Dauerrandale bringt 42-Jährigem vier Jahre Knast

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Werdohl - Die Zeugen hatten ein erheblich besseres Gedächtnis als der Angeklagte. Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung, versuchter Diebstahl, Hausfriedensbruch: Auch nach Einstellung einer ganzen Reihe von Anklagepunkten reichte die Dauerrandale eines 42-Jährigen in Werdohl für eine neunmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Denn der Mann hatte drei Bewährungsstrafen offen – zuviel, um ihm nochmals eine positive Sozialprognose zu stellen.

40 Monate plus die jetzt verhängten neun Monate Vollstreckung rechnete Strafverteidiger Heiko Kölz aus und stellte diese zu erwartende Haftzeit dem eher läppischen Rest an Taten gegenüber, der nach der vorläufigen Einstellung einer ganzen Latte von Anklagepunkten übrig geblieben war. Vom Maß des Unrechts her liege sein Mandant „im unteren bis untersten Bereich“. Das sahen der Oberstaatsanwalt und Richter Dirk Reckschmidt anders.

Der Angeklagte, der schon in der vorangegangenen Sitzung erklärt hatte, dass er sich alkoholbedingt an nichts mehr erinnern könne, versäumte es zu punkten. Zwar war seit seinem Umzug von Werdohl nach Lüdenscheid Ende 2015 nichts mehr vorgefallen, keine einzige Anklage hinzugekommen. Warum das so sei, wollte der Verteidiger von seinem Mandanten wissen. „Weil ich die Umgebung gewechselt habe“, erklärte der. „Das ist ja alles in Werdohl passiert.“

Seinem vollmundigen „Ich kriege das alles in den Griff“ wollten Staatsanwalt und Richter aber dennoch nicht glauben. Zu vage war seine Auskunft hinsichtlich des derzeitigen Alkoholkonsums: „Es ist weniger geworden.“

Angesichts von drei laufenden Bewährungen könne man die Frage nach einer weiteren Bewährung nicht ernsthaft stellen, sagte der Staatsanwalt. Richter Dirk Reckschmidt sah in dem Urteil das Ergebnis eines langen Prozesses. „Diese Strafe ist einfach mal zu verbüßen.“

Doch er gab dem Angeklagten auch einen Hinweis auf den letzten Halt vor dem Gefängnis: „Solange dieses Urteil nicht rechtskräftig ist, ist für Sie nicht alles verloren.“ Will sagen: Sollte der Angeklagte in einer Berufungsverhandlung mit einer erfolgreichen Alkoholentwöhnungstherapie und einem Arbeitsplatz punkten können, hätte er vielleicht eine kleine Chance auf eine allerletzte Umwandlung der vollstreckbaren in eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe.

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