Esther Greco verbringt ein Jahr in Neuseeland

Das Foto zeigt die Werdohlerin Esther Greco an den Haruru Falls, einem fünf Meter hohen Wasserfall in der Nähe von Paihia auf der Nordinsel Neuseelands.

WERDOHL - „Ich weiß nicht, wie sich die Dinge hier noch entwickeln“, hält sich Esther Greco alle Möglichkeiten offen. Am 31. Juli 2012 verließ sie von Frankfurt aus Deutschland. Am 2. August kam sie in Auckland an. Ein Jahr will sie in Neuseeland bleiben. „Aber ich könnte auch noch um drei Monate verlängern“, verrät sie. Auf eigene Faust erkundigt die in Altena geborene und in Werdohl lebende Frau die Gegend: „Für Neuseeland sprach eindeutig die vielfältige Natur und die Tatsache, dass das Land so klein ist, man es in einem Jahr komplett bereisen kann.“

Wenn sie zwischenzeitlich keine Arbeit hat und auch kein Hostel findet, zeltet die 21-Jährige auch gelegentlich. Und wenn sie zwischenzeitlich auf einer Farm wohnt, hat sie keinen Anschluss ans Internet. Per WhatsApp hält sie dann Kontakt zu ihren Lieben im Sauerland.

„Ich wollte schon immer reisen und so viel wie möglich von der Welt sehen“, erklärt die junge Frau ihre Motivation, nach dem Abitur, das sie am Albert-Schweizer Gymnasium in Plettenberg machte, ein Jahr Pause einzulegen. „Ich wusste auch noch nicht genau, wie es nach der Schule weiter gehen sollte.“

Ganz so kurzentschlossen, wie das zunächst klingt, war der Trip aber nicht gebucht. „Ich musste relativ früh anfangen, Geld zu sparen“, erläutert Greco. 2500 Euro Kapital brauchte sie schon einmal als Grundstock: „Das Work-and-Holiday-Visum für Neuseeland kostet zwar nur 90 Euro. Aber man muss bei der Ankunft am neuseeländischen Flughafen einen Kontoauszug vorweisen mit wenigstens 2400 Euro drauf, damit die wissen, dass man in Neuseeland zurecht kommt und sich ein Rückflugticket finanzieren kann.“

Neben dem Visum, das der deutschen Staatsbürgerin erlaubt, in Neuseeland zu arbeiten, schloss Greco sechs Wochen vor der Abreise eine Auslandskrankenversicherung ab. „Außerdem brauchte ich nur einen großen Rucksack.“

Kinder auf Kuhfarm gehütet

Die ersten drei Monate verbrachte die Abiturientin auf einer Kuhfarm mit rund 200 Tieren an der Westküste Neuseelands. „Ich habe mich dort um die zwei Mädchen der Familie im Alter von drei und fünf Jahren gekümmert, während die Eltern gearbeitet haben“, erzählt sie. „Mit denen bin ich super klar gekommen.“ Auch jetzt noch habe sie Kontakt zu dieser Familie.

„Mein Tag begann morgens um sechs und endete um 19 Uhr. Mittags hatte ich eine dreistündige Pause. Meine Aufgaben bestanden hauptsächlich darin, mit den Kindern etwas zu unternehmen, mit ihnen zu spielen, Essen für sie zu machen oder ihre Kleidung zu waschen. Am Wochenende hatte ich immer frei und die Familie hat mir auch ein Auto zur Verfügung gestellt.“

So konnte sie sich Neuseeland ansehen, etwa den Mount Taranaki – einen 2518 Meter hohen Vulkan. „Denn rund um die kleine Farm und den Kuhwiesen war weit und breit nichts. Der nächstgelegene Ort war Patea mit etwa 1200 Einwohnern, mit dem Wagen eine Viertelstunde entfernt. Um richtig einkaufen zu können, musste man nach Hurleyville. Das waren dann schon anderthalb Stunden Fahrt“, berichtet Esther Greco und fügt hinzu: „Was aber auch dort nicht zu finden war, war richtiges deutsches Brot. Die haben hier nur weißes Toastbrot.“ Deshalb ließ sie sich auch „leckeres Schwarzbrot aus Deutschland“ schicken. Das Paket ihrer Eltern „war innerhalb von zwei Wochen da und das Brot war noch nicht verschimmelt“.

Auf weitere Pakete aus der Heimat, etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag, verzichtete die 21-Jährige: zu aufwändig ist das Prozedere, weil Esther Greco sich ja nicht immer an ein und dem selben Ort aufhält. Und die Geschenke hätten auch zu viel wertvollen Stauraum in ihrem Rucksack in Beschlag genommen.

Weihnachten verbrachte Greco derweil in Kaitaia, „fast an der Spitze Neuseelands. Hier arbeite ich als Fruitpicker, pflücke also Früchte.“ Während in Deutschland Schnee das Klima bestimmt, „machen wir Barbecue am Strand“. Der Kontakt zu anderen Gelegenheitsarbeitern, die über ein Auto verfügen, ist Gold wert.

„Alle Leute, die ich getroffen habe, waren unglaublich gastfreundlich und hilfsbereit“, ist Greco begeistert. „Ich erhalte zahlreiche Einladungen von Leuten, die ich gerade einmal einen Tag lang kenne.“ Kein Wunder, dass die junge Frau überlegt, ihren Aufenthalt am anderen Ende der Welt zu verlängern. „Ich habe mich hier schnell unglaublich wohl gefühlt und wie zu Hause.“

Stippvisite in Australien

Zwischendurch machte Greco Urlaub in Australien. „Ich bin mit einer Freundin geflogen. Wir haben Brisbane, Cairns, Alice Springs und Sydney angesehen. Wir waren Schnorcheln am Great Barrier Reef, haben eine Tour durch den Regenwald gemacht und den Ayers Rock besucht.“ Einziges Manko dieses Abstechers: „Es war uns zu heiß: Wir hatten fast jeden Tag bis zu 40 Grad. Deswegen sind wir froh, wieder in Neuseeland zu sein.“

Auch wenn Greco noch etwas länger dort bleiben sollte, ihre Reiselust ist damit noch nicht gestillt: „Bevor ich sesshaft werde, will ich noch ein bisschen mehr von der Welt sehen.“ Aber sie habe so viel Faszinierendes in Neuseeland gesehen – „kann gut sein, dass ich irgendwann auch nochmal hierher zurückkehre“, berichtet die 21-jährige Werdohlerin aus Neuseeland.

Von Michael Koll

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