Werdohler Muslim beschreibt die Not in Uganda

Vor dem Schlachten suchen die Helfer die Tiere aus, für deren Kauf türkische Muslime weltweit gespendet hatten. Alptekin ist als Bauernjunge aufgewachsen und kann auch schlachten, in Jinja ist er aber für Kontrolle und Aufsicht zuständig.

Werdohl/Plettenberg/Jinja - Das Handyvideo zeigt eine Afrikanerin im Hidschab, mit einem Kind auf dem Arm. Sie hockt auf der Schwelle im Eingang einer Hütte. Ein Mann mit der türkisfarbenen Weste der Diyanet-Stiftung TDV reicht ihr eine weiße Plastiktüte, anschließend quittiert die Frau die Gabe auf einer Liste. Weitere Männer filmen die Szene per Handy.

Dann schwenkt die Aufnahme von der Hütte weg auf die Umgebung und zeigt unfassbare Zustände. Berge von Müll liegen in verdreckten Wasserläufen, ein Holzbrett führt darüber. Rundum sind weitere Ziegelhäuser zu erkennen. Alles ist matschig, den Geruch der Kloake kann man sich vorstellen.

Der nächste Schwenk geht auf das Gesicht von Fahrettin Altpekin, dem Werdohler Vorsitzenden der Ditib-Moschee. Auch er trägt die Farben der türkischen TDV, er hält einen Regenschirm, das T-Shirt ist durchnässt. Der 50-jährige Gebäudereinigermeister sieht sehr betroffen aus. Sein ansonsten stets präsentes Lächeln ist gewichen, von seiner Fröhlichkeit ist in diesem Moment nichts zu sehen. Mit gerunzelter Stirn spricht er auf türkisch in die Kamera, man sieht ihm an, dass er angegriffen ist von dem Elend und der Not. Dann schwenkt die Kamera wieder auf die völlig vermüllten Wassergräben zwischen den Häusern.

Mit gesenktem Blick spricht Alptekin weiter. Noch einmal sind türkische und afrikanische Muslime zu sehen, die in verdreckten Gassen weitere Plastiktüten mit Opferfleisch verteilen. Ein letztes Mal spricht Alptekin in die Kamera.

Das erste von mehreren Videos von seinem Hilfseinsatz in der Stadt Jinja in Uganda hatte Alptekin am Donnerstag auf Facebook veröffentlicht, tausendfach wurde es bereits angeschaut, hunderte Kommentare lesen sich ähnlich: „Möge Allah diejenigen segnen, die helfen, Gott segne diejenigen, die dorthin gehen und ihnen helfen, Amen.“

Fahrettin Alptekin aus Werdohl will nicht nur das Elend in Jinja zeigen, sondern auch die Freude der Hilfeempfänger, vor allem der Kinder.


Alptekin ist gemeinsam mit Aliihsan Karaman aus Plettenberg in Jinja eingesetzt. Für diese Zeitung hat Alptekin ein paar Sätze in deutscher Sprache gesendet: „Es war wieder einmal ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis. Erneut erlebte ich Situationen, die mich zutiefst berührten. Vieles ist mit Worten kaum zu beschreiben, doch möchte ich versuchen, einige Ereignisse und Gefühle mit euch zu teilen. Auf den Fotos könnt ihr die Umstände sehen, in denen die Menschen hier leben. Wir kommen hier immer wieder gerne her, um ihnen eine kleine Freude zu bereiten. Auch wenn wir wissen, dass es nicht ihr komplettes Leben verändert, ist es schön mit anzusehen, wie sie sich für einen kleinen Moment im Jahr riesig freuen. Das Lächeln in den Gesichtern dieser Menschen ist für uns mehr Wert als jedes Geld auf dieser Welt. Es ist zugleich unsere Motivation, diese Aktion weiterzuführen. Wichtig für uns ist außerdem, dass wir diesen Menschen das Gefühl zu geben scheinen, dass Menschlichkeit auf der Welt noch nicht ausgestorben ist und das es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die ihnen helfen möchten. Liebe Grüße aus Uganda.“

Alptekin und Karaman waren am vergangenen Dienstag mit etwa 50 weiteren türkischen Freiwilligen von Istanbul aus nach Entebbe geflogen. Mit afrikanischen Muslimen teilten sich die Männer der Diyanet-Stiftung in kleine Teams auf, um in kleinen Städten in der Nähe des Victoriasees Rinder, Ziegen und Schafe zu schlachten und das Fleisch mit weiteren Hilfsgaben vor allem an Frauen und Kinder zu verteilen. Die Opferaktion der türkischen Diyanet-Stiftung in Afrika findet jedes Jahr zum Opferfest statt. Alptekin war in diesem Jahr zum dritten Mal in Uganda.

Nach Beendigung seines Hilfseinsatzes fliegt Alptekin Mitte der Woche in die Türkei in sein Heimatdorf Giresun. Dort war er als Bauernjunge aufgewachsen.

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