Fäkalien im Keller: „Wir brauchen dringend Hilfe“

Das Haus Friedrichstraße 16 von Familie Kämmerling hat als einziges den Abwasserschacht im Keller. Außerdem ist es ein Mittelhaus, so dass ohne eine Zusammenarbeit mit Nachbarn keine Entwässerung in den städtischen Kanal vor der Haustür erfolgen kann.

Werdohl - Nicht nur an der Schützenstraße im Haus von Nadja Abd El Gawad stinkt es nach Fäkalien (wir berichteten), auch an der Friedrichstraße im Haus von Familie Kämmerling riecht es häufig übel.

Für Kämmerlings ist der Schuldige allerdings klar zu benennen: Das Sondervermögen Abwasser hatte vor mehr als einem Jahr angekündigt, den Kanal in der Friedrichstraße zu erneuern. 

Im Juni 2016 teilte die Stadt den Anliegern mit: „Die Baumaßnahme wird noch in diesem Jahr erfolgen.“ Passiert ist bis heute nichts. Es stinkt zum Himmel. Dieter Kämmerling: „Wir haben jeden Tag Angst davor, dass unser Schacht im Keller überläuft.“ Kämmerlings entwässern gemeinsam mit allen rechtsseitigen Anliegern der Friedrichstraße 14 bis 24 in einen defekten Privatkanal. Der führt am Haus von Nadja Abd El Gawad vorbei und drückt dieser Frau die Fäkalien in den Keller. Die Problematik des Privatkanals ist schon seit 1989 bekannt. 

Aber erst Anfang 2016 wurde es ernst. Die Anlieger der geraden Hausnummern der Friedrichstraße sollten sich privat organisieren, um ihren kaputten Abwasserkanal zu sanieren. Ein Nachbar hatte sich engagiert, alle Parteien angeschrieben und einen Kostenvoranschlag für ein Inliner-Verfahren eingeholt. 6300 Euro hätte das für jeden Anlieger gekostet. „Meine Eltern sind sofort zur Bank gegangen und haben 7000 Euro Hypothek aufs Haus aufgenommen“, erzählt Tochter Silvia Kämmerling, der das Haus gehört. 

Dieter Kämmerling hat den Schachtdeckel mit Plastikfolie umwickelt, damit es im Haus nicht ganz so stark stinkt.

Weil der defekte Privatkanal im Keller ihres Hauses aufstaut und stinkt, waren sie heilfroh, dass sie ans öffentliche Kanalnetz anschließen konnten. Doch nicht alle Nachbarn wollten diese Summe zahlen. Da sich einige nicht verpflichtet sahen, stiegen sie aus der privaten Vereinbarung aus. Kämmerling weiß: „Bei denen drückt der kaputte Kanal das Abwasser nur in den Garten.“ Diese Leute wollten sich offensichtlich drücken.

Also musste die Stadt mit einer Zwangsmaßnahme reagieren: Unter Androhung von 3000 Euro Strafe, wahlweise Haft, verlangte sie von allen Anliegern einen Anschluss an den städtischen Kanal in der Friedrichstraße. Auch das war noch ganz im Sinne von Kämmerlings, schließlich hatten sie das Geld für den Anschluss schon aufgenommen. Dann geschah allerdings das Unvorhersehbare: Die Stadt stellte fest, dass der eigene Kanal in der Friedrichstraße zu klein dimensioniert sei. Am 7. Juni 2016 wurde den Anliegern mitgeteilt, dass die Anschlussverfügung aufgeschoben sei, bis die Stadt den Kanal saniert habe.

Durch diesen kleinen Abwasserschacht im Keller des Hauses Friedrichstraße 16 drücken die Fäkalien ins Haus.

Unserer Zeitung gegenüber bestätigte Tiefbauabteilungsleiter Hempel, dass an eine Erneuerung des Kanals ab September 2017 gedacht sei. Das wären dann eineinhalb Jahre, die zwischen dem ersten Schreiben und der tatsächlichen Sanierung lägen. Zumal erst der Kanal erneuert wird und dann die Anlieger zum Teil mit teuren Hebeanlagen anschließen müssen. Für diese lange Wartezeit haben Kämmerlings gar kein Verständnis: „Bei uns läuft ständig die Scheiße in den Keller.“ 

Mehrfach und in immer geringeren Abständen bestellen sie einen privaten Spülwagen. „Wir haben in dem Jahr bisher schon mehr als 1000 Euro ausgegeben.“ Brigitte und Dieter Kämmerling sind Rentner, Tochter Silvia ist Frührentnerin. Die Einkünfte sind bescheiden. Silvia Kämmerling: „Wir brauchen Hilfe von der Stadt. Die Situation ist nicht mehr zum Aushalten.“ Mutter Brigitte nickt: „Jeden Tag schauen wir zwei Mal in den Kanal. Irgendwer muss uns doch helfen können.“

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