Fasten ist etwas Persönliches

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„Das Fasten ist eine Einladung an alle, sich auf Gott und einen selbst zu besinnen. Man kann alle Masken ablegen“, sagt Pater Irenäus Wojtko. Die Passionszeit hat für ihn eine große Bedeutung. 

WERDOHL - Was für Karnevalisten an Aschermittwoch das Ende der Narrenzeit bedeutet, ist für viele Christen der Beginn, für 40 Tage in Vorbereitung auf das Osterfest zu verzichten – auf Schokolade, Alkohol, Handys oder das Fernsehen. Aber was bedeutet eigentlich Fasten? Und was sagen Werdohler Geistliche zum siebenwöchigen Verzicht?

Die angesprochenen Bürger auf dem Markt waren sich einig: Die meisten fasten nicht. Ob aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen, der Wille für 40 Tage zu verzichten, ist bei den meisten Einwohnern Werdohls nicht vorhanden.

„Ich bin das ganze Jahr über kein verschwenderischer Mensch“, antwortete Dieter Schärf auf die Frage, ob er fastet. „Ich achte sehr auf das, was ich mir gönne und lebe nicht in Saus und Braus“, so der Werdohler weiter.

Und auch Margret Schneider und Elsa Dauter beteiligen sich in diesem Jahr nicht an der Fastentradition. „Fasten heißt, Jesus Christus näher zu kommen“, so die zwei ehrenamtlichen Helferinnen der Evangelischen Kirchengemeinde. Elsa Dauter: „Als Christin fühle ich mich das ganze Jahr über sehr eng mit Jesus verbunden, er ist jeden Tag bei mir.“ Die Passionszeit habe für beide eine große Bedeutung. Es sei wichtig, diese Zeit zur Besinnung zu nutzen, so Margret Schneider.

Das sieht auch Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg so. Zwar sei in der protestantischen Kirche die Fastenzeit kein Gesetz, aber doch eine „gute Übung“. Schließlich falle es heutzutage immer mehr Menschen schwer, auf alltägliche Dinge zu verzichten. „Die Anerkennung des Fastens ist in den vergangenen Jahren nicht gerade größer geworden“, so der evangelische Geistliche. Die Fastenaktion der evangelischen Kirche mit dem Namen „Sieben Wochen Ohne – Riskier was, Mensch“ möchte laut Ankündigung dazu verhelfen, in dieser Zeit etwas freizulegen und in Bewegung zu bringen. „Das ist kein Verzicht, sondern vielmehr eine Einladung, bewusster zu leben und herzlicher im Umgang mit seinen Mitmenschen zu sein“, so der Pfarrer.

„Fasten ist im Allgemeinen eine Praxis, hinter der aber die Frage steht: Was ist mein Ziel? Wo möchte ich hin und woher komme ich?“, sagt Pater Irenäus Wojtko. Er sieht im 40-tägigen Verzicht vor allem den Sinn, alle Masken abzulegen und sein wahres Gesicht zu zeigen. Pater Irenäus: „Während des Fastens baue ich das ab, was mich von Gott trennt.“ Seiner Meinung nach sei das Fasten keine gesellschaftlicher Wettstreit, sondern ein Weg zu sich und zu Gott zu finden. „Das ist etwas ganz Persönliches.“

Von Friederike Domke

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