Thiele verlässt den Vossloh-Aufsichtsrat

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DB-Infrastruktur-Vorstand Kefer hatte im Juni 2016 überraschend angekündigt, seinen bis September 2017 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Ende Mai soll er Aufsichtsratsvorsitzender der Werdohler Vossloh AG werden.

Werdohl - Der Werdohler Vossloh AG steht ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates bevor: Heinz Hermann Thiele, der das Weltunternehmen Vossloh während einer umkämpften Hauptversammlung 2013 übernommen hatte, zieht sich zum 24. Mai aus dem Aufsichtsrat zurück. Weiterhin wird er knapp 45 Prozent der Vossloh-Aktien halten.

Sein Nachfolger soll der frühere stellvertretende Bahn-Vorstand Dr. Volker Kefer werden. Der 61-jährige Kefer hatte im Juni vergangenen Jahres um frühestmögliche Auflösung seines bis September 2017 laufenden Vertrags mit der Deutschen Bahn gebeten, weil er die andauernden Probleme mit dem Projekt Stuttgart 21 nicht in den Griff bekam.

Der Bahn-Aufsichtsrat sprach sich gegen eine vorzeitige Freistellung Kefers aus, um eine Auszahlung des Restgehaltes ohne Gegenleistung zu vermeiden. Kefer schied Ende Dezember vergangenen Jahres bei der Bahn aus. Nach Angaben der Bahn bekam Kefer im Geschäftsjahr 2012 eine Vergütung von 1,337 Millionen Euro, darunter 483.000 Euro fixe Vergütung.

Thiele legt seine Mandate als Vorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrates mit Ablauf der Hauptversammlung am 24. Mai nieder, erklärte das Unternehmen. Vossloh teilt weiterhin mit: „ Der Vorstand dankt Herrn Thiele sehr herzlich für seine langjährige, überaus erfolgreiche Tätigkeit im Aufsichtsrat der Gesellschaft, seine unternehmerische Weitsicht und die nachhaltige Unterstützung bei der Neuausrichtung des Vossloh-Konzerns sowie besonders für die sehr gute und stets vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Für die Nachfolge gesorgt

Thiele und sein eigenes Unternehmen Knorr-Bremse hatte sich 2013 gegen den Willen der Anteilseigner der Familie Vossloh in den Aufsichtsrat wählen lassen. Kurze Zeit später teilte das Unternehmen mit, dass Thiele auch den Vorsitz übernommen hatte. In Folge tauschte Thiele den bisherigen Vossloh-Vorstand Werner Andree und Norbert Schiedeck aus.

Der Boss aus München setzte den ehemaligen Siemens-Manager Hans Schabert als Vorstand ein, ihm zur Seite stellte er Oliver Schuster und Volker Schenk. In seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft hatte Thiele Vossloh gemeinsam mit dem Vorstand umfassend restrukturiert, neu ausgerichtet und auf die nun anstehende Wachstumsphase vorbereitet.

Patriarch Thiele wird auch für seine eigene Nachfolge im Aufsichtsrat gesorgt haben. Der ehemalige stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, Dr. Volker Kefer, soll am 24. Mai für die restliche Amtszeit Thieles bestellt werden. Es ist vorgesehen, dass Kefer nach seiner Wahl den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt.

"Erfahrener Bahnmanager"

Dr. Volker Kefer begann seine Karriere 1983 bei Siemens, wo er zuletzt bis April 2006 als Geschäftsgebietsleiter für den Bereich Mass Transit verantwortlich zeichnete. Ab Mai 2006 war er Vorstandsvorsitzender der DB Netz AG, ab September 2009 Konzernvorstand Technik, Systemverbund und Dienstleistungen der Deutsche Bahn AG. Von März 2010 bis zu seinem Ausscheiden vor drei Monaten bei der Deutschen Bahn war Dr. Kefer zusätzlich für den Bereich Infrastruktur verantwortlich. Im Jahr 2015 wurde er zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bahn berufen, Mitte 2016 warf er hin.

Das Unternehmen Vossloh ist das Ansicht, dass Dr. Kefer als „erfahrener, weithin geschätzter Bahnmanager“ wesentlich zur weiteren erfolgreichen Entwicklung von Vossloh zu einem fokussierten und weltweit führenden Anbieter von Gesamtlösungen der Bahninfrastruktur beitragen werde. Während Heinz Hermann Thiele die Öffentlichkeit scheut und kaum etwas über sich bekannt werden lässt, bekennt sich Dr. Volker Kefer als leidenschaftlicher Motorradfahrer. Kefer sei ein waschechter „Bahner“, ehrgeizig, zielstrebig und ein Mann, der sich gut verkaufen kann, berichten Wirtschaftsmedien.

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