Erziehungsberatung für türkische Mütter

Teilnehmer des Einführungskurses „Starke Eltern – starke Kinder“ für türkische Mütter.

WERDOHL ▪ „In den drei Stunden am Mittwochvormittag wirst Du aufgepeppt und dann geht der Tag in der Familie weiter.“ – so formulierte eine türkischstämmige Werdohlerin ihre Eindrücke von einem Kurs, den sie seit Januar im sozialen Beratungszentrum an der Schulstraße besucht hat. Zwischen acht und 15 Frauen waren auf Einladung von Evangelia Kasdanastassi von der Integrationsagentur des Diakonischen Werkes zu diesem Einführungskurs gekommen.

Als Referenten und Kursleiter hatte das Diakonische Werk Hüseyin Yüksel gewonnen. Der psychologische Berater und Personal Coach bietet zusammen mit seiner Schwester Mürvet Yüksel-Karakoc unter dem Namen „My Lebenskraft“ Seminare zur interkulturellen Familienarbeit an. Die Agentur sitzt in Lüdenscheid, die Kursleitung wurde aus Mitteln des Diakonischen Werkes finanziert. Für die Frauen war die Teilnahme kostenlos. Der Kurs wird jetzt fortgesetzt am 2., 9. und 16. Juni in den Räumen der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs. Die Kurssprache ist türkisch.

Kein Problem war es, dass sich die Mütter mit einem Mann in Sachen Familienangelegenheiten unterhielten. Die fachliche Kompetenz von Hüseyin Yüksel wurde von den Frauen anerkannt. Besprochen wurden allgemeine Erziehungsthemen, wie sie in jeder Familie vorkommen. Aber auch interkulturelle Unterschiede wurden diskutiert. So wird in der türkischen Gesellschaft einem Kind nahezu alles nachgesehen, Grenzen werden erst sehr spät gezogen. Das ist in deutschen Kindergärten und Schulen anders, und hier prallen die unterschiedlichen Erziehungssysteme aufeinander. Schulische Unterstützung und die Pubertät waren weitere Themen. Eine Mutter berichtete über ihre 16-jährige Tochter: „Schule ist ok, aber zu Hause oje.“ Der Kurs habe ihr gute Tipps gegeben. Wie in vielen Familien ist auch bei den türkischen Familien die Zeit für echte Erziehungsarbeit knapp. Berufstätigkeit beider Eltern wirkt sich auf das Familienleben aus. Dabei spielt die Integration in Werdohl auch eine Rolle. Eine Kursteilnehmerin fühlt sich schon allein deshalb oft als nicht gleichwertig angesehen, weil sie ein Kopftuch trägt. Auf den Mund gefallen ist jedenfalls nicht: „Manche kommen mir deswegen doof – aber das ist mir mittlerweile egal.“ Sie habe kein Problem mit der Integration: „Vielleicht haben die Deutschen ein Problem damit.“ Ob sie denn nicht integriert sei, weil sie ein Kopftuch trage? Offensichtlich gab es viele engagierte Diskussionen in dem Kurs über das Selbstverständnis der türkischen Frauen.

Wer weiter an interkultureller Familienarbeit interessiert ist, für den bietet die Integrationsagentur Werdohl gemeinsam mit der psychologischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes (DW) und der katholischen Grundschule weitere Informationsabende an. Am 17. Mai um 19 Uhr spricht Doro Klandermann vom DW über „positive Verhaltensförderung bei Kindern“. Am 8. Juni referiert Claudia Petri vom DV über „Kindern Grenzen setzen“. Weitere Themenabende gibt es nach den Sommerferien.

Volker Heyn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare