40-Millionen-Euro-Projekt

"Fabrik der Zukunft": So sieht es auf der Vossloh-Baustelle aus

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Wo jetzt noch fleißig gebaggert wird, werden demnächst neue Büros für die Vossloh-Verwaltung entstehen.

Werdohl – Vor etwas mehr als einem halben Jahr waren die Verantwortlichen beim Bahntechnikkonzern Vossloh noch sehr zufrieden mit dem Fortschritt beim Bau ihrer „Fabrik der Zukunft“ und schmiedeten bereits erste Pläne für ein Richtfest.

Damit, wie die Arbeiten bei dem 40-Millionen-Euro-Projekt vorangehen, sind sie immer noch zufrieden. Das Richtfest ist allerdings dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Nun hofft man bei Vossloh auf eine schöne Einweihungsfeier. 

„Wir sind bis jetzt genau wie geplant vorangekommen – trotz Corona“, sagte Christian Renners und klopft gedanklich auf Holz. Der Geschäftsführer der Vossloh-Sparte Fastening Systems, der maßgeblich für den Neubau verantwortlich ist, weiß, dass der Konzern Glück gehabt hat. Zu Jahresbeginn, als sich die Corona-Pandemie auszubreiten begann, habe er sich schon Sorgen gemacht, gibt Renners zu. Dass zumindest das Neubauprojekt von den Folgen verschont geblieben ist, schiebt Renners auf ein glückliches Händchen bei der Planung und Auftragsvergabe. „Wir haben viel auf heimische Unternehmen gesetzt, das spielt uns jetzt in die Karten.“ Dass maßgebliche Aufträge an Firmen aus dem Ausland vergeben worden wären, wo das Virus noch weitaus schlimmere Folgen für die Wirtschaft hatte als in Deutschland, mag sich der Vossloh-Manager gar nicht ausmalen. 

Bislang keine  Probleme im Lieferschwierigkeiten

Von Glück spricht auch Bauleiter Arnd Gansohr vom Lüdenscheider Architekturbüro MTT. „Wir verbauen natürlich Komponenten aus der ganzen Welt. Lieferschwierigkeiten haben wir aber zu keinem Zeitpunkt gespürt“, versichert er. Grund dafür sei wahrscheinlich eine frühzeitige Planung und Bestellung, gibt er dann doch zu, dass nicht alles Zufall ist. 

Bauleiter Arnd Gansohr (links) und Vossloh-Geschäftsführer Christian Renners treffen sich regelmäßig auf der Baustelle, um zu besprechen, wie die „Fabrik der Zukunft“ weitergebaut werden soll.

Nachdem auf dem Vossloh-Werksgelände zum Teil 100 Jahre alte Fabrikhallen abgerissen worden sind, sind mittlerweile zwei Jahre vergangen. Inzwischen steht die neue Halle mit beeindruckenden Maßen: Mit 140 mal 60 Metern hat sie eine Flächenausdehnung wie ein Fußballfeld, fast zehn Meter ragt sie in die Höhe. Richtig spürbar werden diese Dimensionen aber erst, wenn man im Innern steht. Die Transporter der Baufirmen, die jetzt noch durch die Halle kurven, wirken darin so klein wie Spielzeugautos. 

Fünf Fabriken in einer

Viel Platz braucht Vossloh aber auch. „Das sind ja im Grunde genommen fünf Fabriken in einer“, erklärt Bauleiter Gansohr. Was im Produktionsablauf bisher über das ganze Firmengelände verstreut war – Beiz- und Biegeanlagen, Öfen, Oberflächenvergütung und Logistik –, soll in Zukunft unter einem Dach vereint sein. Mehr Effizienz im gesamten Produktionsablauf ist das übergeordnete Ziel beim Aufbau dieser nach Vosslohs Darstellung weltweit modernsten Fertigung von Schienenbefestigungen. 

140 Meter lang, 60 Meter breit und knapp zehn Meter hoch ist Vosslohs „Fabrik der Zukunft“, in der ab Mitte 2021 die weltweit modernste Fertigung von Schienenbefestigungen in Betrieb gehen soll.

Dieses Ziel rückt nun allmählich in Sichtweite. Die Gebäudehülle sei „bis auf etwas Feinschliff“ bereits fertig, derzeit erhalte die neue Halle die Haustechnik, erklärt Bauleiter Gansohr den Stand der Dinge. Ab September sollen die ersten Maschinen angeliefert werden. „Das ist dann der Moment der Wahrheit: Passt das Gebäude auch tatsächlich zu den Anlagen?“, ist Geschäftsführer Renners schon sehr gespannt auf diese Phase, die nach seiner Einschätzung einige Monate dauern wird. Und wenn dann alle Maschinen an Ort und Stelle sind, kann der ebenfalls monatelange Probelauf beginnen. Denn Vossloh will nicht das Risiko eingehen, dass die Produktion der weltweit begehrten Spannklemmen ins Stocken gerät, weil etwas noch nicht rund läuft. Für eine Übergangszeit würden deshalb die Anlagen dupliziert, verrät Renners, dass dann notfalls noch auf alten Maschinen produziert werden kann. 

In den Büros läuft schon der Innenausbau

Die Büros, die an die südliche Seite des neuen Produktionsbereichs angedockt werden, gehen schon ihrer Vollendung entgegen, dort läuft schon der Innenausbau. „Die sind in sechs bis acht Wochen fertig“, schätzt Gansohr. Und dann wird auch noch an der alten Vossloh-Verwaltung gebaut, dort wird gerade noch gebaggert. Wo vor fast zwei Jahren eine angebaute alte Halle abgerissen worden ist, klafft derzeit noch eine Wunde, die es zu schließen gilt. 

Spätestens im Sommer 2021 wird die aber nicht mehr zu sehen sein. Dann soll die „Fabrik der Zukunft“ feierlich eingeweiht werden – wenn das Coronavirus den Planern nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

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