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Eskalation des Russland/Ukraine-Konflikts trifft heimische Unternehmen

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Von: Markus Wilczek, Peter von der Beck

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Die VDM-Metals-Gruppe ist von einer Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland betroffen. Die Gruppe verfügt über eine Niederlassung in Moskau.
Die VDM-Metals-Gruppe ist von einer Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland betroffen. Die Gruppe verfügt über eine Niederlassung in Moskau. © Birke, Maximilian

Die Eskalation des Russland/Ukraine-Konflikts, der seit Donnerstag zu einem Krieg geworden ist, ist nur scheinbar weit weg vom Lenne- und Hönnetal. Denn viele heimische Unternehmen betrifft die Veränderung der Lage.

„Der Handel mit Russland wird ziemlich zum Erliegen kommen!“ Davon geht Frank Herrmann, Außenhandelsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), aus, nachdem Russland am Donnerstag den Krieg mit der Ukraine begonnen und eine große Invasion gestartet hat.

Im heimischen Kammerbezirk betreiben rund 90 Unternehmen direkten Handel mit Russland, etwa 60 mit der Ukraine. 30 Firmen verfügen über eine Niederlassung in Russland, zwei Unternehmen produzieren dort beziehungsweise in der Ukraine.

Auf Rang 14 im Handelsranking

„Im Handelsranking unserer Firmen liegt Russland auf Rang 14, die Ukraine noch deutlich tiefer“, sagte Herrmann. Dabei gehe es zu einem großen Teil um Exporte. „Importiert nach Deutschland werden ja vor allem Öl und Gas“, so Herrmann. Hier sei die SIHK-Region eher indirekt durch möglicherweise weiter steigende Gas- und Ölpreise betroffen.

Bislang sei ein Handel mit Russland durchaus möglich gewesen. „Denn die Sanktionen beschränkten sich größtenteils auf Einzelpersonen sowie den Öl- und Gassektor. Das wird jetzt natürlich anders. Das Land wird nach dem Beginn der Kriegshandlungen isoliert werden“, sagt Herrmann, der mit einer deutlichen Verschärfung der Sanktionen rechnet. Mit seiner Größe und der Kaufkraft in gewissen Schichten habe das Land durchaus Handelspotenzial geboten. „Aber das ist jetzt alles vorbei“, sagt der SIHK-Außenhandelsexperte.

Auswirkungen auf nahezu alle Unternehmen erwartet

Besonders zu spüren bekommen dürften das laut Herrmann heimische Unternehmen, die Niederlassungen in Russland betreiben. „Da werden die Auswirkungen sicherlich extrem sein“, befürchtet Herrmann.

Andreas Haubrichs, Wirtschaftsförderer in Werdohl, rechnet mit Auswirkungen des Russland/Ukraine-Konflikts auf nahezu alle Unternehmen in Werdohl aufgrund weiter steigender Öl-, Gas- und Spritpreise. „Die Logistikbranche, die durch die A 45-Sperrung und die Probleme auf den Umleitungsstrecken ohnehin schon gebeutelt ist, wird das sicherlich am heftigsten treffen“, so Haubrichs. Von den zu erwartenden drastischen Handelseinschränkungen mit den Geschäftspartnern in Russland seien in der Stadt an Lenne und Verse vor allem die größeren Unternehmen betroffen.

VDM und Stauff haben Niederlassungen in Moskau

Dazu gehört als größter Arbeitgeber der Stadt VDM Metals. Der Konzern verfügt über eine eigene Niederlassung in Russland, die ihren Sitz in der Hauptstadt Moskau hat. „Deshalb haben wir natürlich auch Handelsverflechtungen mit Russland und wären dann auch von einer Verschärfung der Sanktionen betroffen“, sagt Philipp Verbnik, Leiter Marketing bei VDM Metals. In der Moskauer Dependance arbeiteten keine Menschen aus der heimischen Region, dort seien ausschließlich russische Mitarbeiter beschäftigt. Zu weiteren Details des Russland-Geschäfts wollte sich Verbnik auf Nachfrage der Redaktion nicht äußern.

Bundestagsabgeordnete zur Eskalation: Paul Ziemiak (CDU) und Bettina Lugk (SPD) entsetzt

„Heute ist ein schwarzer Tag für Europa. Es ist eindeutig: Wladimir Putin führt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ich bin in Gedanken bei den Menschen, die jetzt Opfer der Bomben werden“, sagt Paul Ziemiak. Der Großvater des CDU-Bundestagsabgeordneten ist in der Nähe von Lemberg, das ist im Westen der Ukraine, geboren worden und sein Geburtshaus steht dort bis heute.

„Deshalb fühle ich mich den Menschen dort besonders verbunden. Ich stehe in täglichen Kontakt mit meinen Freunden in der Ukraine“, so Paul Ziemiak und ergänzt: „Wir haben alle die Warnungen gehört und gelesen. Ich hatte aber immer die Hoffnung, dass Putin nicht so weit geht.“

Es bedürfe jetzt schärfster Sanktionen gegen Russland, die Vorbereitung eines Großeinsatzes zur humanitären Hilfe vor Ort und die Vorbereitung der Kapazitäten zur Flüchtlingsaufnahme.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk hatte gehofft, war sogar davon überzeugt, „dass wir in Europa aus den zwei Weltkriegen und dem Balkankrieg im vergangenen Jahrhundert genug gelernt haben, um keine militärischen Auseinandersetzungen auf unserem Kontinent zuzulassen. Dass dies nicht so ist und wieder Menschen in einem Krieg sterben, trifft mich persönlich sehr“, so die Sozialdemokratin. Putin habe sein Land damit auf Jahre in die politische und wirtschaftliche Isolation geführt. „Es wird ein Sanktionspaket in einem nie da gewesenen Ausmaß geben, das ohne Wenn und Aber auch uns etwas abverlangen wird. Die Maßnahmen haben das Hauptziel, Russlands Möglichkeiten einen Krieg zu finanzieren, einzuschränken“, sagt Bettina Lugk.

Fluidtechnik-Komponenten-Hersteller Stauff erklärt auf Anfrage, kein Statement abgeben zu wollen. Man beobachte derzeit die Situation. Auch Stauff betreibt eine Niederlasssung in Moskau. Wie bei VDM, seien auch hier ausschließlich russische Mitarbeiter beschäftigt. Der Bahntechnikkonzern Vossloh ließ eine Anfrage der Redaktion zu möglichen Auswirkungen verschärfter Russland-Sanktionen auf sein Unternehmen zunächst unbeantwortet.

Drahtwerke Elisental liefern Teebeutelklipse nach Russland

Durchaus betroffen sein könnten auch die Drahtwerke Elisental in Neuenrade von schärferen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Russland/Ukraine-Krieg. Tatsächlich haben die Drahtwerke zum Teil große Kunden in Russland. Geschäftsführer Daniel Wingen sagt: „Wir liefern den Draht für die Teebeutelklipse. Und wir sind neben einem anderen Hersteller die größten Lieferanten für die Kunden in Russland.“ Daneben liefern die Drahtwerke Elisental noch „Draht für Sprenghülsen, die ausschließlich im Tagebau/Bergbau Verwendung finden“. Gleichwohl sei man derzeit nicht direkt betroffen. „Ein Wegfall der Umsätze wäre für uns ärgerlich“, sagt Geschäftsführer Daniel Wingen. Sorgen bereitet ihm auch die Tatsache, dass „ein bedeutender Teil des Aluminiums“ aus Russland stammt. In der Tat gehört Russland zu den größten Bauxitförderern weltweit. Das könne möglicherweise zu einer Verknappung führen und mithin zu steigenden Preisen, vermutet Wingen. Die Drahtwerke haben sich auf Drähte und Flachdrähte aus Aluminiumlegierungen spezialisiert. Ansonsten ist Wingen fassungslos angesichts der Ereignisse: „Ich hätte es nicht erwartet.“

Erschüttert sei er als Privatmensch, als Kaufmann und Prokurist der Julius Klinke GmbH & Co. KG., sagt Michael Schubert, dass das Neuenrader Unternehmen nicht direkt Geschäftsbeziehungen mit Russland pflege. Ob das Unternehmen indirekt von schärferen Sanktionen getroffen wird, sei momentan schwer vorhersehbar. „Angesichtes der internationalen Finanz- und Materialkreisläufe ist das für uns alle überhaupt nicht absehbar, was da noch passieren könnte“, sagt der Prokurist. Die Firma Klinke ist jedenfalls breit aufgestellt, was die Kundschaft anbelangt. Klinke produziert mit 200 Mitarbeitern Präzisionsdrehteile für unterschiedliche Industriezweige.

Russischer Caterer hat zu Politik „nichts“ zu sagen

Bleibt noch der Blick auf ein besonderes Neuenrader Unternehmen: „Svetlana Exclusive“ – ein Cateringservice – hat als Zielgruppe Russischstämmige. Die Firma liefert vor allem bei russischen Hochzeiten, ist laut Homepage vernetzt mit russischen Bands und Fotografen. Doch aus dem Hause „Svetlana Exclusive“ hatte man „kein Interesse“ sich zu äußern. Das sei „Politik“, dazu habe man „nichts“ zu sagen.

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