Eveking: Weihnachtsgeschichte auf moderne Art

Die „Schafe“ bekommen von „Regisseurin Adelheid“ ihre Plätze zugewiesen. - Foto: Kanbach

Werdohl - Die Weihnachtsgeschichte an Heiligabend in der Art von Werner Dreisbach in der Friedenskirche in Szene zu setzen – das war gestern, in den achtziger und neunziger Jahren. Seit rund einem halben Jahrzehnt schon werden in Eveking neue und mitunter auch ungewöhnliche Wege beschritten, um den Gottesdienstbesuchern das Szenario rund um die Geburt Jesu zu vermitteln.

Auch die aktuelle Aufführung vor einigen Tagen fügt sich da nahtlos ein. Diesmal war es sozusagen ein Stück im Stück mit dem Titel „Das Hirtelein am Krippelein“ – nach einem Text aus der „Schlunz“-Reihe von Harry Voß und musikalisch am Heiligabend von Susanne Mankel begleitet.

Was sich allerdings vom Titel her anhörte wie ein ziemlich altmodisches Krippenspiel, war im Grunde eine Geschichte aus der Sicht des Jungen namens Schlunz, der die Weihnachtsbotschaft auf eigene Weise auf den Punkt bringt. Gerade deshalb waren Johanna Trautmann und Claudia Märtens als unsichtbares Regie-Team ebenso gespannt auf die Wirkung des Vorspiels wie Olga Falz, die in der Rolle der Kindergottesdienstleiterin und Regisseurin Adelheid aktiv an der Aufführung beteiligt war.

Die Resonanz war eindeutig und positiv. Die wochenlange Arbeit seit Ende der Herbstferien in der zweiten Oktoberhälfte hatte sich ausgezahlt, zumal auch wesentlich mehr Sprechrollen vorgesehen waren. Die kleinen und etwas größeren Darsteller dürfen stolz sein auf ihre Leistung.

Das Skript schrieb vor: Schafe samt Schlunz, Hirten, Engel sowie Maria und Josef stürmten vom Gemeinderaum der Friedenskirche durch den Hauptgang zum Altarraum, um dort ihre Positionen einzunehmen – zur Generalprobe.

Der Plan von Adelheid, ein Stück aufzuführen, in dem sich die Verse reimen, ging allerdings schnell schief. Dem Verkündigungsengel (Zoe Dicken) wurde übel, er fiel aus. Das Stück geriet ins Wanken. Schneller Ersatz war nötig.

Weil aber keiner der anderen Darsteller den Engel spielen wollte und die Zeit knapp wurde, kam Schlunz (Rune Hänel) zum Zuge. Ein frecher Knirps, der viele Dinge hinterfragt und sich eigentlich überhaupt nicht für die Engel-Rolle eignete. Im weiteren Verlauf der Aufführung gehen – natürlich gewollt – viele Dinge schief. Der Schlunz ist Garant für Verwirrung. Aber er bringt es auf den Punkt und übermittelt die Weihnachtsbotschaft mit seinen eigenen Worten.

Statt sich an den vermeintlich vorgeschriebenen Text zu halten, formuliert er die Hauptaussagen klar und deutlich: Weihnachten ist nicht nur bei den Reichen, sondern auch bei den Armen und Einsamen.

Das alles in der Sprache der heutigen Zeit. Und die Botschaft, so die Reaktion vieler Gottesdienstbesucher, war angekommen – auch wenn Maria und Josef samt Jesuskind lediglich als Nebenrolle in Erscheinung traten, obwohl sie natürlich gedanklich die Hauptrolle inne hatten. Nach der „Generalprobe“ folgte die „Premiere“.

Von Rainer Kanbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare