Falken nisten in der Stadt

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Das mutigste Falken-Junge unternimmt die ersten, noch zaghaften Flugversuche von Ast zu Ast. ▪

WERDOHL ▪ Werdohl hat doch einiges zu bieten. Man wohnt in einer Stadt, zugegeben, einer kleinen, ist der Natur aber gleichzeitig unglaublich nah. Die Gemeinde an der Lenne ist umgeben von Waldflächen und selbst im Stadtgebiet kann man der Natur deshalb näher kommen als man denken mag.

So geht es derzeit einer Familie an der Gartenstraße, die vor vier Wochen beim Blick aus ihrem Wohnzimmerfenster in einem oberen Stockwerk eines Mehrfamilienhauses ihren Augen kaum trauen konnte. Eine Falkenfamilie hatte sich einen Steinwurf entfernt in einem Baum am Grundstücksrand niedergelassen und kümmert sich seitdem um die Aufzucht. Nun hat der Fernseher einen schweren Stand, sich als Unterhaltungskünstler einzubringen. Die faszinierten Naturliebhaber greifen lieber zum Fernglas und beobachten, wie sich die Kleinen von Tag zu Tag weiterentwickeln.

„Erst waren es fünf, vor kurzem ist aber eines wohl aus dem Nest gestürzt. Mein Mann hat nachgeschaut, aber nichts gefunden. Den übrigen vier scheint es aber prächtig zu gehen, auch wenn es hin und wieder mal Streit um das Futter gibt“, sagt die Dame des Hauses.

Kaum hatte die Familie das Nest erspäht, wollte sie natürlich wissen, um welche Falkenart es sich handelt. Gleich am nächsten Tag stand ein Besuch in der gut sortierten Werdohler Stadtbücherei auf dem Plan. Jetzt liegt das Buch über Falken auf der Anrichte und die Bestimmung scheint abgeschlossen. „Es müssen Turmfalken sein“, erklärt sie, während sie auf ihrem Balkon steht – mit dem Fernglas im Anschlag.

Am Himmel über Werdohl sieht man in der Ferne einen Greifvogel kreisen. Futter ist offenbar im Anflug. Sekunden später taucht das erwachsene Tier in direkter Nähe des Nestes auf, legt dann aber erst einen kurzen Zwischenstopp auf dem Kamin eines Nachbarhauses ein. Ein schöner Blick: Die vier Wochen alten Jungen warten auf ihr Mittagessen, Mutter oder Vater checkt im Hintergrund offenbar das Umfeld ab. Dann ist es soweit, ein paar Flügelschläge des geschickten Greifers und schon landet die Maus im Nest. Dem Stärksten scheint das Filet zuzustehen.

Fliegen kann der Nachwuchs noch nicht, aber seit Donnerstag vollführt der Mutigste seine ersten Flatterversuche und legt die ersten kurzen Strecken von Ast zu Ast zurück. Es dauert wohl nicht mehr lang, bis sie selbst auf Mäusejagd gehen werden. ▪ von Markus Jentzsch

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