Wegen Corona

Fahrschulen im Lennetal werden ausgebremst

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Für die theoretische Fahrprüfung können Schüler derzeit ausschließlich auf digitalem Weg über Apps lernen. Theorieunterricht darf in den Fahrschulen nicht stattfinden.

Werdohl/Plettenberg/Altena – Die Motoren der Fahrschulautos bleiben aus, die Türen zum Theorieunterricht verschlossen. Bis zum 19. April ist es auch Fahrlehrern untersagt zu unterrichten.

Führerscheinprüfungen wurden bis auf weiteres abgesagt. Wie wird damit in Werdohl und der direkten Nachbarschaft umgegangen? 

Fahrschule Burghardt 

Fahrlehrer Martin Burghardt hat seine Fahrschule bereits seit Dienstag vergangener geschlossen. So sei es in einer Mitteilung des Landes verfügt worden. Auch praktische Fahrstunden dürfen vorübergehend nicht stattfinden. Damit die Schüler im Stoff bleiben, haben sie die Möglichkeit, Lerninhalte über eine Smartphone-App anzusehen und dort auch Prüfungen zu simulieren. Den Unterricht in der Fahrschule kann dieses Angebot aber nicht ersetzen. „Das ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen“, sagt Burghardt. 

Fahrschule Fenner 

Der Werdohler Fahrschulleiter Rüdiger Fenner erklärt, dass auch seine Schüler Zugriff auf ein Online-Lernprogramm haben. Es bestehe außerdem jederzeit die Möglichkeit virtuell Kontakt zu den Fahrlehrern aufzunehmen, zum Beispiel um Nachfragen zur Theorie zu stellen. So soll die Zeit bis zum Ende der Osterferien überbrückt werden. Das Angebot werde auch wahrgenommen, sagt Fenner. Unter anderem seien ihm Bildschirmfotos von Prüfungsfragen zugeschickt worden. „Wir geben den Schülern natürlich gerne Feedback.“ Die Fahrschule Fenner gehört übrigens zu Block und Kirchhoff aus Plettenberg. 

Block und Kirchhoff 

Patrick Mey, einer der Geschäftsführer bei Block und Kirchhoff, nutzte das gute Wetter in dieser Woche und die zwangsweise freie Zeit dafür, die Motorräder der Fahrschule startklar zu machen. Er erzählt, dass die Fahrschulen keine Alternativen zum Präsenzunterricht anbieten dürften. Den sogenannten Webinator, ein Programm, mit dem virtuelle Lernräume erstellt werden können, gebe es zwar, der Unterricht darüber werde aber nicht als Prüfungsvorbereitung anerkannt. Stattdessen lernen auch die Fahrschüler von Block und Kirchhoff über eine App. Dass die Nutzungszahlen dort steigen, stellt Mey aber nicht fest. Vielmehr seien sie konstant. „Klar, der eine oder andere tut vielleicht gerade ein bisschen mehr, man darf aber nicht vergessen, dass ja viele auch in der Abiturvorbereitung stecken und damit beschäftigt sind.“ 

Fahrschule Martin

Der Herscheider Dieter Martin betreibt Fahrschulstandorte in Plettenberg und Herscheid. In beiden Städten liegt der Unterricht auf Eis. Die Fahrlehrer, die Dieter Martin beschäftigt, stehen per Handy in Kontakt mit den Schülern, um Neuigkeiten weiterzugeben oder Fragen zu beantworten. „Wenn irgendwas anliegt, sind die Fahrlehrer die ersten Ansprechpartner“, so Martin. Er hofft darauf, dass die Fahrschulen ab dem 20. April wieder öffnen können – „ich denke, da spreche ich stellvertretend für alle Fahrlehrer“. Bis dahin hat auch der Tüv Nord alle Prüfungen abgesagt. „Bei uns waren sechs praktische und neun theoretische Prüfungen betroffen.“ Sie müssen an einem neuen Termin nachgeholt werden, erklärt Dieter Martin. Er wartet nun ab: „Man muss jetzt Geduld haben – es nützt ja alles nichts.“

Fahrschule Kreisel 

Frank Kreisel ist Betreiber der knallgrünen Fahrschule an der Lennestraße in Altena. Auch sie hat seit dem 17. März geschlossen, weil die Landesregierung „uns als private Bildungseinrichtungen anerkennt. Letztes Jahr als es um eine Mehrwertsteuerbefreiung ging, war das nicht so“, sagt Kreisel etwas verärgert. Für die Vorsichtsmaßnahmen hat er aber Verständnis, denn „man sitzt in der Fahrschule und vor allem im Auto auf engem Raum zusammen.“ Die Coronakrise stellt Kreisel und seine Fahrschule vor eine große Herausforderung. „Die Fahrlehrer sind auf Kurzarbeit. Uns fehlen sämtliche Einnahmen, aber die Fahrzeuge müssen trotzdem weiter unterhalten werden.“ Auch Kreisel berichtet von einer App, die seine Schüler nun nutzen können, um die Fahrtheorie zu verinnerlichen. Als Ersatz für den Präsenzunterricht könne sie aber nicht gesehen werden. Die Theoriestunden in der Fahrschule müssten die Schüler nachholen. In einem Computerprogramm kann Frank Kreisel einsehen, wie viel Zeit die Schüler in der App verbringen. Erfreut stellt es fest: „Man sieht, dass sie lernen, die Online-Zeit ist gestiegen.“ Über die App können auch Nachfragen an ihn gestellt werden, die der Fahrlehrer beantwortet.

Fahrschule Persicke 

Patrick Persicke ist Einzelkämpfer in seiner Fahrschule in Altena. Er hat keine Fahrlehrer angestellt. Dennoch ist auch er bemüht mit seinen Schülern in Kontakt zu bleiben. „Ich habe ja jetzt viel Zeit“, sagt Persicke. Seine Schüler können die Theorie entweder in einer App üben oder in einem E-Book nachlesen. Dass der Online-Unterricht nicht anerkannt wird, hält Persicke für richtig. Die Fahrschulen würden sonst mit der Nachfrage für praktischen Unterricht und Prüfungen völlig überrannt, wenn die Coronakrise vorbei ist. „So viele Fahrstunden könnten wir auf einmal nicht stemmen“, gibt er zu bedenken und hofft darauf, dass er am 20. April wieder öffnen kann.

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