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Es steht mitten in Werdohl: Die Geheimnisse des Mahnmals für Frieden

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Von: Volker Griese

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Das Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park hat Paul Seuthe nach Gestaltungsregeln des Goldenen Schnitts entworfen.
Das Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park hat Paul Seuthe nach Gestaltungsregeln des Goldenen Schnitts entworfen. © Griese, Volker

Der Werdohler Thomas Benecke, der seit dem Sommer 2016 an der Neustadtstraße ein privates Paul-Seuthe-Museum betreibt, plant eine neue Ausstellung über den Werdohler Kunstmaler und Architekten. Diesmal möchte er den Spuren nachgehen, die Seuthe in Werdohl hinterlassen hat.

Werdohl – „Ich habe kräftig geholfen, diese Stadt mitzuverhunzen durch die Bauten, die ich gemacht habe und die alle gebaut wurden, weil die Leute nicht mehr Geld hatten“, soll Paul Seuthe einmal gesagt haben. Jedenfalls wird er so in der Sauerland-Zeitung zitiert, die ihm 1984 anlässlich seines 75. Geburtstages einen größeren Artikel gewidmet hat.

Ob der Architekt Paul Seuthe seine Wahlheimat Werdohl durch seine Tätigkeit als Architekt nun eher verhunzt hat, wie er selber meint, oder ob er vielmehr für die eine oder andere architektonische Perle verantwortlich ist, mag jeder für sich beurteilen. Fest steht, dass einiges aus Seuthes Schaffen der Nachwelt erhalten geblieben ist. Die Pestalozzi-Schule für Lernbehinderte an der Schulstraße, die der Architekt Seuthe geplant hat und die 1959 ihren Betrieb aufgenommen hat, existiert zwar nicht mehr als Einrichtung, aber das Gebäude ist nach wie vor vorhanden. Heute befindet sich darin das Jugend- und Bürgerzentrum (JBZ). Auch etliche der zahlreichen von ihm ab 1953 geplanten Wohn- und Fabrikgebäude dürften die Zeit überdauert haben. Von der Bildfläche verschwunden ist dagegen das 1954 zunächst als Krankenpflegeschule errichtete ehemalige Schwesternwohnheim unterhalb der Stadtklinik. Es ist im Jahr 2010 abgerissen worden.

Ganz in der Nähe gibt es ein ganz spezielles Bauwerk, das von Paul Seuthe geplant worden ist: das Mahnmal für die Toten der Kriege. Es soll Seuthes liebstes architektonische Bauwerk gewesen sein. Dabei sieht es mit seinen Säulen und Blöcken aus Granit auf den ersten Blick recht profan aus. Doch Seuthe hat den Kriegsopfern damit kein künstlerisches, sondern ein nach architektonischen Grundsätzen geschaffenes Denkmal gesetzt.

Das erkennt man allerdings erst, wenn man sich näher mit den Dimensionen und der Anordnung der Steinblöcke auseinandersetzt. Auf dem mit sechs Steinsäulen eingefassten Plateau von 14 Metern Durchmesser hat Seuthe vier verschieden dicke Schichten aus Steinblöcken anordnen lassen, die für die vier Kriege von 1864/1866 (Deutsche Einigungskriege), 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg), 1914 bis 1918 (Erster Weltkrieg) und 1939 bis 1945 (Zweiter Weltkrieg) stehen sollen. Die Dimensionen der Blöcke hat Seuthe nach den seit alters her bekannten Gestaltungsregeln des Goldenen Schnitts festgelegt. So werden die Steinplatten mit jedem weiteren Krieg um das Goldene Schnittverhältnis dicker. Seuthe soll seine Grundidee dahinter folgendermaßen erläutert haben: „Wenn noch ein Block draufkommt, dann ist sowieso alles am Ende.“ Ein weiterer, noch dickerer Steinblock überstiege alles menschliche Maß, sollte das heißen. Seuthe hat also mit geometrisch-architektonischer Symbolik zum Friedenhalten gemahnt.

Thomas Benecke hat für die Ausstellung „Paul Seuthe – Spuren in Werdohl“ noch einiges mehr über das 1961 im Auftrag der Stadt Werdohl errichtete Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park herausgefunden. So birgt es in seinem Inneren wohl Metallplatten des früheren Krieger-Denkmals auf dem heutigen Friedrich-Keßler-Platz. Dieses 1890 errichtete Denkmal wurde 1942 abgebrochen, weil das Metall der Bronzestatue für die Rüstungsindustrie benötigt wurde. Einige Metallplatten sind offensichtlich erhalten geblieben und liegen wohl seit mehr als 60 Jahren zwischen den Steinblöcken im Ludwig-Grimm-Park. Benecke hat ein Foto davon auftreiben können.

Diese Anekdote und noch einige andere hat Benecke bei seinen Nachforschungen über Paul Seuthe entdeckt. Dazu gehört auch die Bedeutung der Buchstaben P.S. auf dem Mahnmal. Nur so viel: Sie stehen nicht (nur) für den Namen des Architekten und Künstlers Paul Seuthe. Benecke hat noch eine andere Theorie. Dies und einiges mehr über das Schaffen Paul Seuthes in Werdohl können Interesse in der Ausstellung erfahren, die am Sonntag, 14. August, um 12 Uhr im Paul-Seuthe-Museum (Neustadtstraße 26) eröffnet wird. An diesem Tag ist sie bis 14 Uhr zugänglich. Weitere Öffnungstermine sind Samstag und Sonntag, 20. und 21. August, jeweils von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Zugang zum Ausstellungsraum ist barrierefrei.

Der Goldene Schnitt ist eine bereits seit der Antike bekannte Gestaltungsregel und bezeichnet das Teilungsverhältnis zweier Größen zueinander. Diese Teilung gilt als ausgewogenes Leitmaß und wird vom Menschen als besonders harmonisch empfunden. Schon die alten Tempelbauten der Antike entsprechen diesem Kompositionsprinzip. Erstmals aufgestellt wurde die Theorie von dem Mathematiker Euklid von Alexandria (etwa 360 bis 280 v. Chr.). Und so wird der Goldene Schnitt ermittelt: Eine Strecke wird so unterteilt, dass das Verhältnis der kleineren Teilstrecke (b) zur größeren Teilstrecke (a) dem der größeren Strecke zur Gesamtstrecke (a + b) entspricht. Das ergibt die mathematische Formel

a / b = (a + b) / a.

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