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Ferienzeit: Leute wollen vermehrt ihre Tiere abgeben

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Von: Sarah Lorencic, Jona Wiechowski

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Der Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade, der eine Auffangstation an der Werdohler Gildestraße betreibt, sucht aktuell für mehrere Katzen ein Zuhause.
Der Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade, der eine Auffangstation an der Werdohler Gildestraße betreibt, sucht aktuell für mehrere Katzen ein Zuhause. © Federico Gambarini

Sommerzeit heißt im Tierheim oftmals ein Mehr an ausgesetzten Tieren. Das ist in Werdohl nicht der Fall. Dafür können die Mitglieder des Tierschutzvereins Werdohl-Neuenrade aktuell etwas anderes beobachten.

Werdohl/Schalksmühle – „Wir haben verstärkt Anfragen von Leuten, die ihre Tiere abgeben möchten, weil sich ihre Lebensumstände geändert haben“, berichtet Vorsitzende Marlies Ruth auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der Verein betreibt eine Auffangstation an der Gildestraße. Fünf Katzen sind hier aktuell untergebracht – und die Station damit quasi ausgebucht, so Ruth. Zum einen sei der Platz nicht allzu groß. Viel wichtiger sei andererseits dieser Punkt: „Wir können nur Tiere zusammen in einem Zimmer unterbringen, die sich verstehen“, so Ruth. Hinzu kommen insgesamt 16 Tiere, die bei Mitgliedern privat wohnen – und ebenfalls ein neues Zuhause suchen.

Dass Menschen ihre Tiere vermehrt abgeben wollten sei ein neueres Phänomen – und sicherlich auch eine Folge von Corona. Zu Beginn der Pandemie hätten sich viele nach Tieren umgesehen, weil sie ja viel zuhause gewesen seien, erinnert sich Ruth. Inzwischen hätte sich das vielmals geändert.

Aktuell laufe es mit der Vermittlung „echt schleppend“, sagt Ruth, die seit 15 Jahren dabei ist. Als Beispiel nennt sie drei Katzen, die seit Januar beim Verein wohnten. „Die Tiere werden bei uns groß.“ Das sei nicht das Ziel.

Händeringend werde nach Besitzern gesucht, die eine Katze bei sich zuhause aufnehmen wollten – und sich bewusst seien, dass sie damit eine Verpflichtung eingingen. Hoffnung gebe der Vorsitzenden da der Tag der offenen Tür bei der Auffangstation, der an jedem ersten Sonntag im Monat an der Auffangstation an der Gildestraße stattfindet – und zuletzt auf eine bessere Resonanz gestoßen sei, wie Ruth berichtet.

Eine Abgabewelle in der Ferienzeit konnte bislang auch im Schalksmühler Tierheim Dornbusch nicht festgestellt werden. „Aber wir haben erst Halbzeit“, sagt Anna-Lena Pieper, die seit zwölf Jahren das Tierheim in Schalksmühle leitet. Sie hofft, dass auch in den letzten drei Wochen Sommerferien nicht vermehrt Tiere ausgesetzt und abgegeben werden.

Auffallend gewesen seien bereits vor den Ferien jedoch viele ausgesetzte Kaninchen. Allein 16 kamen an einem Tag im Tierheim Dornbusch an. Kurz darauf nochmal fünf, die in einem Garten von einer Familie zurückgelassen wurden, die ausgewandert sind. Und von den fünf waren alle Weibchen trächtig. Dementsprechend viele Kaninchen sind derzeit im Tierheim untergebracht – und es kommen immer wieder welche hinzu. Erst kürzlich wurde eins in einer Transportbox an der Straße gefunden. Ob das Kaninchen das Corona-Tier war, von dem Anna-Lena Pieper nichts wusste, weiß sie nicht. Auf jeden Fall sei das sehr merkwürdig.

Die Nachfragen sind jedenfalls mit dem Abflachen der Corona-Pandemie zurückgegangen. „Jetzt gibt es nicht mehr 15, sondern nur noch zwei Anfragen für einen Hund“, sagt die Tierpflegerin und lacht. Beschweren könne man sich nicht, die meisten Tiere finden ein Zuhause. Während der Sommer noch keine Probleme macht, graut es dem Tierschutzverein hingegen vor der kalten Jahreszeit. Sie scheint noch weit weg, kommt aber schneller als man denkt, sagt Pieper. Die Kosten für Strom und Gas sind „kaum zu stemmen wie für alle“, sagt Anna-Lena Pieper. „Das werden wir noch merken.“ Auf dem Dach des Tierheims ist eine Solaranlage installiert worden, für die Hundezwinger gibt es einen Holzofen, der zumindest am Tage für günstige Wärme sorgt bis am Abend die Ölheizung wie für den Rest des Komplexes anspringt. Der Gastank ist derzeit komplett voll, aber „der ist auch ganz schnell wieder leer“, weiß Pieper aus Erfahrung.

Kontakt

Der Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade sucht Zuhause für mehrere Katzen. Interessierte erreichen die Vorsitzende, Marlies Ruth, unter 02392/60147.

Kastrationspflicht für Katzen

Seit Ende 2018 gilt auch in Werdohl die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen. Darauf weist Marlies Ruth, Vorsitzende des Tierschutzvereins Werdohl-Neuenrade, hin. Das bedeutet, dass Katzenbesitzer ihre Tiere beim Tierarzt kastrieren und durch Tätowierung und/oder Mikrochip kennzeichnen lassen müssen, bevor sie sie frei draußen herumlaufen lassen dürfen. Bereits 2012 hatte der Rat der Stadt Neuenrade eine ebensolche Pflicht erlassen.

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