Essen aus der Mikrowelle

WERDOHL ▪ Nach der Schließung der Krankenhausküche im September werden die maximal 46 Patienten zukünftig mit Mikrowellen-Mahlzeiten versorgt. Nur so ließen sich jährlich 220 000 Euro Kosten einsparen. Das sagte Robert Schüwer, Geschäftsführer der Märkischen Gesundheits-Holding, auf Nachfrage unserer Zeitung. Von Volker Heyn

Zwei Nachrichten aus dem Krankenhaus liefen am Wochenende parallel: Zum einen der Beschluss, aus Einspargründen die Küche zu schließen und zum anderen ein überraschend hohes Defizit in der gesamten Klinikgruppe.

Bislang wurde das jährliche, etwa eine Million Euro große Defizit der Werdohler Stadtklinik durch die Trägergesellschaft ausgeglichen. Recherchen unserer Zeitung hatten ergeben, dass das aktuelle Defizit der Gesundheits-Holding bei mindestens vier Millionen, jedoch deutlich unter zehn Millionen Euro liegen werde. Schüwer auf Nachfrage: „Ich kenne die genauen Zahlen auch noch nicht. Belastbares Material werden wir in etwa zwei Wochen bekommen, wenn die Wirtschaftsprüfung abgeschlossen ist.“ Danach könne er auch etwas zum Defizit der Werdohler Stadtklinik sagen. Für Juni sei eine Aufsichtsratssitzung terminiert, bei der die Zahlen diskutiert würden.

Schüwer räumte aber gestern schon ein, dass er mit einem erheblichen Defizit rechne. Welche Konsequenzen das habe, sei nicht voraussehbar.

Die Schließung der Werdohler Krankenhausküche sei unausweichlich gewesen. Das größte Einsparpotenzial ergebe sich durch die Tatsache, dass die Aufwändungen für den Lebensmitteleinkauf von rund 200 000 Euro wegfielen. Neben den knapp 50 Essen für die Krankenhauspatienten wurden 250 Mahlzeiten für „Essen auf Rädern“ und für Kindertagesstätten und Schulen produziert. Diese Essen seien viel zu preiswert angeboten worden, so Schüwer.

Die bisherige Küche sei aufgebraucht, komplett abgeschrieben und hätte bei einer Weiterführung des Angebotes komplett erneuert werden müssen. Diese Investitionskosten würden eingespart, in dem das Essen für die maximal 46 Patienten zukünftig aus zwei „Küchen“ auf den beiden Ebenen käme. Schüwer relativierte aber den Begriff „Küche“: „Da werden Mikrowelle, Kühlgeräte und Spülmaschine hingestellt.“ Diese Investitionskosten lägen gerade einmal bei 26 000 Euro. Das Mittagessen werde ab Oktober als Tiefkühlware eingekauft und in der Mikrowelle zubereitet. Für die Austeilung von Frühstück und Abendessen für die Patienten werde ein Servierwagen angeschafft.

Übernommen werden sollen laut Siegfried Hubrich, Verwaltungsleiter des Werdohler Krankenhauses, alle 15 Mitarbeiter der bisherigen Großküche. Sie würden größtenteils im Service-Bereich eingesetzt. Schüwer: „Das geht stundenmäßig auf. Wir führen mit allen Gespräche.“ Dass bei der Personalübernahme kaum laufende Kosten eingespart werden können, räumte Schüwer ein.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare