Fahrpläne schlecht fürs Werdohler Stadtbild?

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An den roten Masten hätten die Fahrpläne eigentlich hängen sollen, jetzt finden MVG-Kunden sie in einer zentralen Vitrine neben dem Wartehäuschen (links).

Werdohl - Die Bushaltestelle an der Freiheitstraße bleibt in der Diskussion. Seitdem sie vor rund vier Jahren im Zuge des Stadtumbaus erneuert worden ist, gibt es immer wieder Kritik. Auch jetzt wieder. Es geht um die Aushangfahrpläne.

Karl-Heinz Neumann wundert sich: „Die MVG hat die Fahrpläne ja noch immer nicht umgehängt“, sagt der 89-Jährige. Auf den ersten Blick hat der Mann recht. Die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte vor mehr als zwei Jahren angekündigt, die Aushangfahrpläne näher an den in Fahrtrichtung vordersten Haltestellenmasten anbringen zu wollen. Wer sie heute dort sucht, sucht aber vergeblich. 

Karl-Heinz Neumann hatte sich im April 2017 darüber beschwert, dass die Fahrpläne nur noch in weiter hinten positionierten Vitrinen ausgehängt worden sind. Damit seien sie zu weit von den Haltepunkten der Busse entfernt, hatte er moniert. Die MVG lenkte ein, versprach, die Fahrpläne doch wieder näher an den Einstiegsstellen der Fahrzeuge zu platzieren. Doch sie hatte die Rechnung wohl ohne die Stadt Werdohl gemacht. 

MVG wollte, durfte aber nicht

„Sehr wohl waren wir seinerzeit bemüht, die Fahrgastinformation an besagter Haltestelle zu optimieren – wir durften jedoch nicht“, erklärte MVG-Pressesprecher Jochen Sulies, warum das Nahverkehrsunternehmen sein Versprechen nicht habe einhalten können. „Noch am selben Tag der Montage der Drehkreuze mit den Aushangfahrplänen im Mai oder Juni 2017 wurde uns dies von der Stadt Werdohl untersagt.“ Das Argument sei gewesen, dass die Fahrpläne nicht ins Stadtbild passen. „Die erst unmittelbar zuvor montierten Drehkreuze haben unsere Mitarbeiter dann sofort wieder demontieren müssen“, berichtete Sulies. Die MVG sei in diesem Fall „auf der Seite des Bürgers gewesen“, betonte der Pressesprecher. Sie habe die Lösung mit den zusätzlichen Fahrplänen nicht nur für technisch machbar, sondern auch für gut befunden. 

Zur Ehrenrettung der Stadt Werdohl muss festgestellt werden, dass sie bei der Umgestaltung der Bushaltestellen tatsächlich darauf gedrungen hat, an zentraler Stelle Schaukästen für die Fahrpläne zu installieren. Davon hat auch die MVG gewusst. „Das wollte die Stadt Werdohl gerne so haben“, erklärte deshalb auch MVG-Sprecher Sulies im April 2017, warum die Fahrpläne zunächst in eben diesen Vitrinen ausgehängt worden sind. Trotzdem hat die MVG rund einen Monat später doch wieder Fahrpläne an Drehkreuzen aushängen wollen. „Der Kunde hätte seinen Nutzen davon gehabt“, bedauert Sulies, dass die Lösung nur von kurzer Dauer gewesen ist. 

Stadt zu Gesprächen bereit

Im Rathaus kann sich der zuständige Fachbereichsleiter Thomas Schroeder nicht an eine Anweisung erinnern, der zufolge die MVG die Fahrpläne hätte wieder abnehmen müssen. Allerdings kann er den Gedankengang, nach dem sie nicht ins Stadtbild passen, in gewisser Weise nachvollziehen. „Wenn schon, dann sollte so etwas auch eine echte Verbesserrung der Situation zur Folge haben, die ich aber nicht erkennen kann“, äußerte er Zweifel an der Zweckmäßigkeit zusätzlicher Fahrpläne an den einzelnen Haltepunkten. Ansonsten gelte es festzuhalten, dass auch die Optik eine Rolle spiele: „Schöner wird es dadurch ja nicht gerade“, sagte Schroeder. 

Der Fachbereichsleiter deutete allerdings auch an, dass sich die Stadt der Anbringung zusätzlicher Fahrpläne nicht verschließen werde, wenn dies sinnvoll sei und das optische Erscheinungsbild nicht zu sehr gestört werde. „Zu Gesprächen sind wir immer bereit“, sagte Schroeder.

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