Viele Flüchtlinge suchen Rat bei der Diakonie

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Ute Zorn berichtete im Sozialausschuss über die Arbeit der Erwerbslosenberatung.

Werdohl - Etwa 220 Flüchtlinge leben derzeit in Werdohl. Das beschere auch der Erwerbslosenberatung der Diakonie Mark-Ruhr mehr Arbeit, erfuhren die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt am Dienstag von Ute Zorn, die in der Beratungsstelle an der Schulstraße tätig ist.

Knapp 500 Beratungen seien im vergangenen Jahr durchgeführt worden, bilanzierte Zorn. Dabei seien Ratsuchende aus Werdohl mit 444 Beratungen mit Abstand am häufigsten vertreten gewesen. Darüber hinaus seien 42 Beratungen für Personen aus Neuenrade, Altena, Lüdenscheid, Plettenberg und Herscheid durchgeführt worden.

Allerdings, betonte Zorn, sei die Zahl der Beratungen nicht mit der Anzahl von Fällen gleichzusetzen. Offenbar, weil manche Personen mehrfach Beratung benötigten, komme die Erwerbslosenberatung auf etwa 150 Fälle im Jahr 2016.

Mit 75 Prozent aller Beratungen entfalle die überwiegende Mehrheit auf Personen der Altersgruppe von 25 bis 54 Jahren, berichtet Zorn. Und Deutsche sind in den Beratungsstunden eher in der Minderheit: Nur etwas mehr als jede vierte Beratung gelte dieser Bevölkerungsgruppe, wobei der Anteil der deutschen mit Migrationshintergrund nur 3,5 Prozent betrage.

Viele ohne Berufsausbildung

Weitaus öfter (74,2 Prozent) haben es die Berater mit Angehörigen anderer Nationalitäten zu tun. Ute Zorn führte das auf die gestiegene Zahl von Flüchtlingen zurück, die je nach Status vermehrt in der Beratungsstelle aufgetaucht seien. Das sei auch der Grund, warum die Zahl der ratsuchenden Männer im vergangenen Jahr auf 61,7 Prozent gestiegen sei.

Und noch an zwei weiteren Stellen in der Statistik machte sich die Flüchtlingssituation bemerkbar: 75,6 Prozent der Ratsuchenden im vergangenen Jahr seien ohne Berufsausbildung. „Das liegt daran, dass die in den Herkunftsländern erworbene Berufsausbildung oftmals nicht den hiesigen Standards entspricht und deshalb nicht anerkannt wird“, klärte Zorn auf.

Wohnraum wird knapp

Schließlich resultiere auch noch der Anstieg von maximal seit sechs Monaten arbeitslosen Ratsuchenden aus der Zuwanderung, berichtete Zorn. Vorher sei die Mehrzahl der Menschen, die sich an die Beratungsstelle gewandt hätten, länger als zwei Jahre ohne Job gewesen.

Ute Zorn sprach auch einen Nebeneffekt für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen an, den die gestiegene Zahl von Flüchtlingen in Werdohl ausgelöst habe. „Durch die vielen geflüchteten Menschen wird der Wohnraum, den das Jobcenter als angemessen anerkennt, sehr knapp.“ Hintergrund ist, dass die Stadt Werdohl Flüchtlinge auch in privaten Wohnungen untergebracht hat, die damit dann anderen Anspruchsberechtigten nicht mehr zur Verfügung stehen.

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