Aus dem Alltag der "Familie Sauerländer"

Vor der Europa-Wahl: So beeinflusst die EU den Alltag im Kreis

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In der Mittagspause sucht Willi Sauerländer nach Angeboten für eine Urlaubsreise. Die EU-Fluggastrechte machen es möglich.

Kreisgebiet - „Die Abgeordneten in Brüssel entscheiden doch nur unnötiges Zeug“, hört man immer wieder, wenn Menschen über die Europäische Union ins Plaudern geraten. „Nichts davon betrifft uns wirklich“, folgt dann oft. Das stimmt aber nicht.

Ist das so? Ein Blick in den Alltag einer fiktiven Familie in Werdohl beweist das Gegenteil. Nennen wir sie Familie Sauerländer.

6 Uhr: Willi Sauerländer trinkt einen Espresso aus Italien. Früher war er in nur wenigen Ländern zu bekommen. Der EU-Binnenmarkt erleichtert Lebensmitteln aus ganz Europa den Weg auf Sauerländers Tisch. Und dazu? Eine Schale Müsli. Da Willi Allergiker ist, schaut er noch einmal kritisch auf die Verpackung, bevor er den Löffel zückt. Laut EU-Lebensmittelkennzeichnungsvorschrift müssen alle Inhaltsstoffe und die wichtigsten Allergene gut lesbar auf der Produktverpackung stehen. 

7.23 Uhr: Willis Handy klingelt. Es ist sein Sohn Florian, derzeit Erasmusstudent, also gefördert mit Mitteln der EU, in den Niederlanden. Er bedankt sich für die Überweisung seiner Eltern, die nach kurzer Zeit eingegangen ist. Dank EU-weitem Sepa-Verfahren kein Wunder. Eine Überweisung ins Ausland geht schnell und kostet dadurch nicht mehr als eine im Inland. Willi Sauerländer und seine Frau Eva beneiden ihren Sohn für das Studium im Nachbarland: „Einmal für ein paar Jahre im Ausland leben, das wäre schön“, denken sie sich. „Ob wir das wohl irgendwann noch machen werden?“, fragen sie sich. Vielleicht mal im Ruhestand. Die Niederlassungsfreiheit in der Union für EU-Bürger macht es zumindest möglich.

7.46 Uhr: Willi ist auf dem Weg zur Arbeit. Mit seinem neuen Auto hat er nicht nur mehr Fahrspaß, sondern fühlt sich auch sicherer: Sein Blick schweift übers Armaturenbrett. Dort gibt es den kleinen Schalter „eCall“. Das Sicherheitssystem schickt bei einem Unfall automatisch einen Notruf raus. Laut EU-Beschluss ist das nun für alle Autobauer Vorschrift.

10.25 Uhr: Willi Sauerländer kommt bei der Arbeit mit einem Kollegen ins Plaudern. Sie erinnern sich an die Ausstellung der Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die sie im Stadtmuseum vergangenes Jahr gemeinsam besucht haben. „Ein tolles Stück Heimatgeschichte gab es da zu sehen“, freut sich Willi Sauerländer. Die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Werdohl wurde mit mehr als 20 000 Euro durch das europäische Leader-Projekt gefördert. Das Projekt soll den ländlichen Raum in der Europäischen Union nachhaltig stärken. Insgesamt sind durch Leader bereits knapp 60 000 Euro nach Werdohl geflossen. In den kommenden Monaten sollen laut der heimischen „Leader“-Vertretung neue Mountainbike-Trails entstehen. Die Lenneregion eigne sich aufgrund der Topografie und der Landschaft nämlich gut für das Mountainbiking.

13 Uhr: In der Mittagspause schaut Willi nach Urlaubszielen. Er plant eine romantische Reise mit Eva nach Paris. Auf dem Rückweg könnten sie auch ihren Sohn in den Niederlanden besuchen. Die EU-Fluggastrechte und die Verbraucherrechte schützen sie dabei.

17 Uhr: Willi hat Feierabend. Er fährt nach Hause zu Eva. Wie wär es heute mit einem schönen Film? Auf Arte, dem deutsch-französischen Fernsehsender, laufen unter anderem auch Filme, deren Produktion finanziell von der Europäischen Union gefördert wurde.

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