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Etliche Familien warten seit fast zwei Wochen auf Post

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Von: Volker Griese

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In einen leeren Briefkasten haben Friedrich-Wilhelm Middendorf (links) und sein Bruder Udo Middendorf aus Pungelscheid zwei Wochen lang fast täglich geschaut.
In einen leeren Briefkasten haben Friedrich-Wilhelm Middendorf (links) und sein Bruder Udo Middendorf aus Pungelscheid zwei Wochen lang fast täglich geschaut. © Volker Griese

Der Gang zum Briefkasten ist für Friedrich-Wilhelm Middendorf eigentlich ein morgendliches Ritual. Seit zwei Wochen kann er sich den Weg allerdings sparen: Sein Briefkasten ist meistens leer. Wie ihm ergeht auch seinen Nachbarn. Die Deutsche Post hat dafür keine plausible Erklärung.

Werdohl ‒ Tagelang hat Friedrich-Wilhelm Middendorf auf ein Rezept gewartet, das ihm mit der Post zugestellt werden sollte. Als es am 18. Dezember noch nicht eingetroffen war, hat er sich an den Kundenservice der Deutschen Post gewandt. „Die waren auch ganz nett“, räumt der Rentner ein. Und tatsächlich: Am 20. Dezember lag der Brief mit dem Rezept in seinem Briefkasten am Düsternsiepener Weg in Pungelscheid, abgeschickt laut Poststempel am 16. Dezember in Lüdenscheid.

Über die lange Transportzeit hätte Middendorf noch einmal hinwegsehen können, aber dieser Brief war die letzte Post, die er seitdem erhalten hat. Auch vor dem 20. Dezember war sein Briefkasten tagelang leer geblieben. „Die letzte Post hatten wir am 14. Dezember bekommen“, blickt Middendorf zurück.

Auch sein Bruder Udo Middendorf, der nur ein paar Häuser entfernt wohnt, wundert sich schon seit Tagen über ausbleibende Briefsendungen. Er ist Vorsitzender des Krankenunterstützungsvereins Werdohl und weiß aus Erfahrung: „Am Jahresende kommen immer Briefe von der Bezirksregierung und den Banken.“ Diesmal blieben diese Schreiben aus, denn auch er hat seit etlichen Tagen keine Post mehr bekommen.

Ebenfalls am Düstersiepener Weg wohnt Tansel Kadam. Er ist Inhaber eines kleinen Gartenbauunternehmens und wartet seit Tagen auf eine Nachricht über die Lieferung einer neuen Maschine. Der Brief hätte ihn längst erreichen sollen, weiß er inzwischen: „Der Lieferant hat sich schon gewundert, warum ich mich nicht zurückmelde“, sagt Kadam.

Die Deutsche Post hat keine Erklärung für die Zustellprobleme in Pungelscheid. Krankheitsbedingte Ausfälle gebe es derzeit nicht, teilte Pressesprecherin Jessica Baller am Dienstagmorgen mit. In Pungelscheid werde seit einigen Wochen eine neue Zustellkraft eingesetzt. Aufgrund extrem hoher Sendungsmengen sei es in den vergangenen Wochen „vereinzelt zu einem Zustellabbruch“ gekommen, räumt sie ein und bitte dafür auch um Entschuldigung. Die Sendungen seien dann aber tags darauf zugestellt worden.

Darüber können die Middendorf und auch Tansel Kadam nur den Kopf schütteln. „Es können sich doch hier nicht alle einbilden, dass sie keine Post erhalten haben“, sagt Friedrich-Wilhelm Middendorf. Wenige Stunden nach dem Gespräch mit der Redaktion meldet er sich am Dienstag dann erneut: „Heute haben wir Post bekommen – bergeweise.“ Verstehen kann er die lange Lieferverzögerung aber immer noch nicht.

Über die Zustellfrist sagt übrigens die Bundesnetzagentur als oberste deutsche Regulierungsbehörde: „Die Briefzustellung muss mindestens einmal werktäglich – somit auch an Samstagen – erfolgen.“ Das könne durch Briefe sollen durch Einwurf in den Briefkasten oder durch persönliche Aushändigung geschehen. Bei anhaltenden Mängeln können Betroffene eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen. Stellt die Bundesnetzagentur anhand gehäufter Beschwerden aus einem Postleitzahlengebiet oder einer Region einen Hotspot fest, fordert sie das jeweilige Postunternehmen auf, bestehende Mängel zeitnah abzustellen und die gesetzlich vorgeschriebene Qualität dauerhaft zu gewährleisten.

Der Verbraucherservice Post der Bundesnetzagentur ist unter Tel. 0 30 / 22 48 05 00 zu erreichen. Außerdem gibt es ein Online-Beschwerdeformular, das hier verfügbar ist.

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