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9-Euro-Ticket: So groß ist die Nachfrage im Kreis

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Von: Thomas Bender

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Die Nachfrage nach den neuen Tickets ist im Laden von Rainer Grüger ungebrochen groß und hat seit der Klarheit über die Nutzung des Lenne-Intercitys nochmal angezogen.
Rainer Grüger verkauft am Markaner in Altena auch MVG-Tickets. Das 9-Euro-Ticket laufe gut, aber nicht mehr so gut wie im Juni, sagt er.  © Jona Wiechowski

„Das Thema ist jetzt endlich einmal auf dem Tisch“ – für Jochen Sulies, den Pressesprecher der MVG, ist das 9-Euro-Ticket eine hervorragende Werbung für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Exakt 56 633 dieser subventionierten Monatskarten hat das Unternehmen im Juni verkauft, 7000 davon schon für den Monat Juli.

Werdohl/Altena ‒ Zwei Drittel aller Verkäufe liefen über die eigenen Kundencenter oder die Vorverkaufsstellen. Eine solche wird in Altena von Rainer Grüger am Markaner betrieben. Die Nachfrage sei auch im Juli hoch, „allerdings nicht mehr ganz so hoch wie im Vormonat“, berichtet der. In Werdohl verkauft der Zeitschriftenkiosk im Edeka-Center Tank das 9-Euro-Ticket.

Es gibt viele Wege zum 9-Euro-Ticket – neben der MVG ist die Bahn die zweite Vertriebsschiene. Wie viele Märker sich an deren Automaten oder über die Bahn-App mit der Billig-Monatskarte eingedeckt haben, ist nicht bekannt. Ebenso wird keine Statistik darüber geführt, welche Auswirkungen die auf drei Monate befristete Ticketvergünstigung auf den sonstigen Fahrkartenverkauf hat. Eigentlich sollte man meinen, dass der völlig zum Erliegen gekommen ist: „Es gibt aber tatsächlich Leute, die noch eine Viererkarte kaufen, obwohl die viel teurer ist“, wundert sich Sulies. Nicht bestätigt hat sich bei der MVG die Befürchtung, dass das neue Angebot zu Kapazitätsproblemen führen könne. Es gebe zwar eine deutliche Zunahme der Fahrgastzahlen, sagt Sulies – „aber wir mussten noch keinen stehen lassen, weil der Bus zu voll war“. Auch die Bürgerbusse registrieren zunehmendes Interesse, seit auch dort das 9-Euro-Ticket akzeptiert wird. Und in den Zügen auf der Ruhr-Sieg-Strecke ist neuerdings ein Großteil der Plätze besetzt.

Ende August ist Schluss, ab dann gelten wieder die ganz normalen Tarife. Und die sind um ein Vielfaches höher – eine Monatskarte für die Strecke von Werdohl oder Altena nach Lüdenscheid kostet dann mehr als 100 Euro. MVG-Sprecher Sulies weiß, dass das viele abschreckt und zitiert eine Umfrage, nach der die Bundesbürger bereit wären, zwischen 25 und 30 Euro im Monat zu bezahlen, wenn sie dafür den ÖPNV unbegrenzt nutzen könnten. Aber selbst dann bleibe das Auto im ländlichen Raum wohl das wichtigste Verkehrsmittel, räumt er ein.

Freie Fahrt für 30 Euro – das würde nur dann funktionieren, wenn der ÖPNV noch stärker subventioniert würde als bisher. „Knallhart“ würden ohnehin die bald anstehenden Verhandlungen über Preiserhöhungen und mehr Zuschüsse, glaubt Sulies und verweist auf massiv gestiegene Treibstoffpreise, die natürlich auch die MVG treffen: „Der Herbst wird zeigen, wohin die Reise bei der Subventionierung des ÖPNV geht. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Geld“.

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