ausgegangen“, meint Stadtbrandinspektor Manfred Theile. Wenn wirklich Ammoniak ausgetreten wäre, hätte es „ein großes Szenario“ gegeben, das nur mit Hilfe von Einsatzkräften aus Nachbarstädten zu bewältigen gewesen wäre.

Da der Stoff eine ätzende und reizende Wirkung vor allem auf Augen und Schleimhäute habe, wären die Einsatzkräfte auf Schutzkleidung angewiesen gewesen. Ammoniak tritt zudem mit Temperaturen im Bereich von Minus 30 Grad aus, was zu Erfrierungen führen könne, erklärt der Einsatzleiter weiter.

Das Ammoniak wird in den Waggons unter Druck gesetzt. Bei einem Leck würde es dann vom flüssigen in den gasförmigen Zustand wechseln. Die Feuerwehr hätte dieses Gas im Ernstfall mit Wasser „niedergeschlagen“ und somit gebunden, erklärt Theile weiter. Anschließend hätte aber noch die Frage im Raum gestanden, wie die Chemikalie zu entsorgen sei .

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