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„Es ist eine Katastrophe“: Steigende Kosten bereiten Tierschützern Sorgen

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Katzen Giftköder
Wer möchte eine Katze bei sich aufnehmen? Händeringend sucht der Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade nach Menschen, die Vierbeiner ein gutes Zuhause bieten können. Die Situation ist aktuell angespannt. Zu steigenden Preisen kommt eine sinkende Spendenbereitschaft. © Hauke-Christian Dittrich / dpa

Immer neue Tiere, keine Vermittlungen: Die Lage für den Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade ist aktuell nicht gut. Händeringend wird nicht nur nach Menschen gesucht, die Tiere aufnehmen möchten, sondern auch nach Spenden. Denn auch der Verein bekommt die extremen Preissteigerungen zu spüren. Da ist die neue Gebührenordnung für Tierärzte mit ihren ordentlichen Preissprüngen nur die neueste Herausforderung.

Werdohl ‒ Vorsitzende Marlies Ruth redet nicht drumherum: „Es ist eine Katastrophe“. Seit 15 Jahre engagiert sie sich im Tierschutz. Aber: „Solche Situationen habe ich noch nicht erlebt“, sagt sie. Allein 20 Katzen hat der Verein, der an der Gildestraße eine Auffangstation betreibt, derzeit in der Betreuung. „Das ist untypisch“, ordnet sie ein. Und das sei nicht nur in Werdohl und Neuenrade der Fall, wo der Verein aktiv ist. In Gesprächen mit anderen Vereinen aus der Umgebung würden immer wieder ähnliche Bilder deutlich.

Früher sei der November mal der vermittlungsstärkste Monat gewesen – wenn nach dem Sommer die Terrassentür zublieb, hätten sich vermehrt Menschen nach vierbeinigen Mitbewohnern umgesehen. Der Winter konnte super zur Eingewöhnung genutzt werden. Denn am Anfang müsse mehr darauf geachtet werden, dass Katzen nicht einfach rausgehen, so Ruth. Doch vom einst vermittlungsstärksten Monat ist aktuell nichts zu spüren. „Es tut sich gar nichts“, stellt Ruth fest.

Die Situation mit Blick auf Preissteigerungen beschreibt die Vorsitzende als „sehr schwierig.“ Der Verein ist auf Spenden angewiesen – und genau die ließen gerade nach. Sachen wie Tierfutter kosten immer mehr Geld, aber natürlich auch die Auffangstation mit all ihren Kosten. Und seit dem 22. November greift auch die neue Gebührenordnung für Tierärzte. Nachdem sich 20 Jahre kaum etwas an den Preisen getan hatte, fällt die Erhöhung jetzt umso dramatischer aus. Die Untersuchung von Katzen verteuert sich beispielsweise in der einfachsten Variante von knapp 9 Euro auf mehr als 23 Euro. Ruth: „Bis jetzt haben wir noch keine Rechnungen mit der Erhöhung bekommen“, erzählt sie. Das komme alles noch.

Die Vorsitzende geht davon aus, dass auch diese Preissteigerung noch einmal einige davon abhalten dürfte, sich ein Tier anzuschaffen: „Wer kann sich das leisten?“ Auf der einen Seite könne sie es verstehen, auf der anderen hebt sie hervor, dass sich in den vergangenen zwei Jahren viele Menschen unbedacht Tiere angeschafft hätten. Ob das an Corona liege, wisse sie nicht. Jedenfalls habe sich der Verein damals, als mit Beginn der Pandemie viele vermehrt zuhause blieben, „vor Anfragen nicht retten können.“ Und jetzt? Jetzt gebe es viele, die die Tiere wieder abgeben wollten – Tendenz: steigend. Ruth berichtet von mehreren Beispielen, die ihr aus der jüngeren Vergangenheit in Erinnerung geblieben sind: Einmal sei eine Katze nach nur zwei Wochen wieder abgegeben worden. In einer anderen Woche seien gleich fünf Tiere wieder abgegeben worden, unter anderem wegen einer Allergie und auch, weil sich die Lebensumstände geändert hätten.

Für den Tierschutzverein ist das eine Mammutaufgabe, denn die Kapazitäten sind begrenzt. Wieviele Tiere beispielsweise in die Auffangstation können, variiert. Das liegt daran, dass sich nicht alle Katzen miteinander verstehen – und nur solche kämen zusammen in einen Raum. Denn: Die meiste Zeit sind die Tiere allein. Zweimal am Tag – morgens und abends – kommen Mitglieder des Vereins vorbei, füttern die Tiere und machen sauber. Auf 15 bis 20 Schultern wird diese Arbeit im Moment verteilt. Weitere Tiere sind bei vier bis fünf privaten Auffangstationen, also bei Mitgliedern zuhause. Auch dort nimmt die Belastung zu: „Die Verweildauer wird immer länger.“ Immer schwieriger werde es, Menschen zu finden, die Tiere aufnehmen wollten.

Zuversichtlich blickt Ruth auf den kommenden Sonntag, 4. Dezember. Dann findet wie gewohnt wieder ein offener Tag an der Auffangstation an der Gildestraße statt. Von 14 bis 16 Uhr, wobei das Ende stets offen ist, können sich Interessierte dann wie gewohnt umsehen. Im November sei wenig losgewesen; der Oktober davor sei dafür auf größere Resonanz gestoßen.

Spendenkonto: Der Tierschutzverein Werdohl/Neuenrade ist auf Spenden angewiesen. Bei der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis (Iban: DE 4345 8510 2000 7003 1695) kann man Spenden einzahlen. Weitere Infos gibt es online auf der Internetseite: www.tierschutzverein-werdohl-neuenrade.de

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