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Explodierende Spritpreise: So reagieren Unternehmen auf die Mehrkosten

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Von: Carla Witt

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Auch der Dieselpreis ist in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen. Viele Autofahrer haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie tanken müssen.
Auch der Dieselpreis ist in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen. Viele Autofahrer haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie tanken müssen. © Carsten Koall

Ein Blick auf die Preistafeln der nächsten Tankstellen verdirbt so manchem Autofahrer die Laune: Der Preis für Super könnte die 1,80-Euro-Grenze knacken, der Liter Diesel fließt für etwa 1,60 Euro in den Tank.

Nicht nur Berufspendler haben daran schwer zu knacken, in vielen Branchen sucht man Lösungen, um zumindest einen Teil der Mehrkosten aufzufangen.

Pflegedienst

Die Mitarbeiter des häuslichen Pflegedienstes mit Herz Antje Hein in Neuenrade sind nicht nur mit vier Dienstfahrzeugen unterwegs, sondern teilweise auch mit ihren Privatwagen. „Wenn sie dazu schon bereit sind, sollen meine Mitarbeiter nicht noch Nachteile haben. Deshalb habe ich in diesem und im vergangenen Monat die steuerfreien 44 Euro genutzt und Tankgutscheine verteilt“, berichtet Inhaberin Kristina Büttner. Um die Ausgaben für Sprit, die durch die Hausbesuchspauschale keinesfalls aufgefangen würden, im Rahmen zu halten, hat sich Büttner mit ihrem Team aber noch etwas anderes überlegt. „Wir haben jetzt auch in Neuenrade eine Fußgänger-Tour eingerichtet“, berichtet sie. In Affeln und Altenaffeln seien die Mitarbeiter schon seit längerem auch zu Fuß unterwegs – seit September nun auch in Neuenrade. Das spare nicht nur Geld, sondern schone auch die Umwelt und das Klima, stellt Büttner fest. „Und es kostet auch nicht mehr Zeit im Innenstadtbereich.“ Denn besonders im Bereich Mühlendorf sei die Parkplatzsuche langwierig.

Doch nicht alle Touren können zu Fuß erledigt werden. Im Spätdienst müssten die Mitarbeiter beispielsweise oftmals zwischen Garbeck, Höveringhausen, Affeln und Altenaffeln pendeln. Auch deshalb habe sie die Anschaffung von Elektro-Fahrzeugen und sogar E-Bikes erwogen. „Aber es gibt momentan weder das eine noch das andere. Die Lieferzeit beträgt etwa ein Jahr“, erklärt Büttner.

Taxiunternehmen

Taxiunternehmer Jörg Hofeditz sieht für seine Branche keinen Ausweg aus dem Preisdilemma. „Das Einzige, was wir tun können, ist spritsparend zu fahren. Und das machen wir ohnehin“, unterstreicht der Werdohler. Hofeditz hofft darauf, dass der zuständige Taxiverband im kommenden Jahr eine Preiserhöhung beantragt. Das ist erforderlich, da das Taxi formell zum Öffentlichen Nahverkehr zählt. „Denn auf uns kommt ja auch die Erhöhung des Mindestlohns auf zehn Euro zu“, macht er deutlich, dass ansonsten eine Kostenexplosion drohe.

Spedition

„Die Situation ist schon sehr schwierig“, sagt Robert Wienecke. Der Geschäftsführer der Walter Kayser Spedition GmbH & Co. KG unterstreicht: „Die Kosten für Diesel machen einen Großteil der anteiligen Transportkosten aus.“ Angesichts der enorm gestiegenen Preise seien Nachverhandlungen mit den Kunden erforderlich. „Dennoch müssen wir erst einmal bezahlen, um die Tanks unserer Lastwagen zu füllen.“

„Jenseits der 30 Lkw“ seien für die Werdohler Spedition im Einsatz. „Da wir über eine neue Lkw-Flotte verfügen, können wir relativ sparsam fahren“, berichtet Wienecke. Allerdings seien natürlich erhebliche Investitionen notwendig gewesen, um den Fuhrpark auf den neuesten Stand zu bringen. „Auch deshalb ist die Situation für Kollegen, die deutlich kleiner sind, noch wesentlich angespannter.“

Und letztlich werde die Kostenexplosion an den Zapfsäulen ohnehin an die Verbraucher weitergegeben: durch die steigenden Transportkosten werde auch das Endprodukt teurer.

Handwerker

„Die Preisschwankungen bleiben bei uns hängen“, erklärt Dirk Middendorf, Geschäftsführer der Meschede & Co. GmbH Elektrotechnik. Denn die feststehenden Kilometersätze könne man nicht „einfach so“ erhöhen. „Andererseits haben wir auch profitiert, als der Sprit so günstig war. Irgendwo gleicht sich das bisher also wieder aus.“

Sollten sich die Preise allerdings dauerhaft auf diesem hohen Niveau einpendeln, „kann man das nicht schlucken“, unterstreicht Middendorf. Im kommenden Jahr müsse man folglich eventuell an der einen oder anderen Stellschraube drehen. „Man bemerkt die Kostensteigerung schon deutlich. Ein paar hundert Euro macht das im Monat schon aus“, stellt der Geschäftsführer des Werdohler Unternehmens fest. Denn die Mitarbeiter seien nicht nur in Werdohl und Umgebung unterwegs. „Wir sind auch auf Baustellen im Hagener Raum, in Schwerte oder Westhofen tätig. Da kommen schon einige Kilometer zusammen.“

Baubetriebshof

„Natürlich wird die Entwicklung der Preissteigerungen bei den Treibstoffen auch von hier beobachtet und wir sehen, dass sich die Entwicklung der Preissteigerungen bei diesen Ausgaben für Unternehmen, zum Beispiel Transport- und Taxiunternehmen als sehr gravierend darstellt“, unterstreicht Vanessa Kunze-Haarmann, die Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters und Kämmerin der Stadt Werdohl. Bei der Stadt Werdohl habe die Preissteigerung im Bereich der Kraftstoffe – insbesondere für den Baubetriebshof – allerdings beim Gesamtvolumen des Haushaltes nur geringe Auswirkungen, da die Fahrzeuge größtenteils nur innerstädtisch benutzt würden. „Deshalb schlagen die Preissteigerungen nicht so zu Buche.“

Märkischer Kreis

Der Märkische Kreis hat einen Fahrzeugbestand von 74 Fahrzeugen. Nicht mitgerechnet sind die Einsatzwagen für den Rettungsdienst. 41 Fahrzeuge sind Pkw (darunter zwei E-Fahrzeuge). 15 davon stehen den Bediensteten in einem Fahrzeugpool für Dienstfahrten und Dienstreisen zu Verfügung. „Ebenfalls im Pool sind zwei E-Bikes“, sagt Pressesprecherin Ursula Erkens. Darüber hinaus gibt es spezielle Fahrzeuge, darunter auch zehn Nutzfahrzeuge (Sprinter) im Bereich Öffentliche Ordnung und Bürgerservice, Vermessungsfahrzeuge, Fahrzeuge für die Bereitschaftsdienste in den Bereichen Umwelt, Jugendamt, Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung, Gesundheitsamt und Ausländerbehörde oder Fahrzeuge für den Außendienst IT, für die Schulverwaltung und den Fachdienst Kultur- und Tourismus. Für die Bewirtschaftung der Außenlagen an kreiseigenen Gebäuden stehen neun Zugmaschinen zur Verfügung. Allerdings: „Wie sich die aktuellen Benzinpreise auf den Haushalt auswirken, kann der Kreis bisher noch nicht abschätzen.“

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