870 000 Euro fehlen für Stadtumbau-Projekt

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Wann die Bauarbeiten auf dem Brüninghaus-Platz beginnen werden ist noch unklar.

WERDOHL - 870 000 Euro fehlen offenbar für die Umgestaltung des Brüninghaus-Platzes und den Bau der Lennespange. Das teilte Bürgermeister Siegfried Griebsch auf Nachfrage mit. Anders als angekündigt kann die Verwaltung die Pläne aber nicht im Laufe der nächsten Wochen vorstellen. Grund ist offenbar das Architekten-Honorar.

Wieviel das Architekten-Büro Geskes.Hack bekomme, hänge von den „anerkannten Kosten“ ab, teilte der Bürgermeister dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung mit. Sobald die Verwaltung die Pläne veröffentliche, erkenne sie damit die Kosten für die Umgestaltung an. Diese liegen der aktuellen Planung der Architekten zufolge offenbar weit über den veranschlagten 1,3 Millionen Euro.

Sollten beide Maßnahmen zusammen tatsächlich nahezu 2,2 Millionen Euro kosten, stiege auch das Architekten-Honorar entsprechend. Und dafür hat Werdohl nur dann genug Geld, wenn die Bezirksregierung der Stadt höhere Zuschüsse bewilligt. „Die Bescheide für den Stadtumbau gibt es im Oktober oder November“, sagte Griebsch. „Es wird sich also noch acht bis neun Monate hinziehen, bis die Stadt die Pläne vorstellen kann.“

Dass sich der Beginn der Baumaßnahmen deshalb ins kommende Jahr verschieben könnte, deutete der Bürgermeister zumindest an: „Wir sind ja nicht in Zeitdruck“, sagte er. „Es ist doch vollkommen unerheblich, ob wir 2014 oder 2015 mit der Maßnahme anfangen.“

Mehrfach fragten Mitglieder des Ausschusses nach, was genau denn jetzt soviel teurer werde. Doch auch darüber konnte der Bürgermeister noch keine Auskunft geben. „Es ist objektiv nicht möglich, den Kostenrahmen einzuhalten“, teilte Griebsch dem Ausschuss lediglich mit.

Schon Ende des vergangenen Jahres hätte sich das angedeutet, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung. Jetzt gebe es eine Entwurfsplanung und eine detaillierte Kostenermittlung. Die Frage, warum die Planer das noch nicht vorher gesagt hätten, stellte der Bürgermeister im Ausschuss selbst und beantwortete sie gleich: „Es ist offenbar etwas Anderes, an einem Architektur-Wettbewerb teilzunehmen als dann in die Ausführungsplanung zu gehen.“ Auch die anderen Architekten, die am Wettbewerb teilgenommen hatten, hätten mit 1,3 Millionen Euro gerechnet.

Ausschuss fragt nicht nach Höhe der Kosten

Vor allem aus den Reihen der CDU war deutliche Kritik zu hören. Wilhelm Bettelhäuser forderte, erst einmal zu prüfen, was denn für die ursprünglich veranschlagte Summe zu haben sei, anstatt einfach mehr Geld zu fordern. „Für 1,3 Millionen gibt es nur eine der Maßnahmen“, teilte Bürgermeister Griebsch mehrfach mit.

Manfred Buchta (CDU) wandte ein, die Stadt müsse überall sparen und könne jetzt nicht 300 000 oder 400 000 Euro mehr für den Brüninghaus-Platz ausgeben.

Über die Höhe der Mehrkosten wurde im Ausschuss nur gemutmaßt – niemand fragte nach der konkreten Summe, die für die Umsetzung der Pläne fehlt. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung sprach Griebsch von 870 000 Euro.

Zwar waren sich die Fraktionen einig, an dem Stadtumbau-Projekt festhalten zu wollen. Griebsch solle versuchen, einen weiteren Zuschuss zu bekommen.

Doch sie teilten auch den Unmut über die Architekten. Bis zur Ausführungsplanung ist die Stadt vertraglich an Geskes.Hack gebunden. Im Ausschuss war eindeutig die Tendenz zu erkennen, danach nicht mehr mit dem Berliner Büro zusammenzuarbeiten.

„Die völlige Fehleinschätzung der Kosten reicht für mich als Grund schon aus“, sagte Cornelius Böttcher (SPD). „Der Planer wusste ja nicht einmal, dass beim WK ein riesiger Keller ist“, schimpfte Manfred Buchta. „Den sollte man wegjagen.“

Ausschussvorsitzender Fritz Knoche (CDU) beendete schließlich die Debatte: „Wir verbleiben so: Der Bürgermeister kümmert sich um Geld.“

Von Constanze Raidt

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